Trumps jüngste Drohungen mit Atom-U-Booten prallen an Putin ab
US-Präsident Donald Trump geriert sich gern als Alleinherrscher, dessen Wort Gesetzeskraft hat. Wer ihm nicht in den Kram passt, wird einfach gefeuert. So schickte Trump die Chefin der Statistikbehörde für den Jobmarkt, Erika McEntarfer, in die Wüste, weil sie die zuletzt schlechten Arbeitsmarktdaten angeblich „manipuliert“ hatte. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rang er einen für die Europäer grottenschlechten Zoll-Deal ab. Der Rest der Welt wird ebenfalls mit Abgaben traktiert, die viele Milliarden Dollar in die abgebrannte Staatskasse spülen sollen.
Es gibt jedoch Ausnahmen, an denen Trumps Allmachts-Attitüde abprallt: Moskau gehört dazu. Mit großem Getöse hatte der Republikaner im Präsidentschaftswahlkampf 2024 angekündigt, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine „binnen 24 Stunden“ beilegen zu können. Trump saß der Illusion auf, dass er einen direkten Draht zu Kremlchef Wladimir Putin habe. Im März startete er in Saudi-Arabien eine mit großem Tamtam angekündigte diplomatische Initiative, um Russland und die Ukraine zu einer 30-tägigen Waffenruhe ohne Vorbedingungen zu bringen. Kiew sagte sofort zu. Moskau rückte jedoch von seinen Maximalforderungen nicht ab.
Der ehemalige KGB-Offizier Putin – ein Meister des Tarnens und Täuschens – hat Trump monatelang zum Narren gehalten. In mehreren Telefonaten lobte er die politischen Vorstöße des Amerikaners und gab vor, Frieden zu wollen. Aber kaum hatte der US-Präsident den Hörer aufgelegt, überzog Putin die Ukraine mit einem Drohnen- und Raketenhagel.
Vor rund vier Wochen dämmerte dem Chef des Weißen Hauses, dass er dem Russen auf den Leim gegangen war. „Putin erzählt uns eine Menge Bullshit“, klagte Trump. „Er ist die ganze Zeit sehr nett, aber es stellt sich heraus, dass es bedeutungslos ist.“ Ein spätes Eingeständnis einer fulminanten Fehleinschätzung des angeblich mächtigsten Mannes der Welt. Trump war frustriert und fühlte sich in seinem XXL-Ego gekränkt. Um die Schmach wettzumachen, stellte er Putin eine Serie von Ultimaten: Für den Fall anhaltender Angriffe auf die Ukraine drohte er den Käufern von russischem Öl und Gas mit Zöllen über rund 100 Prozent – eine Warnung vor allem an China, Indien und Brasilien. Die letzte Fristsetzung von „zehn Tagen“ endet am 8. August.
Bei Druck von außen schaltet Putin auf stur. Er reagierte allerdings nicht selbst, sondern überließ seinem Nuklear-Krawallo Dmitri Medwedew die Bühne. Der Ex-Präsident, der in der Vergangenheit immer wieder versuchte, den Ukraine-Unterstützern in London, Paris und Berlin mit möglichen russischen Atomangriffen Angst zu machen, nahm sich dieses Mal Washington vor: „Jedes neue Ultimatum ist eine Bedrohung und ein Schritt Richtung Krieg“, schrieb er. Trump tappte in die Provokationsfalle und kündigte die Entsendung von zwei Atom-U-Booten in Richtung Russland an – „für den Fall, dass diese törichten und hetzerischen Aussagen mehr als nur Worte sind“. Ein extrem dünnhäutiges Verhalten. Und eine stumpfe Drohung dazu. Denn nukleargetriebene amerikanische U-Boote mit Kernwaffen an Bord sind permanent in den Weltmeeren unterwegs.
Hinter Trumps Schritt stecken Hilflosigkeit, Verzweiflung und Ohnmacht. Kremlsprecher Dmitri Peskow hat das sofort erkannt. Trumps Äußerung mit den zwei Atom-U-Booten stelle keine Gefahr dar, betonte er. Es handele sich eher um eine emotionale Reaktion. Nicht auszuschließen, dass der russische Präsident erneut versuchen wird, den Mann aus Washington mit einer Charmeoffensive einzulullen.
Im Gegensatz zu Putin geht Trump strategisches Denken völlig ab. Der Russe durchschaut die Wutreflexe des Amerikaners. Und er weiß, dass Trump aus zwei Gründen die Hände gebunden sind. Wenn russisches Öl infolge von Sanktionen tatsächlich vom Weltmarkt genommen würde, würden die Preise für das „schwarze Gold“ weltweit steigen. Benzin würde teurer, auch in den USA. Den Ärger der Amerikaner möchte Trump in jedem Fall vermeiden. Zweitens hat Putin einkalkuliert, dass sich Trump einen Waffengang gegen Russland nicht leisten kann: Seine Wähler würden ihm dies nicht verzeihen. Für Moskau ist Trump ein Papiertiger. Putin lehnt sich zurück – und weitet die Angriffe auf die Ukraine demonstrativ aus. Das ist zynische Machtpolitik nach Kremlart.