Der britische Survivalthriller „Something in the Water“ erzählt von einer Gruppe junger Frauen, die es mit einer Naturgewalt aus den Tiefen des Meeres zu tun bekommt – und sich dem reinen Überleben stellen müssen. Zu sehen bei Amazon Prime.
Da will man nur mal in Ruhe den Junggesellinnenabschied feiern und schon hat man einen Hai an den Hacken. Die fünf Freundinnen Meg, Kayla, Lizzie, Camilla, und Ruth fahren in dem britischen Survivalthriller „Something in the Water“ mit einem Motorboot auf eine abgelegene westindische Insel. Dort möchten sie noch einmal in Ruhe feiern, bevor Lizzie ihrem Traummann Dominic – Camillas Bruder – am Folgetag das Jawort gibt. An einem Strand setzen die anderen drei Meg und Kayla ab.
Auf ersten Schock folgt der nächste
Die beiden sollen sich in Ruhe aussprechen, da das Ex-Paar ein knappes Jahr zuvor von einer homophoben Gruppe angepöbelt und Meg zusammengeschlagen wurde. Seitdem sahen sie sich nicht mehr. Während Meg (Hiftu Quasem; „The Witcher“) und Kayla (Natalie Mitson; „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“) sich in dem scheinbar ruhigen Gewässer wieder annähern, nähert sich ein Hai. Da der Fisch ein Jäger ist und Ruth ziemlich verlockend im Wasser herumtanzt, nutzt er seine Chance und fällt sie an. Ihr Schock (toll gespielt von Ellouise Shakespeare-Hart; „The Jury: Murder Trial“) beunruhigt auch die anderen.
Da Ruth zu verbluten droht, macht sich die Gruppe mit dem Boot direkt auf den Rückweg. In all der Hektik übersehen sie einen Felsen im Meer, woraufhin ihr Gefährt Leck schlägt. Die Lage bessert sich nicht, als Lizzie (Lauren Lyle; „Outlander“) offenbart, nicht schwimmen zu können. Im Gegensatz dazu kann Kayla das richtig gut und möchte auf diese Weise Hilfe holen. Nachdem sie weg ist, erzählen Lizzie und Camilla (Nicole Rieko Setsuko; „Eavesdropping“), dass Kayla in der Nacht des Angriffs vor einem Jahr ihrer Freundin Meg einen Heiratsantrag machen wollte. Die Konflikte brodeln also, die Meeresbewohner bekommen wieder Hunger und das Wetter spielt der Fünfergruppe auch nicht in die Karten. Bald gibt es nur noch die offene See.
„Something in the Water“ gibt nicht vor, mehr zu sein als ein kurzweiliger Thriller – das macht die britische Produktion sympathisch. Er hat mit 86 Minuten eine angenehme Laufzeit, ist trotz FSK16-Freigabe nicht übermäßig brutal und allgemein flott inszeniert. Wenig Schauplätze und fünf Hauptdarstellerinnen, die das Beste aus ihrer Leinwandzeit machen – so viel sei verraten: Es überleben nicht alle bis zum Abspann – bringen zum Schluss, dass Regisseurin Hayley Easton Street alles rausholt, was Geschichte und Setting hergeben.
Haie werden nicht übermythologisiert
Warum der Streifen, der in Amazon Prime kostenlos enthalten ist, bei Rotten Tomatoes lediglich 48 Prozent auf dem „Tomatometer“ erreicht und das Publikum ihn bei imdb.com mit 4,1 von zehn Punkten abkanzelt, erschließt sich nicht wirklich. Sicherlich ist „Something in the Water“ nicht „Der weiße Hai“, doch schwimmt der zu Teilen in der Dominikanischen Republik gedrehte Film absolut auf Augenhöhe mit ähnlich gelagerten Produktionen wie „The Reef – Schwimm um Dein Leben“ oder „The Shallows“ und hat außerdem deutlich bessere Tier-Effekte als Jason Stathams Actionfilme um den „Meg“.
Das Überleben auf dem Meer, die schwindende Hoffnung und für die Charaktere schockierende Abschiede – das alles ist in wunderschöne Bilder verpackt. Man merkt, dass die Regisseurin, die mit „Something in the Water“ ihr Langfilmdebüt vorlegt, in ihrer filmischen Vita vor allem mit dem visuellen Aspekt zu tun hatte. Sie arbeitete unter anderem mit an den visuellen Effekten bei „Ex Machina“, „Zorn der Titanen“ oder „Doom – Der Film“. Bei Blockbustern wie „Thor: The Dark Kingdom“, „World War Z“ oder „10.000 BC“ wirkte sie in der Ausstattungsabteilung mit.
Ein weiterer dem Film guttuender Aspekt ist es, dass die Haie nicht übermythologisiert werden. Die Regisseurin sagte dazu in einem Interview, dass sie in ihrem Film den Hai nicht als Monster oder Teufel habe darstellen wollen. „Sie sind keine Serienmörder. Haie befinden sich in einer geschwächten Position: Es gibt Müll, wenige Fische, und sie müssen essen.“ Auch geht es deutlich weniger um Female Empowerment, als man angesichts der Besetzung vermuten könnte. Und so bietet der Film von 2024 einfach guten Eskapismus.