15 Jahre arbeitete sie in der Politik, heute coacht und berät Anne Funk Menschen, die viel Verantwortung tragen. Ihr spezieller Fokus gilt der Lebensmitte. Ihr Konzept: „Légèreté“, französisch für Leichtigkeit. In den kommenden Wochen teilt sie Tipps und Tricks für die zweite Lebenshälfte.
Frau Funk, wie kam es zu der Idee, Coachings anzubieten – und wie wurde daraus „Légèreté“?
Im Prinzip ist das eine Fusion aus den Erfahrungen, die ich in 25 Jahren beruflicher Tätigkeit gesammelt habe – und auch aus meinem Studium. Ich habe Politikwissenschaften und Psychologie studiert, und mich hat immer interessiert, wie Menschen führen, wie sie Entscheidungen treffen. Auch der Journalismus hat da eine Rolle gespielt: diese grundsätzliche Neugier, Neues zu erschließen, mit Menschen in Kontakt zu treten. Mit den Jahren in verschiedenen politischen und administrativen Funktionen habe ich sehr konkrete Erfahrungen gemacht– etwa, wie man mit Zeitdruck umgeht oder wie wichtig es ist, zuerst mit sich selbst gut zu kommunizieren, bevor man mit anderen gut kommunizieren kann. Diese Erkenntnisse gebe ich heute weiter. Es war ein Reifungsprozess. Und „Légèreté by Anne Funk“ ist das Ergebnis dieses Prozesses.
Sie haben es schon gesagt: Zuvor kannte man Sie eher aus der Politik ...
Ja, nach rund 15 Jahren in der Politik habe ich gesagt: Es ist Zeit, loszulassen. Während dieser Zeit habe ich bereits gecoacht – als Regierungssprecherin, in der Senior Communication im Wahlkampfteam aber auch als Persönliche Referentin. Jetzt biete ich diese Kompetenzen bewusst und erweitert an, in Politik und Wirtschaft, aber auch im privaten Kontext.
Ein Fokus Ihrer Arbeit liegt auf dem Bereich Führungskräfte …
Ja, das ist ein klarer Schwerpunkt meiner Arbeit. In meinen Coachings geht es viel um Kommunikation – zuerst mit sich selbst, dann mit anderen. Ich berate aber auch ganz konkret zur Kommunikation mit Mitarbeitenden oder mit Medien. Das ist eine meiner Kernkompetenzen. Ein weiteres großes Thema ist Change Management – insbesondere im Midlife-Bereich. Also bei Menschen zwischen 35 und 55. Die Lebensmitte ist eine wahnsinnig spannende Lebensphase. Ich stecke selbst mittendrin. Viele erleben diese Zeit als eine Art Halbzeit. Es verändert sich viel – körperlich, beruflich, familiär. Und gleichzeitig wird das Thema gesellschaftlich oft tabuisiert. In keinem Alter kündigen so viele Menschen ihren Job oder wechseln den Beruf. Viele fühlen sich erschöpft, leer oder wertlos. Und genau diesen Menschen will ich helfen – ohne therapeutischen Anspruch, sondern als Mensch, als jemand, der diesen Wandel selbst erlebt hat. Ich möchte zeigen, wie man mit kleinen, alltagstauglichen Schritten wieder in seine Kraft kommt. Dabei arbeite ich ganzheitlich und evidenzbasiert – nicht zuletzt dank meiner Ausbildung als Health Coach und meinem Psychologiestudium.
Was war für Sie der ausschlaggebende Punkt, zu sagen: Ich möchte mit Menschen im Midlife arbeiten?
Vor zwei Jahren habe ich eine Fehlgeburt erlitten. Das war eine sehr tiefgreifende Erfahrung. Ich habe damals erlebt, wie stark dieses Thema in unserem Umfeld tabuisiert ist – und auch, wie wenig über die anschließenden körperlichen Veränderungen gesprochen wird. Bei mir hat das Ganze ein hormonelles Chaos ausgelöst, ich bin quasi direkt in die Perimenopause gerutscht – ohne zu wissen, was das überhaupt ist. Ich habe versucht, mir Hilfe zu holen, war bei verschiedenen Ärzten, habe Coachings ausprobiert. Aber nichts davon hat wirklich geholfen. Und da wurde die Journalistin in mir wach: Ich habe recherchiert, um das alles selbst besser verstehen zu können. Dabei bin ich auf die European Lifestyle Medicine Organization (ELMO) gestoßen. Die bieten lebensstilbasierte Interventionen an, die auf sieben zentrale Lebensbereiche setzen. Das fand ich spannend. Ich habe den zuständigen Professor kontaktiert – obwohl der Zertifikatskurs eigentlich hauptsächlich für Ärztinnen und Ärzte gedacht ist. Aber er meinte: „Sie sind ja sehr ambitioniert – machen Sie das ruhig.“ Also habe ich mich dort angemeldet, den Kurs durchgezogen – und parallel ganz intensiv an mir selbst gearbeitet. Körperlich, mental, emotional. Und ich habe gemerkt, wie viel sich dadurch verändert. Das hat mich so begeistert, dass ich es automatisch in mein Umfeld getragen habe. Zuerst ungewollt, aber schnell wurde klar: Das interessiert viele. Ich habe dann bei der Europäischen Kommission begonnen, Kurse für die Personalabteilung anzubieten. Ich dachte erst, da kommen vielleicht 20 oder 25 Leute – aber es waren von Anfang an über 130 Teilnehmende pro Workshop. Und viele davon begleite ich bis heute.
Was versteht man unter „Lifestyle Medicine“?
Die „Lifestyle Medicine“ verfolgt einen präventiven und zugleich heilungsorientierten Ansatz. Rund 80 Prozent unserer chronischen Erkrankungen – wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden – sind auf den Lebensstil zurückzuführen. Und sie lassen sich mit dem richtigen Lebensstil auch positiv beeinflussen, zum Teil sogar umkehren. Die sieben Säulen sind:
gesunde Ernährung – vor allem mediterran,
regelmäßige Bewegung,
erholsamer Schlaf,
effektives Stressmanagement,
soziale Verbundenheit,
Verzicht auf schädliche Substanzen, zum Beispiel Nikotin oder übermäßigen Alkohol,
ein bewusster Umgang mit Umweltfaktoren wie hormonell wirksamen Chemikalien
Vor allem geht es dabei um Selbstwirksamkeit. Die Klientinnen und Klienten sollen nicht abhängig von mir werden, sondern lernen, sich selbst zu helfen.
Was unterscheidet Ihr Coaching-Angebot von anderen Angeboten?
Mir ist es sehr wichtig, dass meine Angebote maßgeschneidert sind. Ich habe selbst diverse Coachings als Klientin durchlaufen – und die schlechten Erfahrungen kamen immer dann, wenn es starre Programme waren. Deshalb hole ich die Menschen da ab, wo sie gerade stehen. Ich höre erst mal gut zu. Das ist für mich eine ganz zentrale Eigenschaft im Coaching: nicht sofort mit einem Plan kommen, sondern verstehen, wie es dem Menschen geht, wo er im Leben steht, wo er hinmöchte, was ihn herausfordert – und was seine Chancen sind. Ich biete Einzelcoachings an, auch Serien von Sitzungen. Zudem gibt es Gruppenformate. Beides online, vor Ort oder als immersive Erfahrung, etwa in Form von Retreats. Besonders stolz bin ich auf zwei starke Partner an meiner Seite: die Sikos GmbH und die Europäische Akademie Otzenhausen (EAO). Die waren schon dabei, bevor ich mich offiziell selbstständig gemacht habe.
Wie sieht diese Partnerschaft aus?
Mit der Sikos entwickeln wir Trainings für Führungskräfte und Mitarbeitende im Bereich der Lifestyle-Medizin. Dort bieten wir unter anderem eine Sommerakademie an. Mit der EAO gehen wir neue Wege, zum Beispiel mit einer „Workation“ für Teams. Das ist eine Mischung aus Coaching, Teamarbeit, Entspannung und dem Einüben neuer Routinen.
Ein zentrales Element Ihrer Arbeit ist das pferdegestützte Coaching. Warum?
Für mich persönlich gehören Tiere untrennbar zum Leben dazu. Ich habe seit meiner Kindheit mit Pferden zu tun – mit einer längeren Pause zwar, aber dann habe ich ihre Kraft neu entdeckt. Heute lebe ich gemeinsam mit meinem Mann und zwei Pferden und zwei Hunden in Belgien. Die Tiere sind Teil meiner Familie und meines Alltags. 2019 habe ich eine Ausbildung zur pferdegestützten Coachin gemacht – mit einem klaren Fokus auf evidenzbasierten Methoden. Das war mir extrem wichtig. Ich sehe im Coaching viele unseriöse Angebote. Aber meine Arbeit basiert auf systemischer Beratung, Verhaltenspsychologie, Neurobiologie – und das gilt auch für die Arbeit mit Pferden.
Was genau passiert in einem solchen Coaching?
Pferde sind Fluchttiere. Sie sind hochsensibel und kommunizieren nonverbal – weil sie in freier Wildbahn sofort erkennen müssen, ob ein anderes Lebewesen ihnen schadet oder nicht. Sie scannen ihr Gegenüber und erkennen dabei sehr schnell Inkongruenzen, also Widersprüche zwischen innerer Haltung und äußerem Verhalten. Ein Beispiel: Wenn ein Manager freundlich spricht, aber innerlich Druck aufbaut, erkennt das Pferd das sofort und wird sich nicht führen lassen. Es ist ein radikaler, ehrlicher Spiegel. Diese direkte Resonanz ist oft tief beeindruckend. Und ganz wichtig: Man braucht keinerlei Reit- oder Pferdeerfahrung! Es geht nicht ums Reiten, sondern um Resonanz.
Und was bewirkt das bei den Menschen?
Es entsteht ein ganz anderer Dialog mit sich selbst. Die Kombination aus der Präsenz des Pferdes und gezielten Aufgaben erzeugt eine hohe emotionale Aktivierung. Manchmal lasse ich Menschen um Pylonen gehen oder mit dem Pferd eine bestimmte Aufgabe lösen – und dabei reflektieren sie automatisch: Wie klar bin ich? Wie sehr kontrolliere ich? Wie authentisch bin ich wirklich? Neurowissenschaftlich gesehen wird durch die Pferdebegegnung das limbische System aktiviert, also der emotionale Teil des Gehirns – gleichzeitig aber auch der präfrontale Kortex, wo Problemlösung und Selbstreflexion sitzen. Das ist ein riesiges Potenzial. Ich setze pferdegestütztes Coaching bei Führungsthemen, Burnout-Prävention, Persönlichkeitsentwicklung und Lebensumbrüchen ein.
Die Nachfrage nach solchen Angeboten wächst ja durchaus. Was denken Sie: Warum werden solche Coachings in der heutigen Zeit immer attraktiver für uns?
Ich glaube, es hat mit der Welt zu tun, in der wir leben: Sie ist komplex, unsicher, von Dauerbelastung geprägt. Es gibt konkrete Bedrohungen – geopolitisch, klimatisch, wirtschaftlich. Viele Menschen erleben diesen Druck hautnah. Und genau deshalb brauchen wir heute eine andere Art von Führung: nicht nur Kontrolle und Steuerung, sondern Verbindung. Das gilt für Teams. aber auch für die Selbstführung. Wir haben durch Social Media zwar viele Möglichkeiten, uns zu zeigen, aber auch einen enormen Druck, perfekt zu funktionieren. Ständig vergleichen wir uns. Diese Programme und Ideale, wie man zu leben hat, machen uns eher unfrei. Ich glaube, die Menschen suchen nach Orientierung. Nach etwas Echtem. Nach einem Ort, wo sie sich ohne Maske zeigen dürfen.
Und das bieten Sie mit „Légèreté“?
Ja, wir arbeiten sehr bewusst an Präsenz, Klarheit und Mitgefühl – mit sich selbst und mit anderen. Ich habe gelernt: Leichtigkeit – Légèreté – ist nicht das Gegenteil von Ernst. Ich weiß aus eigener Erfahrung: Diese Art von Leichtigkeit ist keine naive Flucht vor dem Ernst des Lebens. Sie ist das Ergebnis von Arbeit, von Reflexion, von bewusster Veränderung. Und genau das möchte ich anderen vermitteln. Sie ist kein Luxus oder oberflächlicher Lifestyle. Leichtigkeit ist eine innere Haltung, die viel Arbeit erfordert. Ich meine damit nicht nur körperliche Leichtigkeit, sondern auch mentale. Leichtigkeit bedeutet für mich, mit allen Instrumenten, die einem zur Verfügung stehen – intellektuell, emotional, sozial– so zu leben, dass man jeden Tag genießen kann. Auch wenn die Herausforderungen da sind. Es geht nicht darum, das Leben konfliktfrei zu machen. Es geht darum, die richtigen Tools, die richtigen Menschen und die richtige Kommunikation mit sich selbst zu haben, um den Tag mit einem guten Gefühl abschließen zu können. Ich integriere deshalb auch Yoga in meine Arbeit – aktuell mache ich eine Yoga-Teacher-Ausbildung. Es geht darum, sich selbst besser zu spüren. Und genau das suchen viele heute: nicht noch mehr Output, sondern Tiefe und Verbindung. Ich glaube, dass viele Menschen eine Sehnsucht nach Natur und Stille haben – auch nach etwas Ursprünglichem. In der Europäischen Kommission etwa gehen die Mitglieder des College inzwischen regelmäßig gemeinsam in den Wald, um Dinge zu besprechen. Es ist ein neues Bewusstsein dafür entstanden, dass Natur uns klärt, erdet, zusammenbringt. Diese Verbindung zur Natur ist auch Teil meines Coaching-Ansatzes. Und sie wird besonders stark bei unserem Ibiza-Retreat spürbar.
Was genau passiert beim Ibiza-Retreat – und warum gerade dort?
Das Retreat auf Ibiza biete ich gemeinsam mit einer Freundin an, die dort mit ihren Pferden lebt – im ruhigen, naturnahen Norden der Insel. Es ist ein fünftägiges Programm, das den Namen „Légèreté – The Ibiza Retreat“ trägt. Der Untertitel lautet: The Touch of Pegasus. Das klingt vielleicht poetisch, aber genau das ist auch die Idee: raus aus dem Kopf, rein ins Erleben. Unsere Zielgruppe sind sogenannte „Queenagers“ – also Frauen in der Lebensmitte, die ihre zweite Lebenshälfte bewusst gestalten wollen. Viele von ihnen haben das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein. Ihr Körper verändert sich, sie fühlen sich fremdgesteuert. Wir wollen sie dabei unterstützen, einen neuen Umgang mit dieser Veränderung zu finden – einen positiven, stärkenden.
Und wie?
Es ist ein sehr ganzheitliches Programm. Natürlich gibt es auch hier wieder pferdegestütztes Coaching. Außerdem machen wir Yoga, malen mit Pigmenten der Insel, tanzen – Ibiza hat ja eine alte Tradition als Insel des Tanzes –, bieten spezielle Massagen an und führen Gespräche in geschütztem Rahmen. Wir wohnen auf einer wunderschönen Finca, mitten in der Natur. Es ist eine immersive Erfahrung, die Körper, Geist und Seele anspricht. Ziel ist, dass jede Frau am Ende gestärkt, geklärt und verbunden in ihren Alltag zurückkehrt – mit neuen Routinen, neuen Einsichten und einem Lächeln.