Andi Haberl ist ein Tausendsassa – wie man eben Menschen zu nennen pflegt, die mit leidenschaftlicher Energie gleichzeitig diversen Projekten nachgehen. Seit 2007 ist der Schlagzeuger und Perkussionist festes Mitglied bei The Notwist, und unter seinem Alias SUN hat Haberl 2024 mit „I Can See Our House From Here“ ein beseeltes Album veröffentlicht, welches nicht nur in dieser Rubrik hier Applaus erntete.
Wofür der Mann sich selbst regelmäßig begeistern kann, sind Session-Aufträge von Kolleginnen und Kollegen diverser Sparten. Konstantin Wecker, Masha Qrella, Till Brönner und Charlie Mariano zählen zu seinen Auftraggeberinnen und Auftraggebern. Und immer setzt der Mann aus Weilheim spannende rhythmische Akzente. So auch auf dem Debüt-Werk von Bella Wakame (übersetzt: „schöner Algensalat“), einem Duo, das er gemeinsam mit dem ebenfalls umtriebigen Spezialisten für modulare Synthesizerklänge Florian Zimmer (Driftmachine, Saroos) an den Start schob.
Im Vorfeld erschien mit der Single „Toutpartout PT2“ bereits ein veritabler Appetitanreger. Klar muss man Experimentalklänge mögen, um hier freudvoll anzudocken. Die teils herausfordernd verästelte Kombination aus Rhythmik und Melodie ist definitiv nicht leichtgängig. Etliches auf „Bella Wakame“ ist zugänglicher – beispielsweise das fröhlich polternde, satt pluckernde „Breakdowns, Full On“ oder das wundersam psychedelische „The Island Of Unknowns“ mit der feinen Gaststimme von Indra Dunis (Peaking Lights). Mit „Spirit-Shelf“ gibt es einen listigen Quasi-Reggae, und „Manga Bois“ geht sogar als kleiner Hit durch. Raffiniert hypnotisierend verweben sich hier Tasten und Schlagwerk. Momente wie dieser wecken den Wunsch, dass auch elektronische Big-Player wie Depeche Mode gerne einmal wieder näher an derart basale, bombastfreie, dafür fantasievolle Machart rücken dürften …
Haberl kommt vom Jazz – er spielte sogar mal unter Peter Herbolzheimer im Bundesjazzorchester! –, und diese Inspiration ist ihm nie wirklich abhandengekommen. Und fest steht ohnehin: Man muss keinen Algensalat mögen, um „Bella Wakame“ zu genießen.