Nach der Scheidung von Jennifer Lopez ist im Leben von Hollywoodstar Ben Affleck Ruhe eingekehrt. Er kümmert sich wieder mehr um sein Familienleben und ums Filmemachen. Und zwar, wie er sagt, in dieser Reihenfolge. In dem Action-Thriller „The Accountant 2“ spielt er nach längerer Zeit wieder die Hauptrolle.
Ganz casual friday – im grauen Anzug mit weißem Hemd, den Kragen offen – und so gut gelaunt wie selten, erzählt Ben Affleck, warum er unbedingt wieder in die Rolle von Christian Wolff schlüpfen wollte: „Während der Dreharbeiten zu ‚The Accountant‘ ist mir dieser inselbegabte, investigative Buchhalter sehr ans Herz gewachsen. Ich hatte jede Menge Spaß daran, ihn zu spielen. Und schon damals hatte ich das Gefühl, dass es da noch viel mehr zu erzählen gäbe. Der Film war kommerziell sehr erfolgreich und wo immer mich Leute darauf ansprachen, habe ich immer sehr gutes Feedback bekommen. Ich hatte also schon lange mit dem Gedanken gespielt, es noch einmal damit zu versuchen. Allerdings war es mir wichtig, dass wir uns bei einer eventuellen Fortsetzung nicht wiederholen. Das Sequel sollte schon etwas ganz Besonderes sein. Mit einem neuen, originellen Ansatz. Die Story sollte auch diesmal wieder von den einzelnen Figuren vorangetrieben werden. Und auch die Action-Sequenzen sollten kein Selbstzweck sein, sondern der Geschichte dienen.“ Und mit einem breiten Grinsen meint er noch: „Aber verstehen Sie mich nicht falsch – es gibt viele ganz fantastische Action-Szenen, bei denen sogar die Stunt-Leute ins Schwitzen kamen.“
„Meine Familie steht an erster Stelle“
Wie schon beim ersten Film, der 2016 in die Kinos kam, steht dem Buchhalter Christian Wolff auch diesmal wieder sein Bruder Brax (Jon Bernthal) zur Seite. Mit ihm zusammen versucht er, einer Handvoll skrupelloser Killer auf die Spur zu kommen. Und wieder sorgt die vertrackte Story für verblüffende Wendungen und Nervenkitzel. Allerdings ist „The Accountant 2“ (seit 24. April im Kino) viel witziger als sein Vorgänger. Und so erleben wir einen linkischen Ben Affleck sogar beim Line Dancing … „Darauf hat Amerika ganz sicher nicht gewartet, aber das hat mich in keinster Weise davon abgehalten“, meint er trocken.
Ob „The Accountant 2“ für ihn nur ein kurzer Abstecher in die Schauspielerei sein wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist aber, dass der heute 52-Jährige mittlerweile seine ganze Kraft in die Produktionsfirma Artists Equity einbringt, die er vor drei Jahren mit seinem Freund Matt Damon gegründet hat. Dort ist er verantwortlich für die Projektentwicklung von Kinofilmen und TV-Serien. „Das ist ein Job, in dem ich voll und ganz aufgehe. Und das Beste ist: Ich bin von halb zehn bis 14.30 Uhr in der Firma. Und wieder zu Hause, wenn meine Kinder um 15.45 Uhr aus der Schule kommen.“ Nach all dem Trubel der letzten Jahre scheint Ben Affleck wieder Halt gefunden zu haben. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass er sich jetzt viel intensiver um seine Kinder kümmert. „Früher war ich sehr oft zu Dreharbeiten unterwegs, da blieb mein Familienleben mitunter ziemlich auf der Strecke. Jetzt steht meine Familie immer an erster Stelle.“
Benjamin Geza Affleck wurde am 15. August 1972 in Berkeley, Kalifornien, geboren. Er wuchs, zusammen mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Casey, allerdings in Cambridge, Massachusetts, auf. Nach der Scheidung der Eltern bekam die Mutter, eine Lehrerin, das alleinige Sorgerecht. „Das war nicht gerade eine einfache Zeit, aber mein Bruder Casey (auch ein erfolgreicher Schauspieler, zum Beispiel „Manchester by the Sea“) und ich wuchsen trotzdem in einem sehr harmonischen Zuhause auf. Meine Mutter hat uns beide immer unterstützt; selbst unsere verrücktesten Ideen fanden bei ihr Gehör. Sie hat uns immer Mut gemacht. Mut zu uns selbst und zu unseren Träumen. Solange wir uns dadurch nicht in Gefahr brachten, war alles okay. Unser Vater war eher der schweigsame Typ. Aber auch er ist mit uns durch dick und dünn gegangen. Ich kann also nicht klagen.“
Seit er als Kind einen Werbespot für Burger King gedreht hatte, wollte Ben Schauspieler werden. 1984 spielte er in der amerikanischen TV-Mini-Serie „The Voyage of the Mimi“ mit, wo er sich mit Co-Star Matt Damon anfreundete. Sein Spielfilmdebüt gab er 1993 in „Dazed and Confused“. Danach trat er meist in Independent-Filmen auf. Genervt davon, dass er – wie sein Freund Matt – nie für die wirklich großen Filmrollen gecastet wurde, schrieb er zusammen mit Matt das Drehbuch zu „Good Will Hunting“. Sie erfanden für sich auch gleich zwei super-coole Rollen: Matt war das Mathe-Genie und Ben sein flippiger Freund. 1997 kam der Film in die Kinos und wurde ein großer Erfolg. Im darauffolgenden Jahr wurden die beiden mit dem Oscar für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet. Der Durchbruch in Hollywood war geschafft.
„Ich habe mein Lehrgeld bezahlt“
„Der Erfolg kam aber alles andere als über Nacht“, meint Ben Affleck ernst. „Matt und ich waren da ja schon gut 15 Jahre lang im Filmbusiness unterwegs. Was dann nach der Oscar-Nacht geschah, war wirklich interessant. Als junger, mittelloser Schauspieler habe ich natürlich davon geträumt, reich und berühmt zu sein. Als ich es dann tatsächlich wurde, war das eher ein Schock für mich. Matt ging es übrigens genauso. Es hat mich anfangs total verunsichert. Ich gehöre nämlich wirklich nicht zu denen, die Schauspieler geworden sind, weil sie glauben, dann mit jeder zweiten Frau ins Bett gehen zu können. Oder für die es wichtig ist, eine Villa nach der anderen zu kaufen. Und ich habe mein Lehrgeld bezahlt. Schließlich hat man mich ja ein paar Jahre als die ‚neue Sau‘ durch ein Dorf namens Hollywood getrieben“, meint er mit einem süffisanten Lächeln.
Ende der 90er-Jahre war Affleck in einer Handvoll Kinohits wie „Armageddon“, „Shakespeare in Love“ und „Pearl Harbour“ zu sehen und wurde so zu einem der gefragtesten Stars in Hollywood. Zu dieser Zeit machte Ben die meisten Schlagzeilen allerdings nicht durch seine Filme, sondern durch seine Affären, zum Beispiel mit Gwyneth Paltrow und Megastar Jennifer Lopez. Von 2002 bis 2004 waren die beiden das Glamour-Paar Hollywoods und das Lieblings-Jagd-Objekt der Paparazzi. „Bennifer“, wie sie von der Klatschpresse genannt wurden, trugen allerdings auch selbst viel dazu bei, dass der Hype um ihre Personen regelmäßig aus dem Ruder lief. Denn wenn man am liebsten in einem vergoldeten Rolls Royce durch Los Angeles kutschiert und wie Ben seiner Jennifer einen 3,5 Millionen Dollar teuren Verlobungsring schenkt, muss man sich wirklich nicht über Schlagzeilen wundern. Hinzu kam noch, dass Affleck sehr oft medienwirksam mit seinem Busenfreund Matt Damon beim Pokern in Las Vegas versumpfte. Diverse Alkoholabstürze und Entziehungskuren inbegriffen.
„Es stimmt schon, dass ich damals etwas vom Weg abgekommen bin. Aber ehrlich gesagt wurde da auch viel Mist über mich verbreitet. Damals hatte ich keine einzige Sekunde Privatleben mehr. Ich war in den Medien überpräsent und hatte das Gefühl, dass diese schrecklichen Paparazzi an mir festgewachsen waren – wie Moos an Bäumen. Mir wurde fast jedes Mal schlecht, wenn ich die Zeitung aufschlug und schon wieder jemand etwas über ‚Bennifer‘ vom Stapel gelassen hatte. Das kann einem schon aufs Gemüt gehen.“
Er schaut nach vorne, sagt er
Im 2004 verliebte sich Ben Affleck bei den Dreharbeiten zu „Daredevil“ in Jennifer Garner. Von 2005 bis 2015 waren die beiden verheiratet. Sie haben zwei Töchter, Violet, 19, und Seraphina, 13, und einen Sohn, Fin, 13. Das war die Zeit, in der Affleck immer wieder gerne betonte, wie glücklich er war. Privat lief ja auch alles prächtig, beruflich eher nicht. Obwohl er jedes Jahr ein oder zwei Filme drehte, begann sein Stern am Himmel von Hollywood langsam zu sinken. Das Blatt wendete sich allmählich, als er mit seiner ersten Regiearbeit, dem Drama „Gone Baby Gone – kein Kinderspiel“ (2007), einen Achtungserfolg hatte. Drei Jahre später konnte er einen weiteren Erfolg verbuchen: In „The Town – Stadt ohne Gnade“ (2010) war er als Drehbuchautor und Regisseur tätig und spielte außerdem die Hauptrolle. Seinen größten Triumph als Regisseur feierte er dann mit dem historischen Thriller „Argo“ (2012), der die Befreiung von sechs US-Amerikanern zeigte, die 1979 von Teheran als Geiseln festgehalten wurden. Der Film wurde siebenmal für den Oscar nominiert und als „Bester Film“ ausgezeichnet. „Ich habe ja nie einen Hehl daraus gemacht, dass es mir große Freude bereitet, Regie zu führen. Es ist einfach sehr befriedigend, wenn man als Regisseur das Heft in der Hand hält.“
Will man in Hollywood als Big Player mit dabei sein, darf man sich – selbst als Star – nur einen, maximal zwei Flops erlauben. Und muss diese Scharte dann schnell wieder mit Blockbuster-Movies auswetzen. Da die größten Erfolge seit vielen Jahren durch Comic-Verfilmungen generiert werden, ist es logisch, dass auch Ben Affleck sich als Superheld versucht hat. Von 2016 („Batman versus Superman: Dawn of Justice“) bis 2023 („The Flash“) schlüpfte er fünfmal in die Rolle des „dunklen Ritters“ im Fledermaus-Kostüm. Allerdings waren die Filme weder ein großer kommerzieller Erfolg, noch konnten sich die Fans für den Affleck-Batman richtig erwärmen. Viel mehr Beifall bekam Affleck für seine Nebenrollen in „The Last Duel“ (2021) und „Air: Der große Wurf“ (2023), wo er wieder zusammen mit Matt Damon vor der Kamera stand. Bei „Air“ führte er auch wieder Regie.
Erwähnt werden muss wohl auch noch die Beziehung, die Affleck 2021 wieder mit Jennifer Lopez einging. Im Juni 2022 fand dann sogar die Trauung statt. Den Super-Hype, den sie damit erneut auslösten – darunter das eher peinliche Schaulaufen auf Capri –, wollen wir hier lieber nicht vertiefen. 2024 reichte Lopez die Scheidung ein. Es ist müßig, darüber zu spekulieren, was zu diesem erneuten Aus führte. Aber wundern darf man sich schon ein bisschen.
Denn ein mittlerweile geläuteter Ben Affleck spricht nur in den höchsten Tönen von seiner Ex und davon, wie er sie respektiert und bewundert. Er schaue nach vorne, betont er beim Pressegespräch – und man hat den Eindruck, dass er wirklich voller Zuversicht ist, was ihm die Zukunft bringen wird. Denn: „Für mich zählt der Mensch. Der Charakter. Wie man durchs Leben geht. Wie man sich trägt, ob man Verantwortung übernimmt oder nicht. Die Persönlichkeit. Ich bin da ziemlich altmodisch. Und wer sagt, dass die besten Jahre nicht noch kommen werden?“