Auch wenn Jennifer Collet erst mit knapp 40 Jahren ihr Debütalbum „Anything that Burns“ unter dem Künstlernamen „Colletti“ herausbringt – ihr Weg zu diesem Release begann bereits vor 25 Jahren. Sie schrieb im Alter von 16 Jahren erste Stücke, sie singt und sie spielt Gitarre. Und wie es mit Leidenschaften in jungen Jahren so ist – manchmal verliert man sie aus den Augen. Dann kam Corona und im Zuge der Pandemie wurde sie von ihrer Chefin bei einer Weihnachtsfeier dazu ermuntert, einige Stücke auf der Gitarre zum Besten zu geben. Dies und die allgemein verwirrende Zeit mündeten darin, dass Jennifer Collet sich ziemlich erschöpft auf eine Alm in Tirol in Österreich zurückzog. Mehrere Stücke schrieb sie dort innerhalb einer Woche, die sie auch damit zubrachte, Zäune zu ziehen und Kühe die Alm hochzutreiben.
„Cabin in the Woods“ könnte man als Reminiszenz an diese Zeit verstehen, die erste Single ihres Singer-Songwriter-Debüts. Das in der kanadischen Einöde verfasste Lied lässt sich aber auch zu dem Thema einordnen, worum sich die zehn Songs im Allgemeinen drehen: Abschied. Da könnte man bei Traurigkeit und Melancholie sein, doch Jennifer Collet beharrt lachend darauf, eine Frohnatur zu sein: „Ich bin entschlossen positiv.“ Sie gibt aber auch zu, dass sie früher schlecht habe loslassen können. Mittlerweile habe sich aber eine gewisse Gelassenheit entwickelt. „Prove me a Fool“ beispielsweise sei „fast ein fröhliches Lied“, sagt sie. Tatsächlich scheint dies ein Rückblick auf eine gescheiterte Beziehung mit frisch gewonnener Stärke zu sein.
Wie auf diesem Vier-Minuten-Stück hat sie den begleitenden Bass, die E-Gitarre sowie Klavierparts auch in einigen anderen Liedern selbst eingespielt. Bei „Sarah“ fungierte Sori Pantchevska als Gastpianistin. In „Hey Cousin“ ist gar ein kompletter Shanty-Chor mit an Bord. „Die Hafenperlen“ lernte sie beim Fonsstock-Festival in Nordenham kennen, als sie „beim Vorglühen“ ihres Gast-Gesangsauftrittes mit der Punkband Pascow versucht habe, Akkordeon zu spielen, wie sie lachend anmerkt. Da hatte der Shanty-Chor einfach mit eingestimmt.