Hertha BSC ist in die neue Saison gestartet – und wird direkt mit altbekannten Problemen konfrontiert. Verletzungssorgen, personelle Engpässe und Unruhe abseits des Platzes prägen die ersten Wochen der Vorbereitung.
Neue Saison, alte Probleme: bereits während der ersten Trainingstage meldete sich Deyovaisio Zeefuik mit Problemen in der Wade ab. „Er wird rund zwei Wochen fehlen: das ist nicht optimal, da er nun einen großen Teil der Grundlagenvorbereitung verpassen wird“, klagte Stefan Leitl. Zu Beginn der zweiten Woche musste der Hertha-Trainer dann auch auf Neuzugang Paul Seguin wegen ähnlicher Problematik verzichten – die Verantwortlichen überlegten sogar, dem 30-Jährigen bis zum Trainingslager in Österreich (von 11. bis 19. Juli) eine Pause zu gönnen.
Zwei Ausfälle mehr nach Dresden-Testspiel
Ausgefallen waren in den ersten Trainingswochen auch die beiden Torhüter Marius Gersbeck (Schulter-OP) und Tim Goller (Schulterprobleme), sodass der Engpass zwischen den Pfosten auch wegen der Teilnahme von Stammkeeper Tjark Ernst an der U21-EM konstant präsent blieb: Robert Kwasigroch und Dennis Smarsch – die Nummer vier und fünf im Ranking bei den Torleuten – mussten so die Lücke zwischen den Pfosten zumindest bis zum Österreich-Trip schließen.
Und das zweite Testspiel der Vorbereitung beim BFC Dynamo (6:0) am Samstag vergangener Woche forderte gleich zwei neue Kandidaten für das Lazarett. Pascal Klemens hatte es dabei sogar schon beim Aufwärmen erwischt: Der 20-jährige Defensivspezialist war umgeknickt und zog sich ersten Einschätzungen zufolge eine Kapsel- oder Bänderverletzung zu. Nach nicht einmal der Hälfte des ersten Durchgangs war das Testspiel dann auch für John Anthony Brooks gelaufen – der 32-jährige Verteidiger hatte erst eine Woche zuvor beim Auftakt in Ludwigsfelde (3:0) die ersten rund 20 Minuten nach zehnmonatiger Verletzungspause absolviert. Sein Debüt in der Startelf aber musste der frühere US-Nationalspieler dann früh beenden, ebenfalls aufgrund von Wadenproblemen.
„Das trübt natürlich die Stimmung“, gab Stefan Leitl offen zu. Denn defensiv gingen ihm nicht nur die Alternativen aus, sondern Linus Gechter und Toni Leistner mussten auch die Lücke schließen, obwohl sie eigentlich ihr Belastungspensum für diese Phase der Saison bereits erreicht hatten. Stefan Leitl blieb daher nur die Hoffnung, dass wenigstens die Überlastung seiner beiden Startelf-Innenverteidiger ohne größere Konsequenzen bleiben würde.
Obendrein musste der in Ludwigsfelde mit einem Tor und einer Vorlage stark gestartete Neuzugang Leon Jensen beim Dynamo-Test nach einem Kopftreffer mit einem „Turban“ weiterspielen – der Cut schien aber noch die geringste Problematik in der Diagnosenliste der Hertha-Versehrten darzustellen.
Ein Lichtblick war da immerhin der Auftritt von Neuzugang Maurice Krattenmacher in Hohenschönhausen: Das vom FC Bayern ausgeliehene Mittelfeldtalent, nach der Pause eingewechselt, glänzte seinerseits mit einem Treffer und einem Assist. Der 19-Jährige hatte sogar mit dem FCB bei der Club-WM in den USA geweilt, verabschiedete sich dann aber kurzfristig am 25. Juni, als sich die Leihe zur Alten Dame abzeichnete. Zuvor war Krattenmacher schon für ein Jahr an den SSV Ulm abgegeben worden – und mit 32 Einsätzen (3 Tore) dort 2024/25 nicht nur Stammspieler, sondern erreichte auch mit acht Vorlagen einen Wert unter den besten 15 Profis der 2. Liga. Nun könnte der Youngster etwa den ins Sturmzentrum verschobenen Fabian Reese auf der Außenbahn ersetzen.
Eher noch aus perspektivischer Sicht als erfreulich zu bezeichnen war dazu, dass die umworbenen Talente Boris Mamuzah Lum (17) und Kennet Eichhorn (15) nach Vereinsangaben „längerfristig“ gebunden werden konnten.
Bei den ersten Testspielen war das Team auch erstmals in den blau-weißen Trikots des neuen britischen Ausrüsters Castore zu erleben. Das Jersey war zuvor öffentlichkeitswirksam von Künstlern als Wandgemälde an einer Hausfassade in Berlin-Kreuzberg angebracht worden – die zunächst über Tage nur bruchstückhaft hinter dem Baugerüst zu erkennende Entstehung heizte die Werbekampagne dabei zusätzlich an.
Shitstorm wegen Social-Media-Video
Während die Aktion als gelungen bezeichnet werden durfte, könnte dagegen ein Video auf dem Instagram-Kanal von Hertha BSC noch unschöne Folgen haben. Darin zu sehen: Paul Seguin, Neuzugang von Schalke 04, der gemeinsam mit Toni Leistner in einem lustig gemeinten Clip unter anderem das in der Gelsenkirchener Arena zum Standardprogramm gehörende „Steigerlied“ veralbert. Den folgenden Shitstorm aus dem königsblauen Lager in den sozialen Netzwerken „krönte“ wenige Tage später dann die Nachricht, dass Hertha am ersten Spieltag die Saison ausgerechnet bei den Knappen eröffnet (1. August, 20.30 Uhr) – und dem Berliner Tross so zum Auftakt nun eine besonders heiße Atmosphäre blühen dürfte.
Immerhin hält der Spielplan dann eine Woche später im Olympiastadion den Karlsruher SC parat (10. August, 13.30 Uhr) – bekanntlich der Verein, bei dem beide Fangruppen sich stets zum „Freundschaftsspiel“ versammeln.
Nichts Neues gab es wiederum zuletzt hinsichtlich der zwei „Dauerbaustellen“ bei Hertha BSC. Die Position des Geschäftsführers in der GmbH & Co. KGaA blieb so weiterhin vakant – nach den seit Monaten laufenden Sondierungen und dem Bekanntwerden nicht zustande gekommener Vereinbarungen mit Kandidaten wie Jonas Boldt, Alexander Rosen, Ralf Rangnick oder Oliver Kahn sind immerhin keine weiteren Absagen bekannt geworden.
Das Image des Vereins ist dadurch aber schon wieder in Mitleidenschaft gezogen – und Äußerungen des offenbar ebenfalls gehandelten Felix Magath in einem Interview mit dem TV-Sender Sky taten ihr Übriges: „Vor mir war Hertha nichts – und nach mir auch nichts“, ließ Herthas früherer Kurzzeittrainer da wissen.
Ratlosigkeit hinterließ nicht zum ersten Mal auch die Fortsetzung der juristischen Auseinandersetzung mit dem früheren Sportvorstand Fredi Bobic: nach der Ablehnung des richterlichen Vergleichsvorschlags von Vereinsseite hatte das Gericht für den 3. Juli einen neuen Termin festgelegt, in dem eine endgültige Entscheidung in dem „Kaugummi-Prozess“ in Aussicht gestellt wurde. Tatsächlich war die Sitzung dann nur in Anwesenheit der juristischen Vertreter beider Parteien bereits nach einer Minute beendet – die Verhandlung allerdings nicht, denn der Richter kündigte vielmehr ein Wiederaufnahmeverfahren an. Damit soll der Rechtsstreit noch mal neu aufgerollt werden und erreicht damit nun bald kafkaeske Dimensionen.