Die SV Elversberg vollzieht gerade den größten Umbruch der jüngeren Vereinsgeschichte. Doch nicht nur im Spielerkader gab es große Veränderungen – auch im Trainerteam gibt es viele neue Gesichter.
Eine kleine Zeitreise zurück: Noch vor acht Jahren stemmten bei der SV Elversberg gerade einmal drei Männer das komplette Tagesgeschäft – Trainer und Sportdirektor Roland Seitz in Personalunion, Rudi Thömmes als Assistent und Peter Schneider für die Athletik. Mehr Personal gab es damals schlicht nicht. Wie weit sich die SVE seitdem entwickelt hat, zeigte sich dieser Tage im Trainingslager in den Niederlanden, wo erstmals das komplett neu aufgestellte Funktionsteam gemeinsam mit der Mannschaft arbeitete.
An der Spitze steht seit einigen Wochen Vincent Wagner, der neue Cheftrainer der Saarländer. Doch Wagner ist längst nicht mehr allein für das Training verantwortlich. Ihm zur Seite steht nun ein Team, das sowohl vertraute Gesichter als auch frische Verstärkungen vereint. Als neuer Co-Trainer fungiert Mike Frantz, der 38-Jährige kam bereits im Sommer 2024 zum Verein und war zunächst Leiter Entwicklung. Diese Rolle brachte ihn schon während der vergangenen Saison regelmäßig mit der Mannschaft in Kontakt. Nun wechselt er endgültig an die Seitenlinie und wird aktiv in die tägliche Trainingsarbeit eingebunden. Komplett neu im Stab ist Co-Trainer Patrick Henle. Der 35-Jährige kennt Vincent Wagner bestens, die beiden arbeiteten bereits bei mehreren Stationen zusammen – von der Jugend des MSV Duisburg über Rot-Weiss Essen bis zur Zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim. Ihre Zusammenarbeit setzt sich nun bei der SV Elversberg fort.
Doch damit ist das Funktionsteam noch lange nicht vollständig. Eine neue Rolle übernimmt Daniel Ocvirk, der künftig als sogenannter Multi-Supporter agiert. „Man kann auch sagen, dass ich Mädchen für alles bin. Ich bin in die Trainingsabläufe eingebunden und gleichzeitig Schnittstelle zum Team-Management“, erklärt Ocvirk seine Aufgaben. Ursprünglich wollte der Duisburger seine Betreuer-Karriere bereits beenden, doch Wagner, damals neuer U15-Trainer in Duisburg, überredete ihn zum Weitermachen. Heute arbeiten beide gemeinsam in der 2. Liga. „Ich weiß in 80 Prozent der Fälle, wie Vincent entscheiden würde. Ich kann ihm bei allen Planungen sehr viel Arbeit abnehmen“, berichtet Ocvirk.
Neu an Bord ist außerdem Maximilian Kallensee, der als Reha-Trainer verpflichtet wurde. Der 30-Jährige bringt Erfahrung aus namhaften Nachwuchsleistungszentren mit. Stationen seiner bisherigen Laufbahn waren Union Berlin, Borussia Dortmund, Hertha BSC sowie Werder Bremen. In Elversberg wird er künftig für die Rehabilitation und individuelle Betreuung verletzter Spieler verantwortlich sein.
Doch das Trainerteam erhielt in den vergangenen Tagen noch weiteren Zuwachs: Pascal Bieler komplettiert das Trainer-Quartett um Wagner, Frantz und Henle. Der 39-jährige Berliner war zuletzt Cheftrainer beim Regionalligisten TSV Steinbach. Mit Mike Frantz verbindet ihn eine gemeinsame Vergangenheit beim 1. FC Nürnberg. Das Trainingslager im niederländischen Mierlo wurde somit nicht nur zur Vorbereitung für die Mannschaft, sondern gleichzeitig zum Kennenlernen für das Trainerteam. Laut „SZ“ bedeutet die gestiegene Zahl an Trainern keineswegs, dass Wagner in eine passive Beobachterrolle verfällt. Im Gegenteil: Der neue Chefcoach ist bei jeder Übung präsent, erklärt Abläufe akribisch und bindet seine Spieler aktiv ein. „Die Spieler sollen Situationen erkennen. Wir müssen alle dazulernen, in jeder Einheit. In dieser Woche sind Teambildung und die neuen Abläufe auf dem Platz die Schwerpunkte“, sagt Wagner.
Der Gemeinschaftsgedanke hat derzeit ohnehin höchste Priorität – schließlich gilt es, nicht nur das Trainerteam zu verzahnen, sondern auch zahlreiche Neuzugänge zu integrieren. Aktuell zählt die SV Elversberg bereits zehn neue Spieler im Kader, und noch ist die Kaderplanung längst nicht abgeschlossen. „Die Kaderplanung ist ganz sicher nicht abgeschlossen. Jetzt kommen die schönen Monate, und es macht auch Spaß, das alles jetzt noch zu verfeinern“, erklärt Sportvorstand Ole Book.
Allzu viele Baustellen gibt es allerdings nicht mehr. Was Wagner definitiv noch fehlt, ist ein Stürmer, der in der 2. Bundesliga regelmäßig zweistellig trifft. Einen Knipser der Marke Fisnik Asllani, der vergangene Saison enorm wichtig war. Doch solche Torjäger sind rar. Zuversichtlich können die Fans dennoch sein. Schließlich ist es ihm in den vergangenen Jahren immer wieder gelungen, außergewöhnliche Spieler an die Kaiserlinde zu holen. Vielleicht verbirgt sich auch unter den bisherigen Neuzugängen wieder ein solcher Rohdiamant.
Potenzial jedenfalls ist reichlich vorhanden. Einer dieser Hoffnungsträger ist Bambasé Conté. Der gebürtige Saarländer kam per Leihe von der TSG Hoffenheim. Bei seinem Engagement beim Karlsruher SC in der vergangenen Saison sammelte er beachtliche acht Scorerpunkte und könnte nun in Elversberg durchstarten. Ein weiteres großes Versprechen für die Offensive ist Jarzinho Malanga, der ebenfalls ausgeliehen wurde – in seinem Fall vom VfB Stuttgart. Der 18-Jährige hat bereits erste Einsätze in Bundesliga und Champions League absolviert. Auf den Schultern der beiden Talente liegt nun die schwierige Aufgabe, unter anderem das letztjährige Offensivduo Damar und Asllani zu ersetzen.
Kaderplanung noch nicht abgeschlossen
Zudem hoffen die Saarländer auf Luca Pfeiffer, der nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart derzeit noch im Aufbautraining steckt. Auch Jason Ceka, der aus Magdeburg kam, soll künftig für Torgefahr sorgen. Darüber hinaus verpflichtete Book mit Felix Keidel und Luis Seifert zwei Spieler mit großem Entwicklungspotenzial. Keidel sammelte in Ingolstadt bereits wertvolle Drittliga-Erfahrungen, während Seifert zuletzt für die Zweite Mannschaft des Hamburger SV auflief.
Nach diesem ersten Transferpaket folgte für Book eine Woche, die auf den vereinseigenen Social-Media-Kanälen als „perfekte Woche“ bezeichnet wurde. Mit Amara Condé verpflichtete die SVE einen erfahrenen Mittelfeldspieler vom niederländischen Erstligisten SC Heerenveen. Der 28-Jährige soll das Zentrum strukturieren und zugleich Kreativität einbringen. Condé, in Freiberg geboren, verfügt über die Erfahrung von 64 Zweitliga-Spielen, die er vornehmlich für den 1. FC Magdeburg absolvierte, wo er sogar Kapitän war. „Amara Condé überzeugt nicht nur mit seiner Technik und taktischem Verständnis, sondern auch mit seiner Persönlichkeit. Er wird unserem Mittelfeld Stabilität und gleichzeitig Kreativität verleihen. Wir freuen uns, dass er ab sofort für die SVE im Einsatz sein wird“, so Book.
Ein weiterer Transfer in dieser erfolgreichen Woche war Lasse Günther. Der Linksverteidiger kommt vom FC Augsburg und bringt Tempo und Mut mit, was ihn zu einer vielversprechenden Verstärkung macht. „Lasse hat trotz seines jungen Alters bereits eine Menge Erfahrung gesammelt. Er bringt viel Tempo mit, ist mutig und hat die Fähigkeit, sich immer wieder aktiv ins Offensivspiel einzuschalten“, lobt Book. Günther soll die bisher offene Position auf der linken Abwehrseite besetzen.
Darauf folgte die Verpflichtung von Nicholas Mickelson, der vom dänischen Erstligisten Odense BK an die Kaiserlinde wechselt. Der 25-Jährige, der sowohl norwegischer als auch thailändischer Nationalspieler ist, bringt internationale Erfahrung mit und wird die Defensive flexibel verstärken. Auch Jan Gyamerah verstärkt nun die SVE, der bisher letzte Transfer. Der ehemalige Lauterer bringt die Erfahrung aus 200 Zweitliga-Partien mit und wird vorrangig auf der rechten Außenbahn eingeplant. „Jan hat seine fußballerische Klasse und Flexibilität über Jahre bewiesen, er wird mit seiner positiven Art auch in der Kabine eine Bereicherung sein“, sagt Ole Book.
Trainerteam neu, Mannschaft stark verändert – doch schon jetzt wirkt der Kader ausgewogen und gut zusammengestellt. Und obwohl vieles bereits steht, klingt Books Hinweis fast wie eine Warnung: Ganz abgeschlossen ist die Transferarbeit in Elversberg nämlich noch nicht.