Er ist der vielleicht coolste Superstar Hollywoods. Im Rennspektakel „F1“ klemmt sich Brad Pitt gerade ins Cockpit eines Formel-1-Boliden. Der 61-jährige mauserte sich vom Schönling mit Waschbrettbauch zum Oscar-Preisträger – ein langer Weg. Hier eine Spurensuche.
Gerade einmal 14 Minuten brauchte Brad Pitt, um sich als Herzensbrecher und Gentleman-Räuber mit „Thelma & Louise“ (1990) in Hollywood zu etablieren. Seine damalige Filmpartnerin Geena Davis erinnert sich noch heute gerne an die Dreharbeiten: „Brad kam ja sozusagen direkt aus dem Levis-Jeans-Werbespot geradewegs in mein Bett – zumindest vor der Kamera“, lacht sie. „Er hatte zwar nur eine Nebenrolle, aber mehr hat er nicht gebraucht, um Susan Sarandon und mir fast die Schau zu stehlen. Natürlich hatte er damals dieses megasexy Lächeln und den legendären Waschbrettbauch. Doch Brad war nie nur ein Schönling – dazu hatte er viel zu viel Talent.“
Werbespot verhalf ihm zum Durchbruch
Als Brad Pitt Ende der 1980er-Jahre aus der Provinz nach Los Angeles zog, waren die Türen zu Hollywoods Traumfabrik für ihn fest verschlossen. Zu viele junge, gut aussehende Beachboys standen bei den Casting-Agenturen Schlange. Die meisten davon ohne Aussichten, jemals eine Rolle beim Film oder wenigstens beim Fernsehen zu bekommen. So auch Brad Pitt. Um sich über Wasser zu halten, arbeitete er zunächst als Chauffeur für Stripperinnen. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich damals mit großem Herzklopfen und ein paar hundert Dollar in der Tasche nach Hollywood aufmachte, um dort als Schauspieler mein Glück zu versuchen. In der Anfangszeit schlief ich die meisten Nächte auf diversen Sofas von Bekannten oder irgendwo am Santa-Monica-Strand.“
Mit der Zeit bekam er ab und zu kleinere Rollen beim Film oder Fernsehen und arbeitete nebenher als Model für TV-Werbespots. Einer davon war der für Levi’s Jeans. In dem einminütigen Spot wird er – zum Lied „20th Century Boy“ von T. Rex – in Unterhosen aus dem Gefängnis entlassen. Eine rassige Brünette fährt vor und wirft ihm eine 501-Jeans zu. Der Rest ist Geschichte. Brad Pitt heute: „Mit dem Werbespot, der dann zu meiner Rolle in ‚Thelma & Louise‘ führte, habe ich damals den Jackpot geknackt. Plötzlich war ich im Rampenlicht. Seitdem wollte ich meine Chancen einfach nutzen. Und das habe ich, glaube ich, mehr oder weniger gut getan. Aber ich wollte nie ein Hollywood-Star werden. Ich wollte nur dabei sein und mitspielen.“
„Für mein Aussehen kann ich nichts“
Brad Pitt konnte viel mehr als nur mitspielen. Plötzlich rissen sich die Studios um den attraktiven Newcomer. Man besetzte ihn schnell als Hauptdarsteller in Filmen, viele davon sind allerdings mittlerweile in der Versenkung verschwunden. Dabei musste er auch immer gegen sein Image als Schönling anspielen: „Ich habe zeitweise wirklich sehr darunter gelitten, dass man mich immer nur als Sexsymbol wahrnahm. Ehrlich gesagt, war mir dieser Sexiest-Man-Of-The-Year-Quatsch immer äußerst peinlich (das Magazin „People“ wählte ihn 1995 und 2000 zum Sexiest Man Alive; Anm. d. Red.). Für mein Aussehen kann ich nun mal nichts, das wurde mir geschenkt. Aber meinen Status als Schauspieler, den musste ich mir hart verdienen. Ich bin mit Leib und Seele Schauspieler. Das sollte man nicht vergessen. Ich habe mir nichts mehr gewünscht, als dass man mich endlich als Schauspieler anerkennt.“
Im Laufe der Jahre ging sein Wunsch in Erfüllung. Robert Redford besetzte ihn als sein Alter Ego in seinem Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“. Danach spielte Brad Pitt in „Interview mit einem Vampir“ keinen Geringeren als Tom Cruise regelrecht an die Wand und etablierte sich in der Romanze „Legenden der Leidenschaft“ endgültig als A-Klasse-Schauspieler. Filme wie „Sieben“, „12 Monkeys“, für den er für einen Oscar nominiert wurde, und „Fight Club“ festigten seinen Ruf.
Sein Filmpartner in „Fight Club“, Edward Norton, erinnert sich: „Brad ist Mr. Einhundertprozent! Er ist immer voll da und einer der leidenschaftlichsten Schauspieler, die ich kenne. Und absolut kompromisslos. Für ‚Fight Club‘ hat er sich sogar einen halben Zahn abschleifen lassen, damit es authentischer wirkt. Chapeau!“ Und auch Julia Roberts kam ins Schwärmen: „Brad und ich hatten viel Spaß beim Dreh von ‚The Mexican‘. Wir sind absolut auf derselben Wellenlänge. Er ist überhaupt nicht der oberflächliche Sonnyboy, für den ihn viele halten. Tatsächlich ist er eigentlich das Gegenteil: erfrischend intelligent und äußerst belesen.“
Mit Julia Roberts hat Brad Pitt bis heute eine platonische Beziehung. Ansonsten nutzte der Hollywood-Beau die Dreharbeiten aber durchaus gerne als Dating-Plattform. So hatte er eine längere Affäre mit Juliette Lewis, war mit Gwyneth Paltrow verlobt, löste die Verlobung aber bald auf und verliebte sich Hals über Kopf in Jennifer Aniston. Im Juli 2000 folgte die Hochzeit; fünf Jahre später ließen sich die beiden scheiden. Der Grund dafür war angeblich Pitts Seitensprung mit Angelina Jolie bei den Dreharbeiten zu „Mr. & Mrs. Smith“. Brad Pitt und Angelina Jolie, die von der Boulevard-Presse gerne als „Brangelina“ bezeichnet wurden, waren wohl die am meisten gejagten Celebritys der Welt. George Clooney und Matt Damon feixten bei den Dreharbeiten zu „Ocean’s 13“: „Immer, wenn plötzlich ein halbes Dutzend Helikopter am Himmel auftauchten, wussten wir, dass Brad auf dem Weg zum Drehort war. Diese Paparazzi schreckten wirklich vor nichts zurück.“
Heute drogenfrei und trocken
Kein Wunder also, dass sich Brad Pitt, der als introvertiert und scheu gilt, gerne aus der Öffentlichkeit zurückzog. Privat schienen Brad und Angelina lange wie auf Rosen gebettet. Das Paar hat drei adoptierte Kinder und drei leibliche – Tochter Shilo wurde 2006 geboren, die Zwillinge Knox und Vivienne kamen 2008 zur Welt. Nach einer zweijährigen Verlobungszeit heiratete das Paar 2014. Im September 2016 reichte Angelina Jolie die Scheidung ein. Der Grund für das überraschende Ehe-Aus war wohl ein Zwischenfall auf einem Flug von Frankreich nach Los Angeles, als Brad Pitt angeblich sturzbetrunken zuerst verbal ausfallend und dann sogar gegenüber den Kids und der Ehefrau handgreiflich geworden sein soll. Die Kinder stellten sich bei diesen extrem unschönen Auseinandersetzungen auf die Seite ihrer Mutter. Zwischen Brad und Angelina kam es zu Streitigkeiten über Sorgerecht und Finanzen. Bis heute überziehen sie sich wechselseitig mit Klagen. Seit 2024 sind die beiden nun offiziell geschieden.
Kürzlich gestand Brad Pitt in einem Podcast mit dem US-Schauspieler Dax Shepard, dass er damals eine besonders schwierige Lebensphase durchmachte: „Ich war so ziemlich am Boden, auf den Knien. Ich habe früher alles ausprobiert, was man mir angeboten hat und viel zu viel Alkohol getrunken. Und ich weiß, dass ich viele Probleme selbst verschuldet habe.“ Schon 2019 hatte Pitt der „New York Times“ von seiner Zeit bei den Anonymen Alkoholikern erzählt, und dass er gegen seine Sucht therapeutische Hilfe in Anspruch genommen habe. Seit einigen Jahren ist er drogenfrei und trocken.
Nach diesem dunklen Kapitel hat sich Brad Pitt wieder gefangen und setzte schauspielerisch zu neuen Höhenflügen an. In Quentin Tarantinos Meisterwerk „Once Upon A Time In Hollywood“ (2019) spielte er die Rolle von Leonardo DiCaprios Stunt-Double mit so viel Charme und Stoizismus, dass er dafür mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde. Einen Oscar als Produzent hatte er schon für den Film „Twelve Years A Slave“ (2013) bekommen. Übrigens war er zuvor schon in einem anderen Tarantino-Film zu sehen gewesen, nämlich in „Inglorious Basterds“, wo er dem SS-Standartenführer Hans Landa (Christoph Waltz) ein Hakenkreuz auf die Stirn ritzte.
„Leute denken, ich sei total abgehoben“
Hat man Brad Pitt beim Interview vor dem Mikrofon, ist man überrascht, wie sehr es ihm anscheinend am Herzen liegt, jeden Druck herauszunehmen und eine locker-entspannte Atmosphäre herzustellen. Mit dem modischen Trilby-Hütchen, der braungetönten Sonnenbrille und dem verschmitzten Lächeln wirkt er überhaupt nicht wie ein millionenschwerer Hollywoodstar. „Die Leute denken oft, ich sei total abgehoben“, lacht er, „oder würde mir auf meinen Erfolg Gott-weiß-was einbilden, aber ich bin absolut auf dem Teppich geblieben. Ich komme aus einfachen Verhältnissen und habe das nie vergessen.“
Eine ganz besondere Freundschaft verbindet Brad Pitt aber vor allem mit einem anderen Hollywood-Charmeur: George Clooney. Clooney war auch einer der wenigen, der bei Brads Streit mit seiner Ex-Frau Angelina öffentlich zu Pitt hielt. Im vergangenen Jahr konnte man dann erleben, wie George Clooney und Brad Pitt sich in der Actionkomödie „Wolfs“ spielerisch die Bälle zuwarfen – und vor allem sich selbst dabei nie wirklich ganz ernst nahmen. Humor und Selbstironie stehen für beide ganz oben auf der Visitenkarte.
Im aktuellen Action-Hammer „F1“ (siehe auch Filmtipp S. 82) spielt Brad Pitt einen abgehalfterten Rennfahrer, der einen kurz vor dem Bankrott stehenden Rennstall noch einmal über die Zielgerade bringt. Und zwar als Champion. „In einem F1-Rennwagen zu fahren, ist etwas aus einer anderen Welt. So ein Gefühl hatte ich noch nie – weder beim Achterbahnfahren noch im Sportflugzeug“, schwärmt Brad Pitt von seiner Rolle. Mit 61 Jahren ist Brad Pitt nun ganz bei sich angekommen. „Ich konzentriere mich jetzt vollständig auf die Schauspielerei und sehe zu, dass auch mein Privatleben nicht zu kurz kommt. Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen – für mich, meine Arbeit und für die, die mir nahestehen. Und das fühlt sich verdammt gut an.“ Fünf weitere Filme hat Brad Pitt bereits in der Pipeline. Darunter wohl auch den allerletzten Film von Quentin Tarantino und vielleicht auch einen Film zusammen mit Tom Cruise. „Aber nur“, scherzt er diesbezüglich, „wenn ich mich nicht an ein Flugzeug hängen muss oder so etwas Ähnliches.“