Dieser Sommer-Blockbuster kommt mit 300 Sachen über die Zielgerade. Im Cockpit: Brad Pitt. „F1 – Der Film“ ist ein actiongeladenes Rennspektakel der Sonderklasse. „Top Gun: Maverick“ auf heißem Asphalt. Für Adrenalin-Junkies – und solche, die es werden wollen.
Es fühlt sich an, als würde ich tatsächlich im Cockpit eines Formel-1-Rennwagens sitzen!“, sagt einer, der es wissen muss: der siebenmalige Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, als er sich „F1 – Der Film“ im Kino ansieht. Hamilton war nicht nur einer der Produzenten dieses exorbitanten Rennfahrer-Films, sondern mischte auch als Berater und Fahrlehrer von Brad Pitt kräftig mit. Ihm verdankt das Team um Regisseur Joseph Kosinski („Top Gun: Maverick“) das Know-how, um täuschend echt aussehende, hochoktanige Rennsequenzen zu drehen, bei denen einem als Zuschauer im Kinosessel der Atem stockt. Die geballten kinetischen Energien lassen die zwei Stunden und 28 Minuten der Laufzeit des Films wie im Flug vergehen. Zur Vorbereitung für „F1“ (schlappe 300 Millionen Dollar Produktionskosten) wurde über zwei Jahre lang immer wieder an Grand-Prix-Austragungsorten gefilmt. Viele dieser Live-Mitschnitte (insgesamt über 5.000 Stunden Material) von echten Formel-1-Rennen, zum Beispiel in Silverstone, Las Vegas und Suzuka, finden sich im Film wieder. So auch originalgetreue Boxen-Garagen, Fahrerlager und natürlich diverse Boliden. All das gibt diesem einmaligen Königsklasse-Rennzirkus einen atmosphärisch dichten und authentischen Look.
Als dann endlich die Spielfilm-Rennaufnahmen gefilmt wurden, waren mitunter 28 Kameras gleichzeitig im Einsatz sowie Drohnen, die das Geschehen aus der Luft zeigen, oder Mini-Kameras, die in den Cockpits und am Boden der Boliden klebten. Bei vielen dieser Rennen waren professionelle Stuntfahrer am Werk – aber auch Brad Pitt höchstpersönlich. „Immer dann, wenn man Brad hinter dem Lenkrad sieht, ist er auch selbst gefahren“, versichert Regisseur Kosinski. Und er legt auch großen Wert darauf, dass bei diesem Film – wie auch schon bei seinem „Top Gun: Maverick“ so gut wie keine CGI (computergenerierte Bilder) eingesetzt wurden.
Ein gnadenloses Macho-Match
Bei so viel technischem Brimborium könnte man fragen, wo denn eigentlich die Story bleibt. Nun, die ist etwas simpel gestrickt und bedient den im amerikanischen Kino so beliebten Topos des Underdogs, der schließlich über das System triumphiert. Der abgehalfterte Ex-Formel-1-Rennfahrer Sonny Hayes (Brad Pitt) haust mittlerweile in einem Wohnwagen und verdient sich seinen Lebensunterhalt als vagabundierender Gelegenheitsrennfahrer. Vor 30 Jahren beendete ein schrecklicher Unfall auf der Rennstrecke seinen Traum, einmal der Beste Formel 1-Fahrer aller Zeiten zu sein. Da tritt eines Tages sein ehemaliger Teamkollege Ruben Cervantes (Javier Bardem) wieder in sein Leben. Ruben ist mittlerweile der Besitzer des (fiktiven) APXGP-Formel-1-Rennstalls, der allerdings kurz vor dem Aus steht. Ruben überredet Sonny, es noch einmal als Formel-1-Fahrer bei ihm zu versuchen und so vielleicht den Rennstall vor dem Ruin zu retten. Außerdem könnte Sonny dabei ja auch ein Auge auf Joshua Pearce (Damson Idris) haben, ein talentierter Newcomer, von dem sich Ruben noch viel verspricht. Sonny sagt nach einigem Zögern zu. Nun soll er mit seinem Teamgefährten Joshua das Wunder möglich machen und wieder Siege einfahren. Heißsporn Joshua ist vom „alten Mann“ Sonny alles andere als begeistert. Eine glühende Rivalität entsteht, die von Sonnys kamikazehaftem Fahrstil noch befeuert wird. Das Resultat dieser gefährlichen Egotrips: Boliden crashen in Absperrungen, fliegen aus Kurven oder überschlagen sich. Bald finden sich Joshua und Sonny im Krankenhaus wieder. Besonders Sonny erwischt es bei einem Unfall hart. Wird er nach einem Wirbelbruch überhaupt jemals wieder an den Start gehen können?
Im Hintergrund dieses Dramas schmiedet der zwielichtige Banning (Tobias Menzies), einer der Geldgeber und Aufsichtsrats-Mitglied, schon an der heimlichen Abwicklung des APXGP-Rennstalls – natürlich mit für ihn lukrativem Geldsegen.
Freilich darf bei diesem gnadenlosen Macho-Match auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen. Glücksritter Sonny verliebt sich nämlich ziemlich schnell in Kate McKenna (Kerry Condon), die als technische APXGP-Chefin die Rennen begleitet. Diese sehr zärtliche amouröse Beziehung wird allerdings wohltuend dosiert eingesetzt. In einer Schlüsselszene verrät Sonny der attraktiven Kate, warum er immer noch Rennen fährt: Nicht etwa des Geldes oder des Ruhms wegen, sondern um beim Fahren den Flow zu finden, diese kostbaren Sekunden, in denen man zu fliegen glaubt. Sonny und Joshua treten bei aller Rivalität dann doch noch einmal als Team-Player an und in Abu Dhabi kommt es zum grandiosen Showdown.
Der große Gewinn von „F1 – Der Film“ (bereits im Kino angelaufen) ist natürlich Hollywoodstar Brad Pitt. Wie entspannt und uneitel er den sympathischen Asphalt-Cowboy spielt und mit welch augenzwinkerndem Charme, weist ihn souverän als Alleinerben des größten Rennfahrerdarstellers aller Zeiten aus – Paul Newman. Wem Filme wie „Rush“, „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ und „Tage des Donners“ gefallen haben, der wird von „F1 – Der Film“ begeistert sein.