Drei Fragen:
Ein politisches und poetisches Festival
Rolf C. Hemke über das Kunstfest Weimar vom 20. August bis 7. September.
Über dem Kunstfest steht das Motto „Mutig leben“. Wie ist das gemeint?
Das Motto hängt mit der gegenwärtigen Situation zusammen, den zahlreichen Infragestellungen unserer demokratischen Gesellschaftsordnung von extrem rechter wie extrem linker Seite, der jede und jeder Einzelne mutig begegnen muss. Der zweite Gedanke dabei ist, dass auch eine ganze Reihe von Projekten aus einer Oppositionshaltung heraus entstanden ist, zum Beispiel die Doku-Oper „Ganz Unten“ mit türkischen Mitwirkenden. Auch der Träger der Goethemedaille Osman Kavala sitzt im Gefängnis, sodass den Preis seine Frau in Empfang nehmen muss.
Dabei kommt das Kunstfest auch nicht ohne Goethe aus ...
Doch, das haben wir in den vergangenen Jahren bewiesen. Aber dieses Mal geht es nicht ohne Goethe, weil es ein Themenjahr der Klassik Stiftung Weimar gibt, das Goethes Ankunft in Weimar vor 250 Jahren feiert. Da auch sein Hauptwerk hier entstanden ist, wird es dieses Mal als Faust-Jahr gefeiert. Wir wurden gefragt, ob wir das mit gegenwärtigen Varianten flankieren können und präsentieren zwei „Faust“-Paraphrasen, die beide mit dem Originaltext arbeiten. Im einen Fall ist das die Uraufführung von „FaustX“ von Brett Bailey, der das Stück im südafrikanischen Kontext ansiedelt. Im anderen Fall William Kentridges „Faustus in Africa“, das auch aus dem postkolonialen Blickwinkel entstanden ist. Wobei der Regisseur sein Werk, mit dem er 1995 international bekannt geworden ist, neuinterpretiert. Daneben gibt es aber noch weitere Faust-Projekte, ein Faust-Konzert, einen Filmmarathon, eine Lesung …
Welches sind die Höhepunkte?
Die kann man an den ersten beiden Tagen erleben mit der russischen Uraufführung von „Das Land, das ich liebe“, dem „Faust X“ und dem Gedächtnis-Buchenwald-Konzert mit dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms. Mit dieser Trias läuft das Festival in sehr politischer und sehr poetischer Weise los.
Interview: Ulrike Wiebrecht
Kulturverführung vom 1.8.2025
Ferienprogramm: Kreativ sein und neue Welten kennenlernen – dazu lädt die MiK Jugendkunstschule Berlin Mitte bis 5. September Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen sechs und 27 Jahren ein. Ob Zeichnen und Nähen draußen in der Natur, freies Modellieren mit Ton, Fotografie, digitale Malerei, Animation oder Filmemachen und Game Design – „hier findet jede und jeder den passenden Workshop“, verspricht das Sommerakademie-Team. Eine Gruppe internationaler Künstlerinnen und Künstler begleitet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und bietet ihnen spannende Einblicke in verschiedene kreative Techniken. Die einwöchigen Kurse finden jeweils vormittags statt. MiK Jugendkunstschule Berlin Mitte, Schönwalder Straße 19, 13347 Berlin, die Teilnahme ist kostenlos, Informationen und Anmeldung: www.mik.berlin/2025/05/26/sommerakademie-2025
Kunst: Wer in den Ferien Zeit und Lust zum Flanieren hat, der kann dem „Ponyreiter“ im Hof der Hasen-Grundschule einen Besuch abstatten. Die Betonplastik ist restauriert worden und steht der Öffentlichkeit „nun wieder in ihrem ursprünglichen Glanz zur Verfügung“, teilt das Bezirksamt Pankow mit. Seit 1978 prägt das Kunstwerk des zypriotischen Bildhauers Kypros Perdios das Gelände der Schule. Ursprünglich wurde die Plastik für den Neubau der damaligen „2. Hilfsschule“ in Auftrag gegeben und auf dem Schulhof hinter dem Hauptgebäude aufgestellt. Der Künstler, ausgebildet in Ost-Berlin, schuf mit dem „Ponyreiter“ eine Skulptur, die Generationen von Schulkindern begleitet hat. Hasen-Grundschule, Hermann-Hesse-Straße 48–52, 13156 Berlin
Theater: Das Berliner Kriminaltheater spielt den Sommer durch. Im August stehen unter anderem „Tod auf dem Nil“, „Enkeltrick“, „Die acht Millionäre“ und „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ auf dem Programm. Berliner Kriminal Theater, Palisadenstraße 48, 10243 Berlin, Karten und Informationen: www.kriminaltheater.de
Konzert: Mit ihrem Taschenlampenkonzert am 20. September wird die Band Rumpelstil die wohl schönste Open-Air Bühne der Welt (da dürfen wir Berlinerinnen und Berliner mal wieder ganz bescheiden sein) wieder in ein Lichtermeer verwandeln. Das Taschenlampenkonzert anlässlich des Weltkindertags auf der Waldbühne ist ein Fest für die ganze Familie. „Bereits der Weg zur Bühne wird zu einem aufregenden Abenteuer, und wenn die ersten Songs von Rumpelstil erklingen, gibt es auf den Plätzen kein Halten mehr. Es wird gesungen, getanzt, gelacht und natürlich kräftig mit der Taschenlampe gefunzelt – ein unvergessliches Erlebnis, das alle Generationen verbindet und den Weltkindertag mit einem einzigartigen musikalischen Highlight ausklingen lässt“, versprechen die Veranstalter. Waldbühne, Glockenturmstraße 1, 14053 Berlin, Karten und Informationen: www.taschenlampenkonzert.de
Martin Rolshausen