Bei der SV Elversberg gab es in diesem Jahr nach sieben Jahren wieder einen Trainerwechsel – und das nach dem erfolgreichsten Jahr der Vereinsgeschichte. Es herrschen dennoch große Vorfreude und Selbstvertrauen rund um den Verein.
Den Bundesliga-Aufstieg unfassbar knapp nicht geschafft, den Erfolgstrainer und seinen Co-Trainer verloren, die besten und prägendsten Spieler abgegeben – manche Vereine würden daran kaputtgehen oder zumindest ein wenig ins Schlingern geraten. Doch bei der SV Elversberg gab es nicht eine Sekunde den Anschein, als herrsche dort Unsicherheit oder Aufregung. Ganz im Gegenteil: Sportvorstand Ole Book spulte in seiner gewohnten Manier ruhig seine Arbeit ab und hat zum jetzigen Zeitpunkt seinem neuen Trainer Vincent Wagner einen Kader zur Verfügung gestellt, mit dem sich arbeiten lässt. Book ließ erst verlauten, dass die Reproduktion der vergangenen Saison gar nicht das Ziel sein könne, zu viele Dinge haben dabei einfach gepasst. Das ist auch gar nicht der Anspruch. Es geht wie so häufig in Elversberg um guten Fußball und Entwicklung. Auch wenn eine Sache für Book schon klar ist: „Mit dem Abstieg werden wir nichts zu tun haben.“
Defensive
Im Tor kann die SVE weiterhin auf ihren sicheren Rückhalt Nicolas Kristof zurückgreifen. Der junge Keeper gehörte in der vergangenen Saison erneut mit zu den besten Torhütern der Liga, zeigt sich stark in der Spieleröffnung mit dem Fuß und auf der Linie. Seine Stellvertreter Tim Boss und Frank Lehmann waren nie gefragt, die klare Rollenverteilung im Tor wird auch bestimmt durch Kristofs Qualitäten. Nach dem Abgang von Leihspieler Elias Baum wird in dieser Saison ein neuer Spieler auf der rechten Verteidigerposition gebraucht. Dazu wurde der erfahrene Jan Gyamerah aus Kaiserslautern verpflichtet sowie der flexibel einsetzbare Nicholas Mickelson. Felix Keidel und Lasse Günther kämpfen um die Position des Linksverteidigers, die aufgrund des Abgangs von Maurice Neubauer ebenfalls vakant wurde. Günther ist dabei klar der Stammspieler, Keidel der Herausforderer. In der Innenverteidigung bleiben Lukas Pinckert, Florian Le Joncour und Maximilian Rohr erhalten, ergänzt durch Luis Seifert als Spieler mit Entwicklungspotenzial. Da das System mit einer Viererkette präferiert wird, sollte die Abwehr stehen. Vor allem der Verbleib von Pinckert ist wichtig: Der Innenverteidiger avancierte in der vergangenen Saison zum absoluten Leistungsträger.
Mittelfeld
Auch im Mittelfeld musste die SVE schmerzhafte Abgänge schlucken. Mit Robin Fellhauer verließ eine prägende Figur der letzten Jahre den Verein in Richtung Bundesliga zum FC Augsburg, Semih Sahin zog es zum 1. FC Kaiserslautern. Der Königstransfer in der Schaltzentrale ist deshalb Amara Condé. Vielen am ehesten durch seine Zeit beim 1. FC Magdeburg bekannt, vereint Condé quasi die Qualitäten beider Abgänge. Zum einen ist er als unermüdliche Pferdelunge bekannt, zum anderen ist er ein versierter Techniker, der ein Spiel aufbauen und lenken kann. Frederik Schmahl zeigte zudem nach einem Jahr der Anpassung, dass er den nächsten Schritt machen kann. In der Zentrale wird auch die Entwicklung von Neuzugang Felix Keidel beobachtet. Eventuell ist in diesem Bereich noch eine Verstärkung nötig. Tom Zimmerschied und Lukas Petkov sind auf den offensiven Außenbahnen normalerweise gesetzt, Jason Ceka wird jedoch ebenfalls Ansprüche anmelden. Alle drei bringen ein gutes Eins-gegen-eins sowie Tiefgang in das Elversberger Spiel. Den Abgang von Muhammed Damar soll unter anderem Bambasé Conté auffangen. Der Saarländer, der in der Jugend beim 1. FC Saarbrücken und später bei der TSG Hoffenheim ausgebildet wurde, war im vergangenen Jahr an den Karlsruher SC ausgeliehen und sammelte dabei acht Scorerpunkte. Hier erhoffen sich die Verantwortlichen sicherlich eine ähnliche Entwicklung wie bei Damar. Auch Jarzinho Malanga ist dabei zu nennen. Der 18-Jährige, der vom VfB Stuttgart ausgeliehen wurde, war schon in Bundesliga und Champions League am Ball und ließ sein Können auch schon bei der SVE aufblitzen. Beide Spieler sind wohl die interessantesten im Kader der SVE.
Angriff
Hier steht natürlich der Abgang von Fisnik Asllani über allem. Der Stürmer, der nun seinen Vertrag bei der TSG Hoffenheim verlängert hat und in der nächsten Saison in der Bundesliga stürmt, war der Unterschiedsspieler im vergangenen Jahr. Seine 18 Tore gleichwertig zu ersetzen, wird schwer. Die SVE versucht, die Verantwortung eher auf mehreren Schultern zu verteilen. Luca Pfeiffer wurde als klassischer Stürmer vom VfB Stuttgart verpflichtet, sich beweisen konnte er noch nicht. Er befindet sich nach einer Fußverletzung weiterhin im Aufbautraining. Im Test gegen PSV Eindhoven startete Younes Ebnoutalib und wusste in der Spitze durchaus zu gefallen. Auch hier erwarten die Verantwortlichen den nächsten Schritt. Inwieweit Luca Schnellbacher an seine vergangenen Zeiten anknüpfen kann, bleibt abzuwarten. In der vergangenen Saison im Schatten von Asllani, hat sich die Ausgangslage für diese Saison verändert. Wenn die SV Elversberg jedoch noch etwas auf dem Transfermarkt machen wird, was zu erwarten ist, dann wohl in die Richtung eines Stürmers. Sollte hier noch ein Qualitätsspieler dazukommen, wäre der Kader wohl komplett.
Die Stärken
Zwar brach den Elversbergern fast die komplette Achse weg, dennoch machen die Leistungen in den Testspielen und das Auftreten der Mannschaft durchaus Mut und Lust auf mehr. Vincent Wagner brachte eine neue Intensität und eine neue Spielidee mit, die bei der Mannschaft, so scheint es zumindest, gut ankommt. Die Ruhe, mit der bei der SVE solch ein Umbruch gemeistert wurde, ist bemerkenswert, dabei ist er noch lange nicht am Ende. Es könnte, wenn man Books Worten Glauben schenkt, ja noch einiges passieren. Und zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung steht die Mannschaft schon fast komplett und kann neue Muster und die Spielidee einstudieren.
FORUM-Prognose
Die SV Elversberg bleibt weiterhin eines der spannendsten Projekte in der 2. Liga. Sollte noch eine Verstärkung in der Zentrale sowie im Sturmzentrum dazukommen, spricht nichts gegen einen einstelligen Tabellenplatz. Mit dem Abstieg wird diese SVE definitiv nichts zu tun haben.