FCS-Trainer Alois Schwartz im Gespräch über Vorbereitung, Favoriten und fehlende Typen im Aufstiegsrennen.
Herr Schwartz, was sind die inhaltlichen Schwerpunkte in der Saisonvorbereitung?
In erster Linie geht es darum, die Jungs physisch und mental auf die Saison vorzubereiten. Da erfindet niemand das Rad neu. Das Trainingslager stand bereits fest, als ich kam. Ich hätte es gerne eine Woche später gehabt. So stand der konditionelle Aspekt im Vordergrund. Klar, du arbeitest an Abläufen, an Pressinghöhen, Ballbesitzphasen. Aber du musst auch schauen: Wo hast du deine Typen, deine Achsen, wer kann Verantwortung übernehmen, wenn’s brennt? Da haben wir letztes Jahr ein paar Punkte liegen lassen.
Was meinen Sie konkret?
Nehmen Sie das Spiel in Braunschweig. Wir führen 2:0 und dann passiert das, was dieser Mannschaft oft passiert ist. Sie hatte etwas zu verlieren. Wir hatten die Sache im Griff, dann geht einer im nächsten Duell zu ungestüm rein und sieht Gelb-Rot. In der 91. Minute! Das sind Momente, da brauchst du Klarheit, Abgebrühtheit. Ich will da niemanden ans Kreuz nageln, aber so was macht am Ende den Unterschied. Die Mannschaft hat ja keine schlechte Saison gespielt. Aber ein bisschen was hat halt gefehlt.
Man spricht gern von „fehlenden Typen“ – was genau hat Ihrer Meinung nach in der abgelaufenen Saison gefehlt?
Es waren Kleinigkeiten. Mal hast du fünf Spiele am Stück gewonnen, dann wieder sieben liegen lassen. Es war gefühlt keine Konstanz da, weder in Ergebnissen noch in der Art und Weise. Wenn du oben mitspielen willst, musst du auch mal dreckig ein 1:0 über die Linie bringen – oder auswärts einen Punkt mitnehmen, wenn’s nicht läuft. Das hat uns gefehlt. Und eben: Spieler, die in kritischen Phasen vorangehen.
Der Kader wurde punktuell verändert – reicht das, um den nächsten Schritt zu machen?
Das wird man sehen. Wir haben Qualität, aber natürlich musst du weiter gezielt verstärken. Wenn du aufsteigen willst, brauchst du Alternativen. Neun der elf Startelfspieler von Braunschweig stehen unter Vertrag. Das ist ein gutes Grundgerüst. Stand jetzt ist die Gruppe zu klein. Mit dem, was wir verpflichten konnten, bin ich zufrieden. Du brauchst Spieler mit Erfahrung, Stabilität – Leute, die wissen, worauf es in solchen Spielen ankommt.
Eine vermeintliche Budget-Blockade durch den Aufsichtsrat hat für beträchtlichen Wirbel gesorgt. Inwiefern hat das Abläufe behindert?
Neue Spieler schauen schon, wie das Umfeld ist, wo sie hinwechseln sollen. Ein gestandener Stürmer ist uns abgesprungen. Der war fast schon da, dann konnten wir ein paar Tage lang nichts machen. Dann hat er bei der Konkurrenz unterschrieben. Grundsätzlich ist die Qualität da. Aber die Quantität noch nicht. Es fehlt ja nicht so viel. Es geht um wenige Positionen. Wichtig ist, dass die Verantwortlichen wissen, wo die Reise hingehen soll. Will man erfolgreich sein, braucht man Ruhe.
Wie gelingt das?
Indem man kommuniziert. Ich verstehe nicht, warum man sich da so schwertut. Ruhe reinbringen heißt doch nicht, sich zu verkriechen. Es heißt: erklären, warum Entscheidungen getroffen wurden. Den Leuten draußen ein Gefühl geben, dass da ein Plan ist. Ich kann nicht jedes Gerücht unkommentiert lassen und erwarten, dass alles ruhig bleibt.
Wer sind für Sie die Favoriten in dieser Drittliga-Saison?
Es gibt wieder die üblichen Verdächtigen: die, die knapp gescheitert sind, und die, die sich knapp gerettet haben – das sind oft die Teams, die im Jahr drauf durchstarten. Ich denke an Teams wie Rostock oder Essen, die in der Rückrunde stark waren. Oder auch Mannschaften wie Wiesbaden, die immer Ambitionen haben. Entscheidend ist, wer konstant liefert. Von den Namen her muss man sagen, dass 1860 München ganz klar heraussticht.
Ihr Team wurde Dritter. Wie ordnen Sie das Abschneiden ein – und was erwarten Sie jetzt von Ihrem Team?
Als ich hierherkam, war Platz vier das erste Ziel – wegen des DFB-Pokals. Jetzt sind wir Dritter geworden und in der Relegation knapp gescheitert. Wir müssen sehen, wie die Gruppe am Ende aussieht. Und es ist wichtig, dass wir gut starten. Erst dann kann man Ziele formulieren.
Und wie schwer ist es, sich nach einer verlorenen Relegation wieder zu motivieren?
Es ist ein schmaler Grat. Du warst so nah dran. Ich habe das mit dem Karlsruher SC erlebt. In Aue stand’s zur Halbzeit 1:1 – mit dem Auswärtstor waren wir zu dem Zeitpunkt virtuell aufgestiegen. Dann verlierst du 3:1. Danach verlierst du fünf Stammspieler – und trotzdem sind wir im Jahr drauf aufgestiegen. Das zeigt: Es geht, wenn man den Fokus hält und sich weiterentwickelt. Aber dafür musst du ehrlich analysieren und die richtigen Schlüsse ziehen. Und die Bereitschaft muss da sein, sich selbst zu hinterfragen – von oben bis unten. Es gibt aber auch Mannschaften, die sind nach einer verpatzten Relegation richtig abgeschmiert.
Wie soll Ihre Mannschaft Fußball spielen? Es gab ja schon Kritik, sie würden zu defensiv agieren.
Ich kann den Leuten ihre Meinung nicht verbieten. Fakt ist, in Essen haben wir defensiv gestanden und hätten sechs, sieben Tore schießen müssen. Es geht nicht um defensiv oder offensiv, sondern um die Frage: Bin ich aktiv oder passiv? In Essen waren wir in allen Mannschaftsteilen aktiv. Zu Hause gegen Braunschweig einfach passiv. Das war das andere Gesicht. Die Mannschaft hat das Gefühl vermittelt, einen riesigen Rucksack zu tragen. Auch daraus müssen wir die Schlüsse ziehen.
Wie soll das System aussehen?
Wir sollten flexibel sein. Zur Mannschaft passt ein 4-3-3 ebenso wie ein 3-4-3. Ich hätte aber auch gerne die Option, mit einer Doppelspitze zu agieren, gerade in Spielen, wenn der Gegner tief steht.
Viele Diskussionen gab es um Kapitän Manuel Zeitz. Welche Rolle kann er noch spielen?
Manuel wird am ersten Spieltag 35 Jahre alt. Natürlich hat er nicht mehr so viel vor sich. Ich erwarte nicht, dass er 38-mal 90 geht. Aber ich finde es respektlos, wenn man ihn abschreibt. Einerseits schreit man nach Jugendspielern, nach Identifikationsfiguren. Andererseits heißt es dann, Zeitz wäre fertig. Er ist ein Profi, er zieht voll mit und er ist wichtig für die Kabine. Er wird öfter auf dem Platz stehen, als es viele glauben.