Die European League of Football sollte das nächste Highlight in der Welt des immer größer werdenden Sports „American Football“ darstellen. Doch nun treten immer häufiger kritische Stimmen hervor, die der ELF unterschiedliche Sachen vorwerfen. Gemündet sind diese gar in einem wahrhaftigen Streit. Was der ELF vorgeworfen wird und wie es zu diesem Streit kam, lesen Sie hier.
Der American Football ist die wohl am rasantesten an Popularität gewinnende Sportart der aktuellen Zeit. Nicht erst seit Kurzem ist es ein echter Zuschauermagnet. Millionen Zuschauer sitzen Woche für Woche vor den Bildschirmen. Und weil der Sport so beliebt ist, kommen auch immer wieder neue Projekte auf. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte European League of Football (ELF). Neben der bekanntesten Liga des American Football, der NFL (National Football League), will die ELF eine eigene Liga gründen. Die Gründer der Liga haben große Namen. Zum einen ist hier der TV-Experte und ehemalige Football-Profi Patrick Esume zu nennen. Mit seinem Kollegen Zeljko Karajica brachte er die neue Liga 2020 an den Start. Mit großen Zielen. „Wir sind überzeugt, dass die Zeit reif ist für eine solche Topliga. Wir bieten den vielen Footballfans damit in der Spielpause der NFL ein hochattraktives Produkt“, so Esume. Die ersten Saisons waren Erfolge. Das sah auch Karajica so: „Wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass das Thema Football in Europa und in Deutschland eine mehr als zehnprozentige Wahrscheinlichkeit hat, um zu funktionieren. Wir haben schon in der ersten Saison gesehen, dass die Zuschauer kamen.“
Nach kurzer Zeit der grosse Knall
Doch dann kam vor kurzer Zeit der große Knall. Acht europäische Teams gründeten eine eigene Allianz. Die sogenannte European Football Alliance (EFA). Die acht Mitglieder setzen sich aus den Teams Frankfurt Galaxy, Rhein Fire, die Madrid Bravos, die Paris Musketeers, die Tirol Raiders, die Vienna Vikings, die Prague Lions und die Wroclaw Panthers zusammen. Die EFA verfolgt dabei ein ganz großes gemeinsames Ziel. Der Sport soll in Europa nachhaltiger, sichtbarer und qualitativ höher werden. In diesem Zusammenhang wird auch kein Halt vor der ELF gemacht. Die Hauptkritikpunkte an der Liga sind vielfältig. Besonders das europäische Footballteam Rhein Fire kritisiert die Liga deutlich. Sogar mit einem kompletten Ausstieg aus der Liga wurde gedroht. „Wir wollen weiter Football spielen, und wir wollen nicht mehr unter diesem Dach spielen. Was sich daraus ergibt, ist eigentlich relativ einfach“, so der Gründungsgesellschafter der Rhein Fire. Im Mittelpunkt der geäußerten Kritik steht vor allem die Transparenz und „dass die ELF teilweise nicht im Interesse der Mannschaften handelt, sondern im eigenen Interesse.“ Zu der Thematik der Allianz stellt Wagner klar: „Das ist erst mal eine Interessengemeinschaft, die aber zum Beispiel auch Berater, eine Marke oder einen Pressesprecher bezahlt. Und ja, theoretisch könnte man da auch eine eigene Liga draus bauen. Für unsere Mitglieder ist sehr klar, dass wir so nicht weitermachen wollen.“ Die ELF ließ die Kritik nicht lange auf sich sitzen und reagierte mit einem Statement auf die kritischen Stimmen: „In nur fünf Jahren haben wir Strukturen geschaffen, die es zuvor nicht einmal im Ansatz so gegeben hat. Die ELF hat internationale Strahlkraft, ein starkes Partnernetzwerk und wird von Football-Fans auf der ganzen Welt verfolgt. Auf der anderen Seite ist die ELF noch immer ein Start-up ,und es läuft zwangsläufig nicht in allen Bereichen perfekt.“ In ihrem Statement verweist die EFL ebenso auf die Eigenverantwortung der verschiedenen Mannschaften: „Die Franchisen sind allerdings eigenständige Unternehmen und für den Aufbau ihrer Strukturen selbst verantwortlich. Die Liga gibt einen Rahmen vor und steht den Teams unterstützend und beratend zur Seite. Das Ziel der ELF bleibt es, gemeinsam mit allen Beteiligten den Football in Europa nachhaltig voranzubringen.“
ELF verweist auf großes Netzwerk
Die EFA hat indes weitere Bedenken im Hinblick auf die ELF. Andere unterschiedliche Teams, welche von der Liga finanzielle Unterstützung bekommen oder gar komplett in ihrem Besitz sind, würden schlechtere Leistungen auf und neben dem Platz erbringen. Darüber hinaus stellt die EFA auch grundsätzliche Fragen. Beispielsweise zur finanziellen Solvenz, nach der Sicherheit der Spieler und zur Professionalität des Spielbetriebs jener Mannschaften. Des Weiteren sieht die EFA auch die Glaubwürdigkeit der Liga in großer Gefahr. Grund dafür sollen die immer mehr werdenden einseitigen Partien sein. Dies könnte laut der Allianz zu langfristigen Schäden mit den Fans, den jeweiligen Medienpartnern und den unterschiedlichen Sponsoren führen. Die Meinung ist glasklar: „Wir sind der Meinung, dass unsere Fans eine Liga verdienen, die ihrer Leidenschaft entspricht, integer arbeitet und stets nach Spitzenleistungen strebt.“ Die kritischen Stimmen werden mehr und mehr. Und sie häufigen sich auch in der Öffentlichkeit. „Warum sollte ich mir Tickets kaufen, wenn ich 60:0 oder 75:0 sehe? Wenn ein Spiel abgesagt wird? Wenn Spieler vor dem Dixi-Klo stehen müssen?“, mahnte der Sportdirektor der Frankfurt Galaxy, Thomas Kösling, an. Eric Reutemann, Geschäftsführer der Frankfurter, geht sogar einen Schritt weiter: „In den letzten Jahren ist die ELF schlichtweg ihren vertraglich-finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Franchises wiederholt nicht nachgekommen. Gleichzeitig fehlt es bis heute an echter wirtschaftlicher Transparenz, insbesondere bei zentralen Einnahmen wie TV- und Sponsoringdeals.“ Wie bereits beschrieben fällt auch hier ein wesentlicher Kritikpunkt immer wieder: die fehlende Transparenz der ELF im Umgang mit ihren Mannschaften.
Rechtliche Konsequenzen?
Die ELF in Person von Zeljko Karajica reagiert öffentlich und wehrt sich gegen die Kritik. Wenig halte er von „einseitigen Pressemitteilungen, welche die Themen zwangsläufig ein Stück weit verkürzen.“ Vor allem der Kritikpunkt, dass die ELF nicht ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Franchises nachkommen würde, kontert Karajica sehr deutlich. Laut ihm sind „dutzende Zahlungsströme zwischen Liga und Franchises“ am Laufen. Des Weiteren sei bei 16 Teams dieser Vorgang „nicht ganz so einfach oder unkompliziert.“ Indes gibt er auch zu denken: „Ich lasse es aber nicht stehen, dass es nicht ausgeglichene Verpflichtungen vonseiten der Liga gebe. Was unser grundsätzliches Geschäftsmodell angeht, kommen wir unseren Verpflichtungen auf jeden Fall nach.“ Zu den angedrohten Ausstiegen der Mannschaften der EFA aus der EFL hat er ebenfalls eine klare Meinung: „Ich kann und möchte dazu nur so viel sagen: Wenn es zwischen zwei Parteien einen laufenden Vertrag gibt, ganz gleich auf welchem Feld, dann gibt es in einem wie von Ihnen beschriebenen Fall immer rechtliche Konsequenzen.“ Der Chef der ELF gibt auf der anderen Seite auch versöhnliche Töne von sich. Er zeigt sich grundsätzlich bereit für den Dialog: „Wir haben so viele Probleme schon miteinander gelöst in den vergangenen Jahren, da sollte der Rest aus meiner Sicht auch möglich sein.“
Der Streit zwischen der ELF und der EFA könnte sich in der Zukunft weiter zuspitzen. Auch die Finanzierung spielt dabei eine Rolle. Für eine Liga, die sich zusätzlich zur Top-Liga der Sportart, der NFL, einen Namen machen möchte, sind dies mit Sicherheit keine angenehmen Themen. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich der Streit weiter entwickeln wird. Kommt es tatsächlich zum geplanten Ausstieg der Top-Mannschaften? Macht Karajica seine Androhung wahr und plant rechtliche Konsequenzen? Patrick Esume hat jedenfalls genug: Wenn du mit einer Situation nicht zufrieden bist, hast du drei Möglichkeiten: Mit ihr zu leben, sie zu ändern oder dich zu trennen“, sagte das deutsche Gesicht des American Football in seiner Videobotschaft. Als Commissioner konnte er die schwierige Lage der European League of Football (ELF) nicht verbessern. „Deshalb habe ich gesagt, du musst dich irgendwann trennen, bevor deine Freunde und Familie darunter leiden.“ Der Konflikt ist damit sicher nicht beigelegt.