In rund 70 Filmen wurde sie in den 50er- und 60er-Jahren zum internationalen Star. Als Ärztin betrieb sie von 1985 bis 1997 eine Praxis für Innere Medizin und veröffentlichte Gesundheits-Ratgeber. Die 94-jährige Ehrenpräsidentin der Schmerzliga macht heute noch Radio.
Am 19. August vollendet Marianne Koch ihr 94. Lebensjahr und will von Ruhestand noch nichts hören. Regelmäßig moderiert sie wöchentlich das „Notizbuch – Gesundheitsgespräch“ im Bayerischen Rundfunk: „Ich bin beweglich, viel unterwegs und an vielem interessiert“, betonte sie kürzlich gegenüber der Zeitschrift „Emma“. Ihr Alter spüre sie nicht so sehr an ihrem Körper: „Was mich belastet und mir mein Alter vor Augen führt, ist der Verlust von geliebten Menschen.“ So hatte sie privat 2016 den Tod ihres 59-jährigen Sohnes Thomas Freund und 2019 den Tod ihres Lebensgefährten Peter Hamm zu verkraften. Zum Glück bekomme sie aber viel Unterstützung ihrer „prima Familie“.
Als promovierte Internistin liegt ihr das Thema „Gesundheit“ am Herzen, was sich nicht zuletzt auch in ihrer beliebten wöchentlichen Ratgebersendung mit Live-Hörerkontakt ausdrückt. Oder durch ihre in mehrere Sprachen übersetzten Bestseller, die seit 1999 erschienen sind, darunter „Mein Gesundheitsbuch“, „Körperintelligenz“ und „Die Gesundheit unserer Kinder“. Zudem veröffentlichte sie zwei Seniorenratgeber, zuletzt 2024 „Mit Verstand altern“ mit vielen guten Alltagstipps. Da man nicht „Sklave seiner Gene“ sei, so schreibt Koch, könne man ziemlich viel selbst zu einem gesunden Altern beitragen. Die Internistin rät, den neuen Lebensabschnitt mutig anzugehen. Außerdem: „Viel Bewegung, auf einen normalen Blutdruck achten, gesund ernähren, kein stärkeres Übergewicht“. Wichtig seien aber auch die sozialen Kontakte, der Spaß an neuen Dingen und eine positive Grundeinstellung zum Älterwerden.
Lebenslanges Lernen
Als gute Beispiele dafür nennt sie ihren gleichaltrigen Filmpartner Clint Eastwood, der immer noch Regie führt, oder den Regisseur Sergio Leone: „Ein Typ voller Lebenslust, Liebe zu den Leuten, zu seiner Familie, zur Architektur und zu gutem Essen.“ Trotz solcher interessanten Begegnungen beim Film habe sie damals schon gewusst, dass sie zur Medizin zurückkehren würde. Das habe sie unabhängiger und weniger „erpressbar“ gemacht. „Meine ganze Filmzeit ist für mich nur noch eine vage Erinnerung“, sagte sie im Mai dieses Jahres dem „Münchner Merkur“. Den einzigen ihrer Filme, den sie sich in den vergangenen Jahren noch mal angeschaut habe, sei „Eine Handvoll Dollar“, aber auch nur wegen ihrer Mitwirkung an einem Porträt über Clint Eastwood.
Durch ihre Rundfunksendung, für die sie 2023 das Bundesverdienstkreuz erhielt, und ihre Ratgeberbücher muss Koch ihr Fachwissen immer auf dem neuesten Stand halten, „da sich in der Medizin immer so viel tut“. Sie hält „lebenslanges Lernen“ ohnehin für ungemein wichtig, um die Bildung neuer Gehirnzellen zu fördern: „Unsere Gehirnzellen lassen sich trainieren, fast so wie Muskeln“, betont sie beim Podcast „Gin&Talk“.
Fokus auf das Positive
Koch selbst hat auch mit 94 noch jede Menge Lust am Leben. Alles, was nun noch für sie komme, sei willkommene „Zugabe“. Auf ein mögliches Lebensende blickt sie recht entspannt: „Mein Traum ist, dass mein Ende so sein wird, wie ich es schon als 25-Jährige beschrieben habe. Die Frage, wie ich sterben will, habe ich mit ‚gesund und gelassen‘ beantwortet.“ Das bedeute, dass man zwar schwächer wird, aber dennoch gesund bleibt: „Das ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber immerhin ein guter Plan“, beschreibt sie ihr Rezept bei „Zeitlupe 24“. Rückblickend verrät Koch, dass auch ihr erfolgreiches Leben nicht immer nur positiv verlaufen sei: „Ich hatte zwar viele Hochs, aber auch einige Tiefs, ziemliche Tiefs. Es hilft, sich bewusst zu machen, wie positiv unser Leben eigentlich ist, und die guten Dinge stärker hervorzuheben.“
Um sich fit zu halten, unternimmt Koch regelmäßig Spaziergänge, ist täglich mit ihrem Hund Paco draußen. Nachdem vor drei Jahren ihre Hündin Bessie gestorben war, wollte die schauspielende Ärztin eigentlich kein neues Tier mehr anschaffen, hat sich auf Anraten der Familie aber dann doch für Paco als neuen „Lebensgefährten“ entschieden und möchte ihn nicht mehr missen.
Für ihr vielseitiges Wirken bekam Koch kürzlich an der Ludwig-Maximilian-Universität München die renommierte „Heinz-Goerke-Medaille“ verliehen. In der Laudatio hieß es, sie habe sich auch nach ihrer aktiven Zeit als Buchautorin und Radio-Moderatorin dafür engagiert, den Menschen medizinische Zusammenhänge verständlich zu erklären. Ehrenamtlich engagierte Koch sich von 1997 bis 2011 als Präsidentin der Deutschen Schmerzliga und ist seitdem deren Ehrenpräsidentin. Seit 1995 fungiert sie als Schirmherrin der Deutschen Hochdruckliga und ist seit 2020 Kuratorin der Stiftung Allgemeinmedizin. Natürlich macht sich die renommierte Medizinjournalistin aktuell auch Sorgen wegen der weltweiten Krisen, zeigt sich in einem Blog der Münchner Stadtbibliothek vor ein paar Monaten aber dennoch optimistisch und voller Hoffnung, „dass unsere Kinder und Enkel wieder eine Zeit des Friedens erleben können“.