Hollywoodstar Scarlett Johansson hat sich einen Traum erfüllt. Seit sie als Kind Steven Spielbergs „Jurassic Park“-Blockbuster gesehen hat, ist sie großer Fan der Dino-Movies. Jetzt wurde ihr Wunsch endlich Wirklichkeit: In „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ trifft sie höchstpersönlich auf die prähistorischen Fleischfresser.
Scarlett Johansson als toughe Söldnerin auf - Foto: IMAGO / Landmark Media
Sitzt man Scarlett Johansson gegenüber, fühlt man sich ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Denn die 40-jährige Hollywood-Schauspielerin könnte problemlos als Schwester von Marilyn Monroe oder Tochter von Elizabeth Taylor durchgehen: atemberaubende Kurven, kirschroter Schmollmund, türkisblaue Augen. „Ich hätte tatsächlich gut in die 60er-Jahre gepasst“, sagt sie mit einer Stimme wie gegen den Strich gebürsteter Samt. „Auch die Kleider, Frisuren, den ganzen Look aus der Zeit finde ich todschick. Und erst die Musik und die Filme!“, strahlt die Schauspielerin. „Sie bringt endlich wieder Glamour nach Hollywood“, schwärmte Fashion-Mogul Tom Ford, als er sie einmal für das Cover des US-Magazins Vanity Fair fotografierte. Wer möchte ihm da widersprechen?
Was Scarlett Johansson aber von den Film-Diven unterscheidet: Sie hat überhaupt keine Star-Allüren. Sie ist ausgesprochen freundlich und hat sich – trotz ihres Sterns auf dem Hollywood Walk of Fame – ihre entwaffnende Natürlichkeit bewahrt: „Ich schätze es überhaupt nicht, wenn Leute ihren Reichtum zur Schau stellen oder mit ihrem Ruhm protzen, nur weil sie in ein paar Hollywood-Filmen mitgespielt haben. Meine Mutter hätte mich dafür mit vier Wochen Hausarrest bestraft, wenn ich das als Teenager gemacht hätte!“, lacht sie. Und ihr Lachen gibt einem das Gefühl, den Lotto-Jackpot geknackt zu haben.
Als Teenager schon im Rampenlicht
Bei so viel Charme ist es also kein Wunder, dass ihr ganz Hollywood schon sehr bald zu Füßen lag. Ihr Mentor Robert Redford, der sie unbedingt für seinen Kinohit „Der Pferdeflüsterer“ (1998) haben wollte, schwärmte von ihr. Scarlett spielte das zynisch-depressive Mädchen Grace, das nach einem schweren Unfall mit ihrem Pferd durch den von Redford gespielten Pferdeflüsterer zurück ins Leben findet. Eine Performance, die sie schon als Teenager ins Rampenlicht rückte. Zum richtigen Star wurde sie dann als junge Erwachsene mit der Tragikomödie „Lost in Translation“ (2003) von Sofia Coppola. Die Regisseurin schwärmte: „Sie ist magisch, absolut magisch. Vor und hinter der Kamera. Ohne sie wäre der Film nie möglich gewesen.“ Und ihr Co-Star Bill Murray war sehr froh, dass er, wie er meinte, bereits verheiratet war. Auch Woody Allen war von ihrer „erotischen Ausstrahlung“ so angetan, dass er sie gleich für drei Filme holte: „Wenn sie will, ist sie absolut verführerisch und kann jeden Mann um den kleinen Finger wickeln.“ Scarlett Johansson war auch eine der wenigen Stars, die Woody Allen später bei dem vermeintlichen Missbrauchsskandal zur Seite stand. Hollywoodlegende Mel Brooks brachte es gewohnt unkorrekt schließlich auf den Punkt: „Scarlett hat Busen und Köpfchen! Diese Kombination ist einfach unschlagbar!“
„Hören Sie bloß auf“, wehrt sie die Aufzählung der Komplimente ab, „das macht mich ganz verlegen.“ Sie schüttelt den Kopf: „Ich habe mit sieben Jahren zum ersten Mal Theater gespielt und stehe vor der Kamera, seit ich zehn war. Ich habe immer sehr hart dafür gearbeitet, dass man mich nicht als Kinderstar, It-Girl oder gar ‚Sexiest Woman Alive‘ sieht, sondern als ernst zu nehmende Schauspielerin. In den vergangenen 30 Jahren habe ich sehr viel gelernt – vor und abseits der Kamera. Und das nutze ich ganz bewusst. Was ich habe, habe ich!“
Und was Scarlett Johansson – neben großem Talent und Aussehen – hat, ist vor allem ihr eiserner Wille. Ihr älterer Bruder Adrian erinnert sich: „Unsere Mutter nahm uns einmal zum Vorsprechen für einen Werbespot mit. Ich wurde genommen, Scarlett nicht. Sie war damals gerade mal sieben Jahre alt. Für sie brach eine Welt zusammen. Nachdem sie sich einen Nachmittag lang ausgeheult hatte, erwischte ich sie zufällig vor Mutters Schlafzimmerspiegel. Sie schaute sich ganz fest in die Augen und murmelte: ‚Ich will, ich will, ich will …‘ Und wie wir inzwischen alle wissen, hat dieses Mantra sehr gut für sie funktioniert.“
„Meine Mutter legte Wert auf Disziplin“
Scarletts Eltern – der Vater Däne, die Mutter Amerikanerin – ließen sich scheiden, als sie 13 war. Zuerst wohnte sie noch eine Zeitlang beim Vater in New York, dann zog sie zur Mutter nach Los Angeles. Ihre Mutter war es auch, die sie dann regelmäßig zu Castings fuhr und sie, als sie ihre ersten Rollen bekam, als Managerin betreute. Sie war es auch, die ihrer Tochter den Namen Scarlett gab –
als Reminiszenz an Scarlett O’Hara, die Heldin aus dem Südstaaten-Epos „Vom Winde verweht“. „Meine Mutter legte immer sehr viel Wert auf Disziplin. Meine Arbeitsmoral habe ich von ihr. Da ich schon sehr jung mit viel älteren Schauspielern zu tun hatte, war es für meine Mutter sehr wichtig, dass ich immer sehr respektvoll mit den Erwachsenen am Set umging. Und natürlich meinen Text auswendig konnte und wusste, was ich zu tun hatte. Sie ließ mir aber auch immer genügend Freiheiten, damit ich mich auf meine ganz eigene Art weiterentwickeln konnte. Und so zu einer starken, selbstbestimmten Persönlichkeit herangereift bin.“
Mit 14 hatte Scarlett ihren ersten festen Freund. Danach kamen drei längere Beziehungen, darunter mit den Schauspielern Jared Leto, Josh Hartnett und Benicio del Toro. Sie war aber nie – und darauf legt sie großen Wert – bloß ein Date für einen One-Night-Stand. Und obwohl sie glaubt, dass „Frauen und Männer von Natur aus nicht monogam sind“, heiratete sie 2008 den kanadischen Schauspieler Ryan Reynolds. Zwei Jahre später ging diese Ehe wieder in die Brüche. Nach der Scheidung fühlte sie sich „eine Woche lang einsam und depressiv“, beschloss dann aber, nach vorne zu schauen und das Leben wieder zu genießen. Auch ihr Liebesleben, versteht sich. Nach diversen Affären, unter anderem mit dem 24 Jahre älteren Sean Penn, heiratete sie 2014 den französischen Journalisten Romain Dauriac. Mit ihm hat sie eine Tochter, Rose Dorothy, die heute zehn Jahre alt ist. 2017 ließen sich die beiden scheiden. Ein bitterer Sorgerechtsstreit folgte. Seit 2020 ist sie mit dem amerikanischen Schauspieler und Comedy-Autor Colin Jost verheiratet. Die beiden haben einen dreijährigen Sohn namens Cosmo. Diese Ehe scheint glücklich zu verlaufen. Erst kürzlich sagte sie über ihren Ehemann, den sie bei einer Show der TV-Satire-Sendung „Saturday Night Live“ kennenlernte: „Ich bin in einer sehr erfüllenden Beziehung, in der ich aber immer noch genügend Unabhängigkeit habe. Und natürlich brauche ich – wie jeder Mensch – sehr viel Zärtlichkeit, Verständnis und Liebe. Und zwar täglich. Was ich an meinem Mann am meisten schätze, ist wohl … emotionale Intelligenz!“
Den Vorwurf, dass sie um ihr Privatleben gerne ein Geheimnis macht, lässt sie nicht gelten. Und schon gar nicht, dass man sie für verschlossen hält. „Im Gegenteil: Privat bin ich jemand, der sich vielleicht sogar zu viel um andere kümmert. Aber das sind natürlich Menschen, die mein Vertrauen haben. Echte Freundschaften sind enorm wichtig für mich, und meine Familie ist das Kostbarste, das es gibt auf der Welt. Aber ich will schon, dass meine Kinder anonym aufwachsen und nicht etwa von der Boulevardpresse vereinnahmt werden. Und ich bitte um Verständnis dafür, dass ich privat für keine Selfies zur Verfügung stehe. Denn dann bin ich wirklich privat. Meine Fans können am Roten Teppich oder bei Filmpremieren aber immer jede Menge Selfies mit mir bekommen. Allerdings sind die Paparazzi zu einer echten Plage geworden. Wenn ich mir die nicht vom Leib halte, ist an Entspannung oder gar Erholung nicht zu denken. Schließlich muss ich meine Batterien ja irgendwie wieder aufladen. Die Filmerei ist mitunter ganz schön anstrengend.“
Die „Filmerei“, wie sie es nennt, hat Scarlett Johansson in den letzten Jahren zum zweiterfolgreichsten Hollywoodstar (nach Samuel L. Jackson) gemacht. Bis jetzt spielten ihre Filme weltweit 15 Milliarden Dollar ein. Ein Großteil dieser Summe setzt sich aus den Box-Office-Umsätzen ihrer Auftritte als Superheldin Black Widow in Movies wie „Iron Man 2“, dazu insgesamt sechs „Marvel’s The Avengers“-Filme und dem Spin-off „Black Widow“ zusammen. Auch „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ dürfte sich sehr bald in diese Erfolgsgeschichte einreihen.
Apropos „Black Widow“ (2021): Für diese Rolle verhandelte Scarlett Johansson hart und bekam teilweise Gagen von 20 Millionen Dollar pro Film – plus Gewinnbeteiligung. Als der Disney-Konzern dann während der Pandemie beschloss, „Black Widow“ im hauseigenen Streaming-Portal Disney+ zu verklappen, anstatt im Kino zu starten, klagte Scarlett Johansson wegen Vertragsbruch. Es ging ihr dabei weniger um die entgangenen Millionen Dollar, sondern darum, dass ein Großkonzern nicht über die Köpfe der Künstler hinweg das Auswertungsmodell der Filme ändern dürfe. Der Streit wurde dann außergerichtlich beigelegt.
Auch als Regisseurin aktiv
Dass Scarlett Johansson ihren eigenen Kopf hat, wird auch dadurch belegt, dass sie nicht nur in Kinohits mitspielt, sondern sich sehr gerne für kleine, künstlerisch aber umso wertvollere Arthouse-Filme einsetzt. So spielte sie zum Beispiel immer wieder für Mini-Gagen in Filmen ihres Freundes Wes Anderson mit, wie zuletzt in „Der phönizische Meisterstreich“ (2025) oder „Asteroid City“ (2023). Oder auch 2019 in Filmen wie „Marriage Story“ und „Jojo Rabbit“. Auf den Filmfestspielen in Cannes stellte sie dieses Jahr auch ihr lupenreines Arthouse-Regiedebüt „Eleanor the Great“ vor. In diesem Drama erzählt sie die Geschichte einer Frau, die mit 90 Jahren beschließt, einen Neuanfang in New York zu wagen.
Aber natürlich können wir Scarlett Johansson jetzt erst einmal in „Jurassic Word – Die Wiedergeburt“ (siehe auch Filmtipp, S. 82) bestaunen. Sie spielt eine Söldnerin, die sich auf einer geheimen Mission mit ein paar Gefährten zu einer gefährlichen Insel aufmacht, um dort die DNA von drei verschiedenen Saurier-Arten – zu Wasser, zu Land und in der Luft – zu bekommen. Um daraus ein Medikament gegen Herzkrankheiten zu entwickeln. Diverse Dino-Attacken sind vorprogrammiert …
Und wenn Sie noch etwas über unsere Kino-Heldin wissen wollen, das kaum jemand weiß – hier ist es: Scarlett Johansson mag orangene TicTacs und hasst es, wenn ihr ihre langen Haare ins Gesicht fallen. Deshalb hat sie auch immer ein paar Haargummis in der Handtasche, um sich einen Pferdeschwanz zu binden. Außerdem ist sie – so verriet sie es einmal im Interview – „furchtbar romantisch.“