Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Oscar, der Ich-Erzähler, hochbegabter, von den Eltern verhätschelter Jugendlicher mit autistischen Zügen, und Moni, mit 53 Jahren dreifache Großmutter, die nicht nur mehrere Jobs bedient, sondern sich auch um ihre Enkelkinder, eine überforderte Tochter und die schwer erträgliche Restfamilie kümmert. Während der eine sein Leben minutiös darauf ausrichtet, ein Mathe-Genie zu werden, hetzt die andere von der Kantine in den Supermarkt, holt zwischendurch den kleinen Quentin von der Schule ab und rührt in der Küche in zwei Töpfen gleichzeitig. Ausgerechnet diese beiden Menschen lässt Bestsellerautorin Alina Bronsky in „Pi mal Daumen“ aufeinandertreffen.
Mit rotem Kunstlederrock, ausgeschnittener Bluse mit Leopardenmuster und Ikea-Tasche betritt Moni den Hörsaal der Mathe-Vorlesung und setzt sich ausgerechnet neben den irritierten Oscar. Um bald mit ihm gemeinsam über Aufgaben der Analysis und linearen Algebra zu brüten.
Was könnte die beiden trotz all der Unterschiede verbinden? Und warum hat Moni überhaupt den Ehrgeiz, einen Abschluss in Mathematik zu machen? Um das zu verstehen, müssen noch Daniel Johannsen, ebenso berühmter wie arroganter Mathematik-Professor, sowie Monis verschwundener Bruder Jan ins Spiel kommen.
Um sie herum entspinnt sich eine spannende, witzige Geschichte, die das eine oder andere Klischee bedient, mitunter hart an einer Milieustudie vorbeischrammt, wenn von Monis Umfeld mit Pits omnipräsentem Körperhaar-Exhibitionismus, verwahrloster Elendsarchitektur und der Schlager-Hitparade als Geräuschkulisse die Rede ist.
Insgesamt erzählt Bronsky mit Leichtigkeit von einer ungewöhnlichen Freundschaft, ohne die Unterschiede zwischen den Protagonisten zu verklären. Vielmehr arbeitet sich die Autorin auf unterhaltsame Weise an ihren eigenen Erfahrungen mit einem Mathematikstudium ab, das sie als mehrfache Mutter begonnen und wieder aufgegeben hat. Die Schriftstellerei war wohl erfolgversprechender.