Seit gut anderthalb Jahren ist der frühere Badminton-Profi Michael Fuchs Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland-Pfalz/Saarland. Erste Projekte hat er bereits auf den Weg gebracht, weitere sollen folgen.
Bei den Olympischen Spielen 2012 in London wurde er im Mixed Fünfter, darüber hinaus sammelte er als Doppel- und Mixedspieler zahlreiche weitere internationale und nationale Erfolge: Die Rede ist vom früheren Badminton-Ass Michael Fuchs. Der 43-Jährige kehrte nach einigen Jahren im Ausland an seine alte Wirkungsstätte zurück und ist seit gut einem Jahr der Leiter des Olympiastützpunktes (OSP) Rheinland-Pfalz/Saarland. Er folgte auf den Ende Januar 2024 in den Ruhestand eingetretenen Steffen Oberst.
„Saarbrücken war so lange Zeit meine sportliche Heimat – im Prinzip habe ich meine gesamte Profikarriere dort verbracht. Für mich war das eine Herzensangelegenheit“, sagt Fuchs. Sein Ziel ist klar: möglichst viele Athletinnen und Athleten auf ihrem Weg zu Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften und anderen internationalen Wettkämpfen bestmöglich zu unterstützen und mit ihnen Erfolge zu feiern. Derzeit sind insgesamt etwa 210 Athletinnen und Athleten unterschiedlicher Spitzensport-Kader dem OSP Rheinland-Pfalz/Saarland zugeordnet.
Den OSP sieht Michael Fuchs in erster Linie als Dienstleister für die in Rheinland-Pfalz und im Saarland ansässigen Bundeskaderathletinnen und -athleten, Bundestrainerinnen und -trainer sowie die Spitzenverbände. In Kooperation mit dem Landessportbund Rheinland-Pfalz und dem Landessportverband für das Saarland (LSVS) will er zusammen mit seinen insgesamt 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Topathletinnen und -athleten „unter den gegebenen Rahmenbedingungen das bestmögliche Umfeld schaffen, damit sie Topleistungen bringen können“, fasst er zusammen. „Dafür bieten wir mit unserem Team aus Festangestellten und Honorarkräften unter anderem duale Karriereberatung, Physiotherapie, Ernährungsberatung, sportpsychologische Betreuung sowie Unterstützung in den Bereichen Athletiktraining, Trainingswissenschaften, Leistungsdiagnostik und Biomechanik an.“
Beruflich zunächst in der Schweiz
20 Jahre lang war Michael Fuchs selbst als Badmintonspieler in der ganzen Welt unterwegs, 19 Jahre davon – und bis 2022 – auch als Bundesligaspieler für den 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim. Insgesamt zehnmal wurde der gebürtige Würzburger und 95-malige Nationalspieler mit dem BCB Deutscher Mannschaftsmeister. 2016 mischte Fuchs noch bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit – danach beendete er seine internationale Karriere. Sein beruflicher Weg führte den diplomierten Sportwissenschaftler zunächst in die Schweiz. Dort arbeitete er als Sportdirektor und Jugend-Nationaltrainer bei Swiss Badminton – insgesamt vier Jahre lang. Vom 1. Januar 2021 bis zum Amtsantritt beim OSP war Fuchs als Bundestrainer Nachwuchs beim Deutschen Badminton-Verband (DBV) tätig. Bis zu seiner „endgültigen“ Rückkehr ins Saarland lebte Michael Fuchs mit seiner Familie in den Niederlanden, pendelte bis 2022 als Mitglied des Bundesligateams des 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim aber noch regelmäßig ins Saarland – und war somit aus seiner Wahlheimat nie ganz verschwunden.
Nun ist er in Gänze zurück – und „fuchst“ sich seit über einem Jahr in seine Rolle als OSP-Leiter ein. „Was das Saarland betrifft, da kannte ich mich tatsächlich noch ganz gut aus“, berichtet Fuchs von seinem ersten Jahr an der Spitze des Stützpunktes. Geprägt war dies unter anderem vom Kennenlernen des Standortes in Rheinland-Pfalz. Oder besser: der Standorte. Denn in Rheinland-Pfalz gibt es derzeit insgesamt sechs Bundesstützpunkte: Radfahren in Kaiserslautern, Rudern in Mainz (zusammen mit Frankfurt/Hessen), Trampolinturnen und Kanuslalom in Bad Kreuznach, Leichtathletik beziehungsweise Stabhochsprung in Zweibrücken und seit Anfang dieses Jahres auch noch einen Bundesstützpunkt Nachwuchs im Klettern in Kaiserslautern. „Außerdem betreuen wir dann in Mainz noch eine relativ große Gruppe von Bundeskaderathletinnen und -athleten aus der Leichtathletik“, ergänzt Fuchs. „Ich musste in Rheinland-Pfalz erst einmal die handelnden Personen und die Infrastruktur kennenlernen. Dieser Prozess braucht seine Zeit und ist auch noch nicht ganz abgeschlossen“, so der ehemalige Badminton-Profi, der als Leiter eines Stützpunkts mit zwei Bundesländern natürlich auch Kontakt zu beiden Landesregierungen hat. „Auch da musste ich erst mal einen Draht zu den Verantwortlichen aufbauen“, sagt Michael Fuchs und ist „bisher zufrieden. Ich habe schon viele Gespräche führen und dabei aus meiner Sicht ein bisschen Werbung für unsere Dienstleistungen und den Olympiastützpunkt Rheinland-Pfalz/Saarland an sich machen können“.
Finanzen als zentrales Thema
Eine dieser Dienstleistungen ist die sportmedizinische Betreuung der Bundeskaderathletinnen und -athleten. Gerade sind Fuchs und sein Team dabei, das medizinische Netzwerk des OSP auszubauen und zu erweitern. Die sportmedizinische Versorgung am Sportcampus Saar in Saarbrücken ist dank der Kooperation des Olympiastützpunktes mit dem sportmedizinischen Institut der Universität des Saarlandes unter der Leitung von Prof. Dr. Tim Meyer bereits vorbildlich. Um die Behandlungsmöglichkeiten noch zu erweitern, wurde darüber hinaus kürzlich mit den Knappschaftskliniken in Püttlingen und Sulzbach eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Auch im Raum Mainz versuchen Fuchs und Co. gerade, ein medizinisches Netzwerk aufzubauen. „In Saarbrücken haben wir eine absolute Luxussituation: Wir haben hier alle Athleten auf einem Campus beisammen. Für die Standorte in Rheinland-Pfalz haben wir so etwas eben nicht“, berichtet Fuchs und ergänzt: „Deshalb haben wir in Zusammenarbeit mit dem sportmedizinischen Institut der Universität des Saarlandes eine regelmäßige sportmedizinische Sprechstunde am Bundesstützpunkt Leichtathletik in Zweibrücken ins Leben gerufen.“ Ein solches Angebot soll es künftig auch für den Bundesstützpunkt Radsport in Kaiserslautern geben.
Über allem schwebt häufig das Thema der Finanzierung. Und auch dieses System musste und muss Michael Fuchs kennenlernen: „Wir haben zwar Einnahmen durch Sponsoren, Spenden und Landesmittel, aber zum größten Teil sind wir durch Bundesmittel finanziert“, erklärt der 43-Jährige und merkt an: „Das ist ein recht komplexes Konstrukt, und wir müssen uns immer wieder mit den Besonderheiten des Zuwendungsrechts oder der Projektförderung auseinandersetzen.“ Der Deutsche Olympische Sportbund bewertet in den verschiedensten Bereichen den sportfachlichen Bedarf, das Bundesinnenministerium spricht die Gelder zu, und das Bundesverwaltungsamt wickelt die Zahlungen ab. Diese Konstellation ist mit diversen Fallstricken und einem gewissen bürokratischen Aufwand verbunden, der insbesondere bei kurzfristigen Änderungen eine schnelle Reaktion erschwert. Von daher wird sich Michael Fuchs also noch eine Weile weiter und immer wieder neu in seine Rolle „reinfuchsen“ müssen.