Seine Gegner nannten ihn einst „Bandit des Bundestages“. Bei solchen Beschimpfungen sagt Jürgen Todenhöfer dann, dass auch Mahatma Gandhi, der große indische Freiheitskämpfer, der sein Leben lang für Gewaltlosigkeit einstand, verhöhnt wurde.
Das neue Buch des ehemaligen Bundestagsabgeordneten der CDU (1972 bis 1990) Jürgen Todenhöfer, trägt den pathetischen Titel „Und folgt Dir keiner, geh allein“. Das macht schnell klar, wie sehr sich der ehemalige abrüstungspolitische Sprecher als heldenhafter Einzelkämpfer sieht im Kampf um die Wahrheit. Politisch einordnen auf der Links-Rechts-Skala lässt sich Todenhöfer schwer.
Das Buch ist als Biografie angekündigt. Todenhöfer ergreift darin kräftig die Gelegenheit, seinen Standpunkt zu gefühlt allen aktuellen Kriegen und Krisenherden der Welt, wie Afghanistan, Syrien, Gaza, dem Kongo oder dem Jemen, im Detail zu erläutern. Bei Reisen zu diesen kriegerischen Orten spricht er mit beiden Parteien. Dabei ist er mutig und naiv.
Politisch erreicht hat er wenig. Geholfen hat er trotzdem: mit dem Aufbau von Krankenhäusern oder Schulen. Oder mit der Finanzierung von Hilfsprojekten für Prothesen. Dafür hat er nach eigener Aussage auch einen großen Teil seines eigenen Vermögens eingesetzt. Todenhöfers Gegner kritisieren, dass er mit Diktatoren und Dschihadisten sympathisiert. Seine Befürworter sind enttäuscht, weil er 2020 vollmundig „Die Gerechtigkeitspartei – Team Todenhöfer“ gründet, die er dann mitten im Wahlkampf 2021 im Stich lässt, um nach Afghanistan zu reisen. Das Buch rührt auf, weil es viele brutale und herzzerreißende Einzelschicksale erzählt: vom jungen Abdul, dem eine Brandbombe die Hälfte seiner Haut verbrennt, oder dem Mädchen Zipora aus dem Kongo, das für einen Hungerlohn oft mit bloßen Händen Coltan für unsere Handys aus dem Boden gräbt.
Für politisch informierte Leser hat das 464 Seiten dicke Buch etliche Längen. Todenhöfers Befürworter werden das Werk trotzdem mit Begeisterung lesen. Seine Kritiker werden es nicht anfassen.