Der amerikanische Schauspieler Jon Hamm wurde durch die TV-Serie „Mad Men“ weltberühmt. Da war er bereits 35 Jahre alt. Seitdem kann er sich vor Angeboten kaum retten. Gerade spielt er in der Krimikomödie „Your Friends & Neighbours“ wieder die Hauptrolle.
Das ist ja gerade noch mal gut gegangen, sonst hätte die Filmwelt einiges verpasst. Jon Hamm verrät: „Ich war kurz davor, die Schauspielerei an den berühmten Nagel zu hängen. Das Letzte, was ich sein wollte, war einer dieser Schauspieler, die mit 45 Jahren vor sich hin krebsen und langsam den Blick auf die Realität verlieren. Also habe ich mir fünf Jahre gegeben: Wenn ich es mit 30 nicht als Schauspieler in Hollywood geschafft habe, dann bin ich am falschen Ort. Und höre auf. Und kaum hatte ich mir diese Deadline gesetzt, bekam ich die ersten Rollen beim Film und Fernsehen.“
Jon Hamm gab im Jahr 2000 sein Kinodebüt im Clint-Eastwood-Film „Space Cowboys“ und wurde noch im selben Jahr für die TV-Serie „Providence“ (2000 bis 2001) verpflichtet. Endlich waren die dürren Jahre für ihn vorbei. Mit der Gage für „Providence“ konnte er sich sogar ein Haus in Los Feliz, einem Stadtteil von Los Angeles, kaufen. Der große Karriereschub kam dann mit der TV-Serie „Mad Men“, wo er in 92 Folgen (2007 bis 2015) den Werbe-Guru Don Draper spielte. „Erinnert ihr euch an den fallenden Mann im Vorspann von ‚Mad Men‘? Der fällt und fällt … und landet schließlich auf einem Sofa. Genau wie ich“, scherzt Jon Hamm. „Die Serie war wirklich ein Segen für mich. Endlich konnte ich kontinuierlich als Schauspieler arbeiten. Und das ist wirklich ein großer Luxus.“
Jonathan Daniel Hamm wurde 1971 in St. Louis, Missouri, geboren. Sein Vater leitete eine Speditionsfirma und seine Mutter war Sekretärin. Seine Eltern ließen sich bald nach seiner Geburt scheiden. Als er zehn Jahre alt war, starb seine Mutter. Zehn Jahre später verlor er auch seinen Vater. „Ich fühlte mich plötzlich wie ein Waisenkind. Eine befreundete Familie nahm mich damals auf und behandelte mich wie ihren Sohn. Dafür werde ich ihnen ewig dankbar sein. Aber den Verlust meiner wirklichen Eltern habe ich bis heute nicht vollständig verwunden. Es ist so schade, dass sie meinen späteren Erfolg nicht mehr miterleben konnten.“
Kündigung wegen Erfolglosigkeit
Nach der Highschool ging Jon Hamm 1989 an die University of Texas, kehrte aber später an die University of Missouri zurück und machte dort 1993 seinen Bachelor of Arts in Englisch. Während seiner Studentenzeit entdeckte er die Liebe zur Schauspielerei und machte seine ersten Gehversuche auf verschiedenen Studentenbühnen. 1995 fasste er den Entschluss, sein Glück als professioneller Schauspieler zu versuchen, und zog nach Los Angeles. Dort spielte er ein bisschen Theater und wurde von der berühmten Künstleragentur William Morris unter Vertrag genommen. Die vermittelte ihm auch Casting-Termine für diverse Film- und Fernseh-Produktionen. Allerdings konnte er keine einzige Rolle ergattern. Nach drei Jahren fruchtloser Zusammenarbeit kündigte ihm William Morris. John Hamm war 25 Jahre jung und arbeitslos. Mühsam hielt er sich mit einem Job als Szenenbildner für eine Firma, die Softpornos machte, über Wasser. Er wusste, so konnte es nicht weitergehen. Das war die Zeit, als er sich die Deadline gab.
„Es war für mich wirklich sehr hart zu sehen, wie andere Schauspieler immer wieder Rollen bekamen, die auch ich hätte spielen können, und so langsam ihre Karriere aufbauen konnten.“ Aber er gab nicht auf. Schließlich zahlte sich sein eisernes Durchhaltevermögen aus. Von kleineren Rollen in TV-Serien wie „Ally McBeal“ und „Gilmore Girls“ schaffte John Hamm dann schließlich auch den Sprung ins Kino. Unter anderem war er in „Wir waren Helden“ (2002), „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (2008), „The Town– Stadt ohne Gnade“ (2010), „Die Jones – Spione von Nebenan“ (2016), „Baby Driver“ (2017) und „Top Gun: Maverick“ (2022) zu sehen. Unvergessen auch sein Auftritt in „Brautalarm“ (2011) als abgefeimter Macho, der Kristen Wiig nach einem One-Night-Stand extrem ungalant behandelt.
„Wir waren eine Gemeinschaft“
Sein Casting für „Mad Men“ war alles andere als ein Zuckerschlecken. Denn auch da musste er sich anhören – wie übrigens sehr oft zum Beginn seiner Karriere –, dass er einfach zu gut aussieht, zu sexy ist. (George Clooney und Brad Pitt könnten auch ein Lied davon singen.) Matthew Weiner, der Erfinder von „Mad Men“, zögerte lange, „diesen Frauenschwarm“ in der Rolle des smarten Werbetexters Don Draper zu besetzen. Ausschlaggebend für Weiner war dann wohl auch, dass Jon Hamm – wie Don Draper– seine Eltern früh verloren hatte und sich Weiners Meinung nach so besser in die Rolle würde einfühlen können. Jon Hamm wurde für seine glanzvolle schauspielerische Leistung in „Mad Men“ mit Lob überschüttet. „USA Today“ nannte sie „eine Performance, die ihn zum Star machen“ werde. Der „Boston Globe“ schwärmte von „einer brillanten Hauptrolle“. In den nächsten Jahren gewann er viele Preise, darunter den Golden Globe und den Emmy. Jon Hamm erinnert sich: „Ich stand bei den Dreharbeiten zu ‚Mad Men‘ oft zwölf Stunden pro Tag am Set – und das sechs bis acht Monate lang, über ganze sieben Jahre hinweg. Das war schon ziemlich anstrengend. Aber ich habe trotzdem jede Minute genossen. Wir konnten eine außerordentlich gut geschriebene Story erzählen, in der es viele Verwicklungen und Entwicklungen der einzelnen Charaktere gab. Wir Schauspieler waren eine verschworene Gemeinschaft und haben jeden Tag versucht, unser Bestes zu geben. Mit einigen Schauspielkollegen bin ich sogar heute noch befreundet, wie zum Beispiel mit John Slattery, der meinen Boss spielte.“ Auf die Frage, wie er damals mit dem kriminell hohen Alkoholkonsum und dem ständigen Zigarettenrauchen zurechtkam, antwortete Jon Hamm beim ATX TV Festival in Austin scherzhaft: „Der Wodka war natürlich Selterswasser, die Cocktailzwiebeln aber echt. Die Zigaretten enthielten kein Nikotin, sondern waren aus einer Kräutermischung – aber man verbrennt ja trotzdem was. Allein in der Pilotfolge habe ich 75 Zigaretten geraucht – so etwas geht dann schon auf die Konstitution. Aber mein Atem war auf jeden Fall herrlich frisch!“
Das Ende von „Mad Men“ markierte auch einen Wendepunkt im Leben des damals 44-Jährigen. 2015 ließ er sich für kurze Zeit in eine Suchtklinik einweisen, um seine Alkoholabhängigkeit behandeln zu lassen. Außerdem nahm er die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch, der ihn dabei unterstützen sollte, mit dem Ruhm klarzukommen. Damals trennte sich Jon Hamm auch von seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin und Drehbuchautorin Jennifer Westfeldt, mit der er 18 Jahre lang zusammen gewesen war. Der Grund für die Trennung sei, wie er betont, nicht die Tatsache gewesen, dass er am Set der Schauspielerin Anna Osceola begegnet war, sondern dass er – im Gegensatz zu Westfeldt – keine Kinder haben wollte. Allerdings verliebte er sich wenig später dann doch bis über beide Ohren in Anna Osceola; nach einer zweijährigen Dating-Phase wurde im Juni 2023 geheiratet.
Dunkle Komödie über Superreiche
In den vergangenen Jahren profilierte sich Jon Hamm auch wieder in diversen herausragenden TV-Serien, darunter zum Beispiel „The Morning Show“, „Fargo“ und „Landman“. In der Krimi-Komödie „Your Friends & Neighbours“ (auf Apple TV+, siehe auch Filmtipp, S. 86) spielt er wieder die Hauptrolle. Als Hedgefonds-Manager Andrew „Coop“ Cooper wird er aus fadenscheinigen Gründen gefeuert. Das trifft sein Ego bis ins Mark. Seine Frau Mel (Amanda Peet) hatte sich schon vor einiger Zeit von ihm scheiden lassen und wohnt mit den beiden Kindern bei ihrem neuen Boyfriend, dem obszön reichen NBA-Player Nick Brandes (Mark Tallman), ehemals Coops bester Kumpel. Obwohl er in großen finanziellen Nöten ist, denkt Coop gar nicht daran, seinen luxuriösen Lebensstil aufzugeben. Um schnell an viel Kohle zu kommen, bricht er in die Häuser seiner superreichen Freunde und Nachbarn ein. Dort klaut er nicht nur teure Uhren und Schmuck, sondern fängt auch eine heiße Affäre mit Samantha (Olivia Munn) an, der Noch-Ehefrau von einem seiner Freunde. Bald kommt es zu unvorhersehbaren Komplikationen, die sich – für Coop – bald zu einer waschechten Lebenskrise ausweiten …
„Als mir der Showrunner Jonathan Tropper noch während der Pandemie von der Idee erzählte, eine dunkle Komödie über Superreiche zu machen, die zwar alles haben, aber trotzdem todunglücklich sind, war ich sofort Feuer und Flamme“, sagt Jon Hamm. „Die Drehbücher, die er mir dann zu den einzelnen Episoden schickte, waren auch ganz nach meinem Geschmack: geschliffene Dialoge, eine packende Storyline, witzige und zum Teil skurrile Situationen– und das alles von einem abgrundtiefen schwarzen Humor durchtränkt. Einfach fantastisch. Außerdem konnte ich endlich mit meiner langjährigen Freundin Amanda Peet zusammen vor der Kamera stehen. Und obwohl ich bei ‚Your Friends & Neighbours‘ im Mittelpunkt des Geschehens stehe, kreisen ständig – genau wie bei ‚Mad Men‘ – viele Personen wie in einem Mahlstrom um mich herum. Und geben dem Ganzen einen oft sehr überraschenden Spin … Ich bin überglücklich, dass wir bereits die zweite Staffel drehen.“ Als Coop klaut er den Milliardären die kostbarsten Artefakte – und die merken es nicht einmal. Welchen seiner Co-Stars, diese Frage sei erlaubt, würde Jon Hamm denn am liebsten beklauen, wenn er es könnte? Er denkt kurz nach – und meint dann wie aus der Pistole geschossen: „Definitiv Tom Cruise! Aber keine Sorge, Tom, nicht in der nächsten Zeit.“