In der 3. Liga geht es schon vor dem Saisonstart heiß her. Viele Clubs haben sich prominent verstärkt und blasen zum Angriff – eine weitere spannende Saison steht in den Startlöchern. Mit 1860 München kristallisiert sich ein Top-Favorit heraus. Doch was wird aus den Zweitliga-Absteigern?
In München, an der Grünwalder Straße, weht in diesem Sommer ein frischer Wind. Beim TSV 1860 hat sich so viel getan wie bei kaum einem anderen Drittligisten. Der langjährige Investor Hasan Ismaik war erst raus, ist nun wieder drin. Präsident Robert Reisinger ist nach acht Jahren zurückgetreten – und Sportchef Christian Werner präsentiert eine Verpflichtung nach der anderen. Kevin Volland machte Ende April den Anfang, gefolgt von Florian Niederlechner. Beide sind Löwen-Fans und verzichten für ihren Wechsel auf satte Gehälter, um im Herbst ihrer Karriere noch einmal das Trikot ihres Herzensvereins zu tragen. Dass ihre spektakulären Wechsel nur der Beginn einer regelrechten Transfer-Offensive werden sollten, ahnte zu diesem Zeitpunkt wohl noch niemand.
Denn damit nicht genug: Auch Bundesliga-Absteiger Holstein Kiel verlor Torhüter Thomas Dähne an die „Sechzger“. Linksverteidiger Manuel Pfeifer verzichtete wohl auf einige lukrative Angebote aus der österreichischen Bundesliga, um nach München zu wechseln. Abwehrhüne Siemen Voet, der vergangene Saison noch für Bratislava in der Champions League auflief, bringt internationale Erfahrung mit. Max Christiansen, der neue Strippenzieher im Mittelfeld, kennt sowohl die Bundesliga als auch die 2. Liga bestens. Im Angriff schließlich soll der Norweger Sigurd Haugen, vergangene Saison mit zehn Toren für Hansa Rostock, künftig mit Volland und Niederlechner harmonieren. Ein Sturm, der in der 3. Liga seinesgleichen sucht.
Doch 1860 ist längst nicht allein im Aufstiegsrennen. Auch Hansa Rostock hat ein völlig neues Gesicht bekommen. Nach einer enttäuschenden Vorsaison haben Sportchef Amir Shapourzadeh und sein Team die Mannschaft kräftig umgebaut. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Kader nicht nur breiter, sondern auch deutlich erfahrener geworden. Rostock setzte gezielt auf Profis, die physisch robust sind, mental stark wirken und vor allem in Drucksituationen kühlen Kopf bewahren sollen. Mit Andreas Voglsammer verpflichtete Hansa einen prominenten Namen, während Paul Stock von der SV Elversberg und der physisch durchsetzungsstarke Slowene Kenan Fatkic für Stabilität und Flexibilität im Mittelfeld sorgen sollen.
Großer Umbruch in Cottbus
Ein weiteres Team, das für Gesprächsstoff sorgen dürfte, ist Energie Cottbus. Nach einem furiosen ersten Jahr nach dem Aufstieg musste der Verein nun einen großen Umbruch verkraften. Gleich 14 Spieler verließen die Lausitzer, darunter wichtige Leistungsträger. Dennoch wirkt der Neuaufbau nicht planlos. Trainer Claus-Dieter Wollitz und Kaderplaner Maniyel Nergiz setzen gezielt auf Spieler, die flexibel einsetzbar sind und das Team taktisch variabler machen. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich zeigen. Schon jetzt ist klar: Sollte es Cottbus gelingen, die offenen Positionen mit Qualität und Routine zu besetzen, könnte der große Umbruch auch eine Chance sein. Ein Platz im gesicherten Mittelfeld wäre dabei schon ein Erfolg, den man in der Lausitz wohl dankbar annehmen würde.
Ganz ähnliche Töne sind aus Osnabrück zu hören. Nach zwei chaotischen Spielzeiten hat sich der VfL neu aufgestellt. Mit Timo Schultz steht ein neuer Trainer an der Seitenlinie, Sportdirektor Joe Enochs hat die sportliche Führung übernommen. Ziel der Verantwortlichen ist es, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Insgesamt haben 16 Spieler den Club verlassen, zwölf neue Akteure kamen hinzu. Acht dieser Neuzugänge haben bereits Erfahrung in der 3. Liga oder höheren Klassen. Trainer Schultz weiß jedoch, dass es keine Garantien gibt. Von Aufstieg spricht in Osnabrück noch niemand offen – und doch hat Schultz ehrgeizige Ziele formuliert: „Es ist nicht mein Anspruch, zwei Jahre 3. Liga zu verwalten.“ Vor allem die Heimstärke an der Bremer Brücke soll zurückkehren und wieder zu einem echten Faustpfand werden.
Auch Rostock hat sich gut verstärkt
Weniger ambitioniert, dafür aber mit einer großen Portion Realismus, gehen der SSV Ulm und Jahn Regensburg in die neue Spielzeit. Für beide geht es zunächst darum, sich nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga zu stabilisieren. In Ulm unterstreicht bereits die Zahl von 15 Abgängen, wie groß der Umbruch ist. Besonders schwer wiegt der Verlust von Semir Telalovic, der mit zwölf Toren der erfolgreichste Torschütze der abgelaufenen Saison war. Auch andere Leistungsträger wie Niklas Kolbe, Bastian Allgeier oder Felix Higl bleiben der 2. Liga erhalten. Immerhin konnte mit Robert Lechleiter der Trainer langfristig gebunden werden. Er unterschrieb bereits vor dem feststehenden Abstieg einen Vertrag bis 2027. Der SSV setzt nun auf Erfahrung, um in der kommenden Saison nicht erneut in Abstiegsgefahr zu geraten. Für die Donaustädter dürfte die 3. Liga erneut ein echtes Abenteuer werden.
Ähnlich gestaltet sich die Lage beim SSV Jahn Regensburg. Nach dem sofortigen Wiederabstieg wollen sich die Oberpfälzer neu erfinden. Sportchef Achim Beierlorzer kündigte eine gründliche Aufarbeitung an. Ein einfaches „Weiter so“ wird es beim Jahn nicht geben. „Es werden ein neuer Trainer und neue Spieler kommen. Wir werden an unserer Spielphilosophie arbeiten“, sagte Beierlorzer nach der enttäuschenden Saison. Dennoch bleibt das Fundament des Vereins bestehen: „Was bleibt und was elementar sein wird, sind unsere Werte und drei hundertprozentige Forderungen: 100 Prozent Einsatz, 100 Prozent Identifikation und 100 Prozent Team.“ Diese Tugenden sollen Regensburg wieder starkmachen. Mit Michael Wimmer wurde ein interessanter Coach gefunden.
Ein spannender Verein in der 3. Liga ist ohne Zweifel der MSV Duisburg. Nach dem Absturz 2023/24 gelang der direkte Wiederaufstieg. Die Meidericher sind zurück – und sie kommen mit großen Ambitionen. Michael Preetz, der neue starke Mann beim MSV, machte gegenüber dem „Kicker“ unmissverständlich klar: „Ein Verein mit dieser Struktur kann in der 3. Liga nicht überleben.“ Der Aufstieg in die 2. Liga ist für den MSV Pflicht. Zwar weiß man an der Wedau, dass es kein Selbstläufer wird, doch die Fans hoffen auf einen erfolgreichen Neuanfang. Immerhin gehört Duisburg als Gründungsmitglied der Bundesliga zu den klangvollsten Namen der Liga – und möchte dies auch sportlich wieder unterstreichen. Und dann ist da noch der 1. FC Saarbrücken. Auch in dieser Saison trauen viele den Blau-Schwarzen den Sprung nach oben zu. Hinter 1860 München und Hansa Rostock gilt der FCS für viele Experten als heißester Kandidat für den Aufstieg. Doch auch der SV Wehen Wiesbaden mischt kräftig mit. Die Verpflichtung von Lukas Schleimer vom 1. FC Nürnberg zeigt, dass der SVWW in dieser Saison einiges vorhat. Nicht zu vergessen: Rot-Weiss Essen, das schon mehrfach als Geheimfavorit genannt wurde. Gefühlt hat Trainer Uwe Koschinat jeden verfügbaren Angreifer angesprochen. Und die Personalplanungen an der Hafenstraße sollen noch längst nicht abgeschlossen sein.
Eines steht fest: Die 3. Liga wird auch in der kommenden Saison wieder Spannung pur bieten. Ob die großen Namen das Rennen machen oder ein Außenseiter das Feld aufmischt – der Aufstiegskampf verspricht Dramatik, Emotionen und viele Geschichten, die die Fans elektrisieren werden. Auch im kommenden Drittligajahr dürfte wieder die Ausgeglichenheit der Liga für Spannung sorgen. Während Traditionsvereine wie 1860, Rostock, Saarbrücken, Duisburg oder Essen klare Ambitionen hegen, könnten erneut Überraschungsteams aus dem Mittelfeld für Furore sorgen.
Vereine wie Viktoria Köln oder Erzgebirge Aue schielen ebenfalls nach oben, während Energie Cottbus oder Ulm und Regensburg zunächst Stabilität suchen, ohne dabei die Ambitionen zu vergessen. Sicher ist nur: Die 3. Liga bleibt ein hartes Pflaster, in dem kleine Serien große Auswirkungen haben können – nach oben wie nach unten.