Besonders bei Urlauben ins Ausland oder in abgelegene Regionen empfiehlt es sich, eine gut ausgestattete Kinderreiseapotheke griffbereit zu haben. Denn eine plötzliche Erkrankung oder ein kleiner Unfall unterwegs können zur Belastung werden, wenn geeignete Mittel fehlen.
Der Inhalt der Kinderreiseapotheke sollte sorgfältig auf das Reiseziel, die Dauer des Aufenthalts und das Alter des Kindes abgestimmt sein. Während in europäischen Ländern medizinische Versorgung meist schnell verfügbar ist, kann es in anderen Regionen der Welt schwieriger werden, passende Medikamente oder Hilfsmittel zu finden. Auch die Sprachbarriere erschwert im Ernstfall die Kommunikation. Deshalb lohnt sich eine vorausschauende Vorbereitung.
Fiebersenkende und schmerzlindernde Mittel gehören immer dazu
Zunächst gehören fiebersenkende und schmerzlindernde Mittel in jede ReiseÂapotheke. FĂĽr Kinder eignen sich Paracetamol oder Ibuprofen, je nach Alter als Saft, Kautablette oder Zäpfchen. Diese helfen nicht nur bei Fieber, sondern auch bei Kopfschmerzen, Zahnschmerzen oder Ohrenschmerzen. Besonders bei Flugreisen kann unangenehmer Ohrendruck auftreten, gegen den Ibuprofen helfen kann. Klassische FieberÂsenker verschreibt der Kinderarzt. Sie sind auch rezeptfrei in der Apotheke zu bekommen, dann allerdings zum Selbstkostenpreis. Ebenso empfehlenswert sind Medikamente gegen Durchfall und Erbrechen. Kinder reagieren auf fremde Speisen oder verunreinigtes Wasser häufig empfindlich. Elektrolytlösungen sind hier besonders wichtig, um den FlĂĽssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Fertige Lösungen in Pulverform oder als Trinkpäckchen lassen sich leicht mit Wasser anmischen. FĂĽr Babys und Kleinkinder empfiehlt sich auch die Mitnahme eines kleinen Messbechers oder einer Dosierspritze zur exakten Einnahme.
Zur Erstversorgung bei kleineren Verletzungen gehören Pflaster in verschiedenen Größen, sterile Kompressen, Mullbinden, Desinfektionsmittel und Wundsalbe. Auch eine kleine Schere und Pinzette sollten nicht fehlen. Für Reisen in warme Regionen bieten sich zudem kühlende Gels oder Sprays an, um Insektenstiche oder Sonnenbrand zu behandeln. Produkte mit Dexpanthenol oder Aloe Vera helfen, gereizte Haut zu beruhigen. Ein Insektenschutzmittel mit kindgerechter Zusammensetzung gehört speziell bei Reisen in warme Gebiete ebenso zur Grundausstattung. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin empfiehlt für Kinder ab zwei Jahren Mittel mit DEET in niedriger Konzentration. Alternativ sind Präparate mit Icaridin geeignet, die gut verträglich sind und einen wirksamen Schutz vor Mückenstichen bieten. Zusätzlich sind Moskitonetze und helle, langärmelige Kleidung eine sinnvolle Ergänzung.
Auch Sonnenschutz ist bei Kindern besonders wichtig. Das Sonnenschutzmittel sollte einen hohen Lichtschutzfaktor haben, idealerweise ab 30 aufwärts. Mineralische Filter, die auf der Haut bleiben und nicht in den Körper eindringen, sind vor allem bei empfindlicher Kinderhaut sinnvoll. Entsprechende Produkte sind im Handel inzwischen in großer Vielzahl zu finden. Bei Kindern mit sehr empfindlicher Haut sollten diese am besten einige Tage vor dem Urlaub ausprobiert werden, um Unverträglichkeiten zu erkennen und gegebenenfalls die Creme oder Lotion zu wechseln. Sonnenhüte, UV-Schutzkleidung und eine Sonnenbrille mit geprüfter Qualität sorgen für zusätzlichen Schutz.
Für den Fall einer allergischen Reaktion oder bei Heuschnupfen sind Antihistaminika in kindgerechter Form ratsam mitzuführen. Diese gibt es als Tropfen, Saft oder Tabletten. Bei bekannten Allergien gegen Insektenstiche oder bestimmte Nahrungsmittel ist es wichtig, ein Notfallset mitzuführen. Dazu gehören ein Adrenalin-Autoinjektor, ein Antihistaminikum und ein Kortisonpräparat, jeweils auf das Körpergewicht des Kindes abgestimmt. Der Kinderarzt kann im Vorfeld beraten, welche Medikamente notwendig sind und wie sie angewendet werden.
Bei Reisen mit Säuglingen sind zusätzliche Aspekte zu beachten. Neben Fieberthermometer, Nasensauger und Wundschutzcreme kann ein Fläschchen-Sterilisator in Reisegröße sinnvoll sein. Auch eine kleine Packung mit Baby-Nahrung oder Pre-Milch sollte im Handgepäck griffbereit liegen, falls es zu Verzögerungen kommt. Für die Hautpflege unterwegs empfiehlt sich eine parfümfreie, feuchtigkeitsspendende Lotion, um Windelbereich oder Gesicht schonend zu pflegen.
Reiseübelkeit betrifft nicht nur Erwachsene. Kinder sind oft besonders anfällig für Übelkeit beim Autofahren, im Flugzeug oder auf dem Schiff. Hier helfen Medikamente auf Basis von Dimenhydrinat, die in Form von Zäpfchen oder Kaugummis erhältlich sind. Diese sollten jedoch nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt eingesetzt werden. Auch Ingwerpräparate in kindgerechter Dosis können helfen, Symptome zu lindern.
Nicht fehlen dürfen in der Kinderreiseapotheke auch individuelle Medikamente. Wer ein Kind mit chronischer Erkrankung hat, muss an ausreichend Vorrat für die gesamte Reisedauer denken. Dazu gehören auch Ersatzmedikamente im Handgepäck für den Fall, dass das Gepäck verloren geht. Eine Liste mit den internationalen Wirkstoffnamen hilft im Notfall, Ersatz zu beschaffen. Auch eine ärztliche Bescheinigung auf Englisch oder in der Landessprache des Reiseziels kann bei der Mitnahme verschreibungspflichtiger Mittel hilfreich sein.
Damit alle Medikamente wirken, spielt die richtige Lagerung eine Rolle. Hitze und direkte Sonneneinstrahlung können Wirkstoffe zerstören. Eine kleine Kühltasche mit Kühlelementen hilft, empfindliche Präparate zu schützen. Die Aufbewahrung sollte stets außerhalb der Reichweite von Kindern erfolgen. Eine kindergesicherte Reiseapotheke in einer stabilen Box mit übersichtlicher Beschriftung erleichtert den Zugriff im Notfall.
Neben den physischen Medikamenten ist auch ein Überblick über die wichtigsten Notfallnummern hilfreich. Dazu gehören die Nummern des örtlichen Kinderarztes, des nächsten Krankenhauses, die europaweite Notrufnummer 112 sowie Kontaktdaten der Auslandskrankenversicherung. Im Zweifelsfall beraten Kinderarzt und Apotheker zur individuellen Zusammenstellung der passenden Medikamente. So beginnt der Urlaub mit einem sicheren Gefühl für Kinder und Eltern gleichermaßen.