Unruhe im Umfeld, schleppende Transferaktivitäten. Die Stimmung beim 1. FC Saarbrücken ist gedrückt. Abschreiben sollte man das Team dennoch nicht.
Wenn man dreimal knapp gescheitert ist, sollte man alles dransetzen, es endlich zu schaffen. Doch während der Sommerpause deutete nur wenig darauf hin, dass der 1. FC Saarbrücken ein wichtiges Wort im Kampf um den Zweitligaaufstieg wird spielen können. Die viel diskutierte Budget-Blockade durch den Aufsichtsrat hat die Pläne von Trainer Alois Schwartz erst einmal durchkreuzt. Angreifer Andreas Voglsammer, der sich bereits mit dem FCS einig war, unterschrieb lieber bei Hansa Rostock, ähnlich ging es Schwartz bei einem bundesligaerfahrenen Sechser. „Das sind Dinge, die ich nicht kommentieren kann und will. Am Ende müssen wir mit den Begebenheiten umgehen, die vorhanden sind“, sagte der Trainer, der allerdings auch erklärte, dass es unter den obwaltenden Umständen schwer sei, ein konkretes Ziel zu formulieren. Unabhängig von den Unruhen im Umfeld steht das Gerüst des Teams aber. Schwartz kann auf eine eingespielte Mannschaft zurückgreifen.
Defensive
Die Probleme fangen schon im Tor an. Phillip Menzel, die unumstrittene Nummer eins, konnte weite Teile der Vorbereitung aufgrund einer langwierigen Handverletzung nicht mitmachen. Zudem fiel Ersatzmann Tim Paterok aufgrund von Kreislaufproblemen ebenfalls aus. Neuzugang Jonas Niekisch machte einen guten Eindruck. „Er wird aber noch Zeit benötigen, sich zu entwickeln. Wir sind aber guten Mutes, dass die beiden Erfahrenen rechtzeitig fit sind“, sagt Schwartz. Mit Niko Bretschneider verstärkt ein routinierter Linksverteidiger die Defensive, wobei auch der schon abgeschriebene Till Schumacher in der Vorbereitung einen guten Eindruck hinterließ. Rechts ist Calogero Rizzuto im ersten Spiel wieder einmal gesperrt. Zudem laboriert Philip Fahrner an einem Muskelfaserriss. Optimal ist anders. Prunkstück ist die Innenverteidigung. Robin Bormuth hat die Leader-Rolle übernommen und wird aller Voraussicht nach mit Sven Sonnenberg verteidigen. In einer Dreierkette käme auch Joel Bichsel zum Zug. Lasse Wilhelm hatte in der Vorbereitung nur wenig Spielzeit. Schwartz erwartet von dem ehemaligen Mainzer, dass er sich durchbeißt und zweikampfstärker wird.
Mittelfeld
In der Zentrale hat Elijah Krahn mächtig Pluspunkte gesammelt. Schwartz hätte auf der Sechs gern einen robusten, großen Spieler. Diese Rolle könnte der ehemalige Hamburger ausfüllen. Abschreiben sollte man auch Altmeister Manuel Zeitz nicht. In der Vorbereitung ist der Routinier vorneweg marschiert, hat auch in den Testspielen einen guten Eindruck hinterlassen. Patrick Sontheimer, aufgrund seiner Präsenz und Laufbereitschaft unverzichtbar, wird eher auf einer vorgezogenen Position zum Einsatz kommen. Ganz ausgeschlossen ist aber auch ein „Königstransfer“ auf der zentralen defensiven Position noch nicht. Auf der „Spielmacher-Position“ gibt es große Sorgen. Sebastian Vasiliadis zog sich während des Trainingslagers den vierten Faserriss innerhalb eines Jahres zu. Richard Neudecker war ebenfalls nur eingeschränkt verfügbar. So könnte es sein, dass Kasim Rabihic oder Neuzugang Florian Pick erst einmal in die Zentrale rücken werden. Große Stücke hält Schwartz zudem auf Tim Civeja, der eine starke Vorbereitung absolviert hat. Genügend Auswahl ist trotz der Verletzungsmisere also noch vorhanden.
Angriff
Mit Florian Pick hat der FCS einen erfahrenen Akteur verpflichtet, der Torgefahr über links außen entwickeln soll. Auf der anderen Seite ist Maurice Multhaup gesetzt. Mit Kasim Rabihic steht ansonsten nur noch ein Spieler zur Verfügung, der auch auf außen spielen kann. Daher hätte Schwartz gern noch einen Tempodribbler. Im Zentrum ist Kai Brünker während der Vorbereitung ohne Konkurrenz gewesen. Neuzugang Luca Wollschläger hat gute Ansätze gezeigt, wird aber noch Zeit benötigen. Bei Patrick Schmidt wurden planmäßig Nägel aus dem operierten Bein entfernt. Die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr dürfte sich nicht erfüllen: „Patrick ist noch sehr weit weg“, sagte Schwartz zum Ende des Trainingslagers. Der Trainer hatte von Beginn an klar gemacht, dass er die Verpflichtung eines treffsicheren „Neuners“ für alternativlos hält. Mit Dominic Baumann hat er ihn doch noch bekommen. Die Hoffnungen, dass Florian Krüger noch einmal in Saarbrücken aufschlägt, tendieren gegen Null. „Er hat einen sehr gut dotierten Vertrag in Belgien, und er will kein Leihgeschäft mehr. Das Gesamtpaket ist für einen Drittligisten eigentlich kaum zu stemmen“, sagte Sportdirektor Jürgen Luginger.
Die Stärken
Der FCS verfügt über eine eingespielte Achse und hat qualitativ gute Neuzugänge bekommen. Die Defensive sticht bisher hervor. Trainer Schwartz legte viel Wert auf konditionelle Grundlagen und Körpersprache, die Mannschaft sollte robuster sein als in der Vorsaison. Im Mittelfeld könnten die Stunde der Jungspunde Civeja und Krahn schlagen. Auffallend war bisher auch die harmonische Zusammenarbeit von Schwartz und Sportdirektor Luginger.
Die Schwächen
Wie schon in der abgelaufenen Spielzeit hatte der FCS während der Vorbereitung Probleme, Chancen zu kreieren. Die Turbulenzen im Umfeld haben die Transferaktivitäten erschwert. Der FCS kann aber immer noch reagieren. Die Anzahl der Verletzten ist allerdings besorgniserregend. Mit Neuzugang Bormuth sticht aus einem ruhigen Team bisher nur ein echter Anführer heraus. Auch deshalb hätte Schwartz gern noch einen Mentalitätsspieler.
FORUM-Prognose
Damit der FCS um den Aufstieg mitspielen kann, benötigt der Kader noch ein, zwei Zugänge. Selbst wenn die kommen sollten, kann das große Ziel nur erreicht werden, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Gelingt das nicht, droht eine zähe Saison. Bestenfalls im Niemandsland.