Beim 1. FC Saarbrücken läuft die Vorbereitung auf Hochtouren. Während das Team von Alois Schwartz im Trainingslager an seiner Fitness feilt, dreht sich das Personalkarussell weiter.
Lange mussten die Fans warten, doch endlich hat das Personalkarussell einige Umdrehungen hinter sich: Die Transferphase beim FCS begann mit einem jungen Mann, der in Berlin einst als Stürmerhoffnung galt: Luca Wollschläger. Der 22-Jährige bringt mit 1,94 Meter nicht nur körperliche Präsenz mit, sondern auch eine gewisse Wucht im Strafraum. In der Jugend bei Hertha BSC ausgebildet, durfte er bereits Bundesliga-Luft schnuppern, wurde danach aber vor allem in der Regionalliga eingesetzt. In Saarbrücken soll Wollschläger nun beweisen, dass er das Niveau der 3. Liga dauerhaft stemmen kann. Sportdirektor Jürgen Luginger hält große Stücke auf ihn, spricht von „sportlichem Ehrgeiz“ und der Überzeugung, „dass er bei uns den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen kann“. Wollschläger selbst wirkt bodenständig und wissend um seine Rolle: „Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung.“
Deutlich mehr Erfahrung bringt Niko Bretschneider mit. Der Linksverteidiger, zuletzt eine feste Größe bei Energie Cottbus, gehörte dort zu den auffälligsten Spielern der Überraschungsmannschaft der Saison. Er hatte sogar ein „Top-Angebot“ (Trainer Pele Wollitz) zur Verlängerung in der Lausitz vorliegen, entschied sich aber für Saarbrücken. Schon früh in seiner Karriere war der 25-Jährige bei Hertha BSC II und dem MSV Duisburg aktiv, ehe er sich in Cottbus durchsetzte. Dort galt er als Dauerläufer und Vorbereiter auf der linken Seite. In Saarbrücken könnte er eine wichtige Lücke schließen, die im Vorjahr immer wieder offen klaffte.
Im Tor wurde mit Jonas Nickisch ein Rohdiamant verpflichtet. Der junge Torhüter, gerade einmal 21 Jahre alt, kam über RB Leipzig zum 1. FC Köln, wo er zwar zur erweiterten Profiriege zählte, aber nicht in der Bundesliga zum Einsatz kam. Stattdessen sammelte er Erfahrung in der Regionalliga, war jedoch schon zu seiner Leipziger Zeit mehrfach Teil von Bundesliga- oder Champions-League-Kadern. Internationales Flair bringt er außerdem aus der Uefa Youth League mit. Ob er gleich um die Nummer Eins kämpfen wird, ist unwahrscheinlich – im Auge behalten sollte man ihn jedoch trotzdem.
Ein Mann, der schon viel gesehen hat, heißt Robin Bormuth. Der Innenverteidiger bringt über 150 Profi-Einsätze mit, hauptsächlich aus der 2. Bundesliga. Stationen wie Fortuna Düsseldorf, SC Paderborn oder der Karlsruher SC stehen in seiner Vita. Allerdings erlitt Bormuth im Vorjahr einen Kreuzbandriss, was ihn einige Monate kostete – und womöglich auch eine Vertragsverlängerung in Karlsruhe. Saarbrücken bietet ihm nun die Chance für einen Neustart. Im ersten Testspiel dirigierte er seine neue Abwehr bereits lautstark von hinten, ganz der erfahrene Organisator. „Robin ist ein sehr erfahrener Innenverteidiger, der Mentalität, Präsenz und Führungsqualitäten mitbringt“, sagt Luginger. Der FCS setzt große Hoffnungen in ihn, um der Defensive die nötige Stabilität zu verleihen.
Baumann wieder ein Thema
Der bisher letzte Neuzugang ist Florian Pick. Der Offensivspieler, 29 Jahre alt, hat inzwischen weit über 180 Spiele in der 2. und 3. Liga bestritten. Besonders zwischen 2018 und 2020 trumpfte er beim 1. FC Kaiserslautern auf, sammelte dort 31 Scorerpunkte und weckte Begehrlichkeiten höherklassiger Vereine. Pick gilt als quirliger Außenbahnspieler mit Zug zum Tor – genau das, was dem FCS im Vorjahr oft gefehlt hat. Nach seinem Vertragsende bei Preußen Münster nutzte Saarbrücken die Chance und holte ihn ablösefrei. Sollte Pick sein Leistungsvermögen abrufen, könnte er ein echter Unterschiedsspieler werden.
Trotz dieser Transfers bleibt eine zentrale Frage offen: Wer wird beim FCS künftig die Tore schießen? In der vergangenen Saison erzielte kein Saarbrücker Spieler mehr als neun Treffer. Insgesamt kam die Mannschaft auf lediglich 59 Tore – zu wenig für die Ansprüche an der Saar. Trainer Alois Schwartz bringt es auf den Punkt: „Ohne einen echten Knipser wird es auch im nächsten Jahr schwer.“
Ein Kandidat war zuletzt Florian Krüger, der in der Rückrunde sieben Treffer für den FCS erzielte. Luginger würde ihn gerne fest verpflichten. Doch Krügers starke Leistungen haben das Interesse von Zweitligisten geweckt, was einen Verbleib zunehmend unwahrscheinlich macht. Zudem ist er vertraglich noch in Belgien gebunden.
Stattdessen tauchen neue Namen auf. Besonders hartnäckig hält sich das Gerücht um Tyger Lobinger von Viktoria Köln. Der 26-Jährige traf in der vergangenen Saison 15-mal und legte vier weitere Treffer auf. Zwar hat er noch einen Vertrag in Köln bis 2026, doch eine Ablösesumme im Bereich von 350.000 Euro gilt als machbar. Allerdings mischen auch Zweitligisten wie Eintracht Braunschweig im Werben um Lobinger mit. Neben ihm kursieren die Namen Jannik Mause vom 1. FC Kaiserslautern und Dominic Baumann aus Sandhausen. Baumann stand bereits mehrfach auf der Saarbrücker Wunschliste, ein Transfer scheiterte bislang aber stets. Patrick Hobsch, bei 1860 München unter Vertrag, wurde ebenso angeboten wie Joël Zwarts, der zuletzt in Osnabrück kickte. Noch ohne echten Knipser ging es dann ins Trainingslager in Baden-Württemberg. Parallel zu den Personalplanungen bereitet sich die Mannschaft in Ilshofen auf die neue Saison vor. Im ersten Testspiel der Vorbereitung traf der FCS auf Oberligist Normannia Gmünd und setzte sich mit 2:1 durch. Die Partie zeigte vor allem: Die Beine sind schwer, die Grundlagenarbeit steht klar im Vordergrund. Trainer Alois Schwartz ließ am Vormittag eine intensive Einheit absolvieren, was sich in der gesamten Partie auch offenbarte.
Trotzdem dominierte der FCS über weite Strecken das Spiel. Neuzugang Robin Bormuth zeigte sich als lautstarker Organisator der Defensive, während Sebastian Vasiliadis immer wieder für kreative Momente sorgte. Das erste Tor der Partie erzielte jedoch Normannia Gmünd mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck. Jonas Nickisch, der neue Torwart, blieb dabei chancenlos. Doch die Saarländer schlugen schnell zurück: Kai Brünker traf innerhalb weniger Minuten gleich doppelt und sicherte den knappen Sieg. Danach ging es dann noch auf die Laufbahn.
Fest steht: Der FCS hat im Kader wichtige Schritte gemacht. Doch damit der Traum vom Aufstieg in Reichweite bleibt, fehlt noch eine Schlüsselpersonalie – ein Torjäger, der in engen Spielen den Unterschied ausmacht.