Dem Saarland droht ein Geldregen durch den Infrastrukturfonds der Bundesregierung. Geld, das unter anderem im Straßen- und Brückenbau, in neuen Radwegen gut angelegt ist. Aber Geld ist diesmal nicht das Problem, sagt Werner Nauerz vom Landesbetrieb für Straßenbau.
Herr Nauerz, der Infrastrukturfonds des Bundes bedeutet auch mehr Millionen für Saarlands Straßen. Freut Sie das?
Bedingt. Ausgelöst durch die Entscheidung des Bundes, alle Belange der Autobahnen in Deutschland in einer eigenen GmbH zu bündeln, haben wir vor Kurzem die ehemaligen Kollegen an die Autobahn GmbH verloren. Dadurch hat der Bund, dessen politischer Wunsch dies war, gewachsene Strukturen zerrissen und vor allem Fachwissen abgezogen. Wo vorher eine Person notwendig war, sind es nun zwei, eine auf Seiten der Autobahn GmbH und eine auf unserer Seite, die sich miteinander abstimmen müssen. Das war vorher nicht notwendig.
Können Sie ein Beispiel dafür nennen?
Nehmen wir zum Beispiel die Brücke, die zwischen Klarenthal und Luisenthal neu gebaut werden soll. Eine Stahlkonstruktion, die über die Autobahn führt. Hier sind wir am Ersatzneubau dran. Durch die Trennung von Landesbetrieb und Autobahn GmbH müssen wir uns nun miteinander abstimmen und klären, wer für welchen Teil des Neubaus zuständig ist, und vor allem klären, wer welchen Teil bezahlen muss. Ein größeres Millionenprojekt, das im Moment durch die Abstimmungen zwischen Bund und Land verzögert wird. Dadurch, dass die Autobahn GmbH jedoch nun eigenen Personalbedarf hat, gibt es nun auch einen Akteur mehr, der Fachkräfte anzieht.
Das heißt, es fehlen Ihnen Arbeitskräfte?
Das ist ein Riesenproblem, trotz Infrastrukturfonds. Wo viel Geld ist, entsteht noch lange keine Straße. Wir merken das im Gespräch mit Ingenieurbüros und Firmen, alle kämpfen um die gleichen schlauen Köpfe, und die geburtenstarken Jahrgänge gehen nun in Rente. Das heißt, wir können laut Demografie gar nicht alle nachbesetzen. Wir suchen im Moment 30 bis 40 Beschäftigte per Ausschreibungen, viele davon in der siebten oder achten Runde, weil sich niemand beworben hat oder Interessenten, die ganz weitab des Anforderungsprofils waren. Wir können viel leisten, auch für ausländische Bewerberinnen und Bewerber, indem wir nachqualifizieren. Aber wir hatten, als Beispiel, eine Stelle für einen Bauingenieur als Straßenplaner. Gemeldet hat sich ein Jurist. Sonst niemand. Die Stelle konnten wir nicht besetzen.
Verteilte Zuständigkeiten, fehlende Fachkräfte sind das eine, was verzögert Ihre Arbeit noch?
Die Brücke in Fraulautern, die den Stadtteil mit Saarlouis verbindet, ist ein Projekt, das zwar dringend ist, aber lange dauert. Eine Bundesstraße führt über die Brücke, die ein wichtiges Personen- und Gütergleis der Bahn überspannt, denn dort fahren die Torpedo-Waggons mit Flüssigstahl im Land entlang. Bürgerinnen und Bürger pochen nun auf die Ortsumgehung Fraulautern, sie wollen nicht, dass der Autoverkehr weiterhin über diese Brücke nach Saarlouis fließt. Wir können aber nicht so lange warten, denn die Brücke altert ja weiter, und bis eine mögliche Ortsumgehung überhaupt genehmigt und gebaut ist, ziehen deutlich mehr Jahre ins Land. Wir waren 2018 kurz vor Einleitung der Planfeststellung und stehen jetzt wiederum kurz davor. Aber wir müssen dies von zwei Seiten betrachten. Natürlich müssen wir Einwendungen ernst nehmen und die Bürgerinnen und Bürger an den Verfahren beteiligen. Einiges ist sicher berechtigt, anderes nicht, aber dies verzögert oft die notwendige Sanierung oder den Neubau. Auch so manche Ansprüche können wir nicht erfüllen. Wir müssen zum Beispiel oftmals Straßen voll sperren, nicht nur halbseitig, weil uns gesetzliche Regelungen und Richtlinien dies vorschreiben. Dies wiederum führt oft zu Ärger mit den Anwohnern, die uns fragen, wie denn dann die Müllabfuhr anfahren soll oder der Paketbote. Ich bin selbst Anwohner, ich weiß, dass dies zu Unannehmlichkeiten führen kann. Anders können wir aber die Straße nicht erneuern. Gelegentlich gibt es auch den Vorwurf, unsere Verfahren würden zu lange dauern. Ja, von der grünen Wiese bis hin zu einer Straße, die dort fertiggestellt wird, dauert es mit viel Tempo im Schnitt 15 Jahre. Aber wir halten damit die gesetzlichen Vorgaben ein, suchen ein Planungsbüro, untersuchen unsere Eingriffe in die Natur, dokumentieren diese, halten uns an deutsches und EU-Vergaberecht und so weiter. So sind die Bedingungen. Und hier werben wir um mehr Verständnis in der Bevölkerung.
Prominentester Fall derzeit ist die Johannisbrücke, wie geht dieses Projekt weiter?
Wir hatten rechnerisch ein Problem mit dieser Brücke – laut Obmannschreiben des Bundes mussten wir die Brücke nachrechnen. Ein Ingenieurbüro, das sich auf solch komplexe Bauwerke spezialisiert hat, wurde nun mit der Untersuchung beauftragt und stellte statische Probleme fest. Die Brücke besteht aus einem Stahlhohlkasten auf Stahlbetonstützen, darauf eine Betonfahrbahndecke. Komplex macht die Sache außerdem, dass die Stützen im Gleisbett der Bahn stehen, das heißt, wir kommen nicht jederzeit an jeden Bereich der Brücke heran und müssen uns mit der Bahn abstimmen. Bei unserer Untersuchung haben wir keine akuten Schäden festgestellt, aber durchaus Beulen in den Stahlblechen des Brückenhohlkastens, deren Ursachen und Auswirkungen wir klären müssen, und Lagerschäden. Sicherheitshalber gibt es nun nur noch eine Fahrspur pro Seite, mitten über den Stahlhohlkasten beziehungsweise Betonstützen hinweg, und ein Befahrverbot für schwere Lkw. Das Bauwerk wurde in den Computer übertragen und 3D-gescannt. Die Brückenlager wurden erneuert. Derzeit erfassen wir immer genauer die Kennzahlen dieses Bauwerks, wir erkunden ständig nach, auch den Untergrund, um die Datengrundlage zu verbreitern. Ziel ist es, eine Fahrspur zu belassen, aber den regulären Lkw-Verkehr wiederaufzunehmen. Die „Lebenszeit“ der Brücke aber endet in etwa 15 Jahren, und wir müssen daher auch den Neubau planen – mit Bahngleisen, Fußweg und Radweg darunter. Das fordert unsere Ressourcen gehörig.
70 Millionen Euro hat das Land in den Ausbau der Infrastruktur im Jahr 2024 gesteckt. Konnten Sie alles verbauen?
Leider nein, denn uns hat das Pfingsthochwasser einen Strich durch die Rechnung gemacht, und wir mussten Projekte verschieben. Wir schätzen, dass etwa zwölf Millionen Euro in die Arbeiten rund um das Hochwasser, von Absperrungen bis hin zur Sicherung von Hangrutschen und allen Reparaturarbeiten, fließen werden, die Arbeiten sind aber noch nicht vollständig abgeschlossen. Wir konnten jedoch übrige Gelder in dieses Jahr übertragen. 2025 stehen uns 47 Millionen Euro für den Landstraßenbereich, für Bundesstraßen 16 Millionen Euro zur Verfügung. Darin enthalten sind auch Gelder für die zugehörigen Radwege. Hinzu kommen noch Hochbaumittel in Höhe von sieben Millionen Euro, die wir verwenden, um unter anderem unsere Salzhallen für die Winterdienste neu zu bauen, die nun allesamt und wegen des Salzes in die Jahre gekommen sind. Außerdem nehmen wir bald die neue Straßenmeisterei in Völklingen in Betrieb, die überwiegend vom Bund finanziert wird.
Etwa 98 Millionen Euro soll das Saarland jährlich nun erhalten, nicht nur für den LfS, auch für die Kommunen. Bekommen wir das Geld angesichts der fehlenden Fachkräfte buchstäblich auf die Straße?
Das wird sich zeigen. Wir haben zehn oder zwölf Jahre, um diese Gelder zu verausgaben. Dafür braucht es Menschen, die planen und bauen. Sowohl auf Ebene des Landes, das sind wir, aber auch auf Ebene der Zuständigkeiten der Kommunen, die eigene Straßen und Wege bauen und erhalten müssen. Dies wird unser limitierender Faktor.