Das waren noch Zeiten, als wir heftig darüber stritten, dass junge Menschen während der Unterrichtszeit kurzerhand mal lieber für ihre Zukunft demonstrierten. Der Streit hat sich schnell gelegt, der große Zulauf auch. Viele Aktivistinnen und Aktivisten von damals haben heute andere Sorgen.
Und die große Politik offenbar auch. Grenzen schließen, über Richterinnen streiten, Bürgergeld kürzen. Es gibt halt anderes zu tun.
Alles hält sich länger in den Schlagzeilen als etwa das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs, das eine „saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt“ zum Menschenrecht erklärt und sagt: Klimawandel ist eine „universelle und ernstzunehmende Bedrohung“, woraus sich eine völkerrechtliche Verpflichtung zum Handeln ergibt.
Nun brauchte das Saarland kein höchstrichterliches Gutachten, um sich an ein Klimaschutzkonzept zu machen. Es ließe sich trefflich diskutieren, warum erst jetzt und warum in einer Ausführung, die erwarten lässt, dass selbst das erste Zwischenziel (Reduktion der Emissionen um 65 Prozent bis 2030) kaum erreicht werden kann. 60 Prozent sind realistisch (s. auch S. 44).
Ein Konzept, das offenbar die Erfahrungen aus früheren Diskussionen, Stichwort „Heizhammer“, mit einpreist. Viele Maßnahmen über viele Handlungsfelder, so gestrickt, dass sie zwar Anstrengungen erfordern, aber Überforderungen möglichst vermeiden. Für so was ist wohl der Begriff „Realpolitik“ erfunden worden.
Ein Stück weit „Realpolitik“ auch in den Reaktionen: Viel Pflichtkritik mit Punkten, die sich bei so gut wie allen Themen vorbringen lassen: zu kleinteilig, zu wenig Förderprogramme, zu wenig Beteiligung. Dass die Pläne überambitioniert seien, davon war keine Rede.
Was umgekehrt heißt: Es ist das Mindeste, was jetzt alle zusammen hinkriegen müssen.
Spannend wird es im Herbst. Dann will der „Bürgerrat Klimaschutz“ sein „Bürgergutachten“ vorlegen. Mich würde nicht wundern, wenn diese repräsentativ ausgewählten „Normal“-Bürgerinnen und -Bürger die Dinge in Sachen Klimaschutz noch viel konsequenter vorantreiben wollten. Die „Fridays“ haben nämlich im Bewusstsein mehr bewirkt, als so mancher aus Politik, Verbänden und Institutionen wahrhaben will.