Das Ideal der glücklichen Mutter hält sich hartnäckig. Doch was passiert, wenn eine Frau zwar ihre Kinder liebt, aber das Muttersein selbst zutiefst bereut? Wiebke Schenter spricht auf ihrem Instagram-Account Piepmadame über ihre Erfahrung mit dem „Regretting Motherhood“-Syndrom.
Liebe Wiebke, das Zitat „Ich liebe meine Kinder, aber ich bereue die Mutterschaft“ stammt von Dir. Was meinst Du damit?
Ich liebe dieses Zitat, denn ja, ich bereue die Mutterschaft – und liebe meine Kinder trotzdem, sogar sehr. Es hält sich einfach sehr hartnäckig das Gerücht der glücklichen, aufopferungsvollen Mutter. Und da darf man keine Reue zeigen und auch nichts Negatives sagen, weil einem dann viel Gegenwind entgegenweht.
Wann war denn der Moment, in dem Du zum ersten Mal bewusst gemerkt hast: Ich bereue es, Mutter geworden zu sein?
Einen richtigen, ausschlaggebenden Moment hat es natürlich nicht gegeben. Es war ein Prozess über Jahre hinweg. Ich bin schon lange Mutter – vielleicht sind die besten Jahre meines Lebens dafür draufgegangen.
Meine Tochter wurde Ende 2014 geboren – ein absolutes Wunschkind. Und im Sommer 2015, da war sie ungefähr ein halbes Jahr alt, kam diese Studie von Orna Donath heraus, die über „Regretting Motherhood“ zum ersten Mal berichtet hat.
Ich war zu diesem Zeitpunkt selbst sehr gefangen in meiner Bubble: Ich habe mein Kind bekommen – also muss ich jetzt glücklich sein. Ich hatte doch mein eigenes Lebensglück geboren! Das ist doch das, was ich immer wollte. Also habe ich mich innerlich sehr von dieser Thematik distanziert.
Jetzt, in der Retrospektive, kann ich sagen: Es gab diese Momente, die darauf hingedeutet haben, dass vielleicht doch nicht alles so superrosig war – von Anfang an. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern: Meine Tochter war erst ein paar Wochen alt, und ich stand einfach im Bad, in unserer alten Wohnung, vor dem Spiegel und schaute mich an – mit den Schwangerschaftskilos, der herausgewachsenen Blondierung, der blassen Haut, dieser Übermüdung. Und da schoss mir der Gedanke ein: „Die geht nie wieder weg.“
Und irgendwie war das kein euphorisches Gefühl, wie erwartet, sondern eher so ein: „Wow. Scheiße. Was hast du dir da angetan?“
Du hast also schon sehr früh gemerkt, dass sich etwas in Dir sperrt – hast es aber lange verdrängt?
Genau. Damals, ohne Social Media, ohne Aufklärung zu dieser Thematik, habe ich mich dagegen gewehrt. Ich wollte dieses Gefühl nicht haben. Durch dieses negative Gefühl habe ich mich umso mehr ins Muttersein reingestürzt, um das zu überkompensieren. Ich war eine aufopfernde Mutter. Ich bin sehr oft über meine eigenen Bedürfnisse und Grenzen gegangen.
Fünf Jahre später habe ich ein zweites Kind bekommen. Ich konnte oder wollte immer noch nicht sehen, wie es mir mit der Mutterschaft wirklich ging.
Heute mache ich bewusst vieles ganz anders. Aber damals wusste ich überhaupt nicht, wie ich damit umgehen sollte. Das erste Mal Mama – und dann solche Gefühle zu haben und mit niemandem darüber sprechen zu können (oder zumindest das Gefühl zu haben, mit niemandem darüber sprechen zu können), war grausam.
Aber die Jahre gingen ins Land. Mein erstes Kind wurde größer, ich ging wieder arbeiten. Es wurde leichter – einfach, weil größere Kinder weniger fordern und ich durch das Arbeiten wieder mehr Freiraum hatte.
Ich habe es geliebt, ins Büro zu gehen und einfach nur ich zu sein. Erwachsene Themen, Mittagspause, alleine auf Toilette gehen zu können …
Ich hatte dann sogar ein schlechtes Gewissen, dass ich mich darüber so gefreut habe – und dass ich meine Kinder nicht vermisst habe. Wahrscheinlich war auch das schon ein Anzeichen.
Hast Du Dein Empfinden zur Mutterschaft irgendwann mit jemandem geteilt?
Es hat schon lange gedauert. Ich habe damals nebenbei mit Instagram angefangen und bin relativ schnell erfolgreich geworden. Und habe langsam angefangen, darüber zu schreiben – zuerst über diese Ambivalenzen, die man als Mutter kennt. Und auch, dass ich der Meinung war, dass Mutterschaft einen unausweichlichen Glücksweg für jede Frau darstellt. Dass das unser Lebenssinn zu sein scheint – denn was könnte sonst der Lebenssinn von Frauen sein? Ich finde mich im Nachhinein ziemlich naiv.
Aber es gab damals eben Instagram in dem Maße zur Aufklärung noch nicht. Nur schöne Accounts, auf denen die Mütter gebacken haben und Mutterschaft als das große Glück schlechthin dargestellt wurde. Heute hat man ehrlichere Accounts – wie zum Beispiel meinen.
Dann habe ich mein zweites Kind bekommen – mit über fünf Jahren Abstand zur Großen. Schon mit dem Bewusstsein: Sie ist so weit, dass sie mal länger im Kindergarten bleiben kann, dass sie mal bei Oma bleibt, dass mein Netzwerk gut aufgebaut ist. Ich dachte, ich kriege das dann schon irgendwie hin mit dem zweiten Kind.
Aber dann kam Corona – und das ganze Netzwerk ist zusammengebrochen. Niemand hatte mehr irgendjemanden.
Das war die Zeit, in der ich begonnen habe, zu meinen Gefühlen zu stehen. Das war für mich das erste Mal, dass ich gesagt habe: „Es ist so furchtbar für mich.“
Vorher war es dieses gefühlte innere Gefängnis der Mutterschaft, aus dem ich nicht herausgekommen bin. Ich habe versucht, erst durch Überkompensation, dann durch das Schaffen eigener Freiräume irgendwie damit umzugehen. Aber was willst du machen? Das Kind ist ja da.
Und dann kam, wie gesagt, Corona – und hat eine Lupe auf meine Situation gehalten. Ich habe zu meinem inneren Gefängnis tatsächlich auch ein äußeres bekommen. Wir waren ja wirklich alle in unseren Wohnungen eingesperrt. Mein Mann hat zum Glück weiterarbeiten dürfen – und das auch viel. Ich saß da mit meinem Neugeborenen und meiner Tochter, nur im Wohnzimmer, weil mein Mann im Kinderzimmer gearbeitet hat.
Und ich habe gedacht: „Ich will das alles hier nicht.“ Dieses Gefühl war so stark und überwältigend. Auf Instagram habe ich nur noch Kinderlose gesehen, die Netflix geguckt und Pizza gegessen haben. Ich war so neidisch und dachte mir nur: „Wie lange muss ich das noch aushalten?“
Das war ganz, ganz schlimm.
Wie konntest Du den Konflikt lösen zwischen: Ich liebe meine Kinder, aber ich hasse das Muttersein?
Das schaffe ich bis heute nicht immer – je nachdem, wie gut ich gerade aufgestellt bin. Teilweise falle ich selbst immer wieder in diesen Konflikt zurück. Vor allem, wenn sehr viel Kritik von außen kommt – oder sogar Hate. Dann denke ich mir: Oh mein Gott, was sage ich hier überhaupt?
Es ist natürlich nicht leicht. Ich bin jetzt eine der Pionierinnen, die darüber offen sprechen. Und es hat auch viel Positives gehabt, das tatsächlich öffentlich zu sagen – abgesehen vom Hass und der Kritik. Es gibt ganz viele Frauen da draußen, die gesagt haben: „Hey, so fühle ich auch.“
Und damit habe ich mich selbst auch nicht mehr wie eine Außerirdische gefühlt.
Es dominiert die Erkenntnis: „Wow. Dieses Gefühl gibt es in uns Frauen – und gar nicht in so wenigen. Es spricht nur niemand darüber.“ Es gab also nicht nur Hass. Es gibt auch Frauen, die sich durch mich verstanden fühlen.
Dich hat Deine Social-Media-Arbeit also aufgefangen?
Ja, absolut. Meine große, eng zusammenhaltende Community. Ganz viele Frauen, die wirklich dankbar sind, dass ich darüber berichte und diesen Konflikt versuche aufzudröseln – für sie, für mich, für uns alle.
Das dann gleichzeitig nach außen zu tragen, um die Leute aufzuklären – das ist mir auch wichtig. Und dabei sage ich immer ganz klar: Das hat überhaupt nichts mit den Menschen zu tun, die hier leben.
Das ist einfach Blödsinn. Ich könnte diese Kinder auch lieben, wenn mein Mann sie mitgebracht hätte, zum Beispiel. Aber dann wäre ich nicht die Mutter. Dann wäre ich nicht diese letzte Instanz.
Im Zweifel immer die zu sein, die am Ende da sein muss – das bist du nur, wenn du Mutter bist. Du hast diese krasse Verantwortung, diese krasse Erwartung der Gesellschaft. Die hast du als Vater übrigens nicht in dem Maße.
Hattest Du irgendwann mal Angst, dass Deine Offenheit, dieses Thema anzusprechen, Deinen Kindern oder Deiner Familie schaden könnte?
Ja, klar. Ich bin Mutter – und ich liebe meine Kinder sehr. Das Allerwichtigste ist doch, dass wir Schaden von diesen Kindern fernhalten wollen, egal wie der aussieht. Und dass eventuell ich selbst der Auslöser sein könnte mit meinen Gefühlen, ist natürlich eine ganz essenzielle Thematik bei dem Ganzen. Und auch das ist nicht immer leicht auszuhalten.
Ich versuche, dass meine Kinder ganz natürlich damit aufwachsen, sodass es dann nicht so ein Schock ist.
Wir sind bis heute ja alle mit diesem Muttermythos aufgewachsen. Wenn du jetzt 35, 40 oder 50 Jahre alt bist und auf einmal kommt so eine Wiebke daher, die sagt: „Ich hasse es, Mutter zu sein“, und du bist bisher davon ausgegangen, dass Frauen es lieben, Mutter zu sein – was macht das mit dir? Natürlich bist du dann geschockt.
Wenn aber meine Kinder damit groß werden, dass ich sie natürlich vergöttere und gleichzeitig aber einfach manchmal keinen Bock habe, schon wieder ein Brot zu schmieren oder mitten in der Nacht aufzustehen – oder was man halt so tun muss als Mama – dann glaube ich, dass das eine Tatsache ist, die sie verstehen können.
Deine Kinder sind jetzt fünf und zehn. Bringst Du ihnen Deine Einstellung dazu näher? Oder wartest Du, bis sie „alt genug“ sind?
Das ist eine schwierige Frage. Wann sind Kinder denn „alt genug“? Es muss ja nicht nur altersgerecht, sondern auch immer kindgerecht sein. Aber mit der Großen rede ich darüber schon sehr viel – und offen, schon seit ein paar Jahren. Das geht eigentlich recht gut, weil ich ihr das gut erklären kann.
Wenn sie zum Beispiel eine Freundin zu Besuch hat und der Kleine ist ein lästiger kleiner Bruder und klopft die ganze Zeit an die Zimmertür und stört, während die Mädchen eigentlich schon im Kicheralter sind und ihre Ruhe wollen – dann bin ich die Mutter. Ich nehme ihn weg, tröste ihn, begleite ihn und erkläre ihm, dass er da jetzt nicht rein kann.
Ich muss mir dann irgendeinen anderen Plan überlegen, damit er mit mir spielt und nicht mit ihnen – damit er sie in Ruhe lässt.
Genauso sage ich dann zu ihr: „Siehst du? Und manchmal brauche ich das auch – einfach mal bei einer Freundin sein, ohne euch.“
Ich meine, du liebst ja deinen kleinen Bruder trotzdem, auch wenn er dich ganz schön nerven kann. Und da bin ich mir ziemlich sicher: Kinder können das verstehen.
Was ist denn das Schwierigste an der Mutterschaft für Dich persönlich? Diese emotionale Überforderung manchmal – oder der gesellschaftliche Druck, dass man irgendeinem Bild entsprechen muss, das man selbst gar nicht fühlt?
Alles. Ganz abgesehen davon, dass dieses Gefühl der Reue in jeder Frau anders aussehen kann. Das sieht man auch gut, wenn man die Studie von Orna Donath kennt (siehe Infokaste; Anm. d. Red.). Jede Frau zählt andere Kriterien auf, warum sie dieses Gefühl empfindet. Ich persönlich finde, es sind zwei Sachen.
Einmal die gesellschaftliche Verantwortung, das gesellschaftliche Bild – plus die gesellschaftlichen Nachteile, die du als Frau hast und die als Mutter noch mal verschärft werden. Da kommt man auch nicht raus. Wir leben im Patriarchat. Wir haben die Arschkarte gezogen.
Und dann auch noch dieser Widerspruch: Da hast du schon all diese Milliarden Nachteile, wenn du als Frau und Mutter lebst – und musst gleichzeitig die perfekte Heilige Maria sein.
Dazu kommt meine persönliche Art der Belastung. Bei mir sind es ganz stark die Ängste um meine Kinder. Und ich habe vorher nicht gewusst, dass ich so viel Zeit für mich komplett alleine brauche.
Bevor du Kinder hast, kannst du dir diese Zeit ja permanent nehmen, wenn du das möchtest. Du kannst sie jederzeit einfordern, wenn du das essenziell brauchst, um nicht durchzudrehen, weil dein Nervensystem einfach diese Ruhe für sich ganz allein braucht.
Das habe ich erst gemerkt, als die Kinder da waren.
Das ist bei mir ein ganz großer Punkt. Da mag es Menschen geben, die sind anders aufgestellt, die fühlen sich anders, die haben vielleicht auch eine andere Art von Resilienz – gerade was zum Beispiel diese Ängste betrifft. Und ich kriege Panikattacken. Das habe ich mir nicht ausgesucht.
Ich bin auch mal ganz gern alleine und habe nicht gern das Haus voller Leute.
Das Perfide an der ganzen Sache ist ja: Indem man mit seinem Partner darüber kommuniziert, wer wie arbeiten geht, wann man wieder zurück in den Job möchte, was man aufgeben will, was man erwartet – das lässt sich alles besprechen. Wenigstens im persönlichen Rahmen, so gut es eben geht.
Aber was die Mutterschaft emotional mit dir macht – das ist ein Überraschungspaket.
Hast Du Dir da persönlich Unterstützung geholt?
Also da ist natürlich meine Social-Media-Arbeit. Ich arbeite wirklich sehr viel und sehr gern, das stabilisiert mich. Und ich bin in Therapie, wegen Erschöpfungsdepressionen – wie so viele Mütter. Auch dort ist das natürlich immer wieder Thema. Es ist sehr wohltuend, eine Fachperson zu haben, die dich bestärkt in deinen Gefühlen und in deinem Weg. Und auch darin, wie ich mit meinen Kindern umgehe.
Sonst habe ich einfach das wahnsinnige Glück, ein sehr gutes Umfeld zu haben. Hier wurde ich – im Gegensatz zu Instagram – niemals verurteilt.
Ich glaube, das liegt an der Krux von Social Media: Man sieht dort nur meine aufklärerische Seite, also mein Beschweren über die Missstände und mein „Jammern“, um es mal mit den Worten der Kritiker zu sagen. Aber man sieht nicht, wie ich mit meinen Kindern umgehe. Man sieht mich nicht als Mutter. Und das sorgt für ein starkes Ungleichgewicht.
Meine Freunde und meine Familie sehen mich, wie ich mit den Kindern bin. Die kämen niemals auf die Idee, dass ihnen irgendwas fehlt, dass es ihnen schlecht geht oder dass ich ihnen irgendetwas antue – nur weil ich mich so fühle, wie ich mich fühle.
Weil sie eben den Umgang mit meinen Kindern sehen. Mein Da-Sein für sie. Mein permanentes Aushalten, weil ich Mutter bin, weil ich sie liebe – und weil ich absolut der Meinung bin, dass sie den Anspruch darauf haben, dass ich mich bedingungslos um sie kümmere.
Gibt es denn Momente mit Deinen Kindern, die Du als schön oder heilend empfindest?
Ich habe auf jeden Fall schöne Momente. Das ist natürlich auch das Ding: Solange man über seine Gefühle oder Probleme bis in den Tod schweigt, alles nur mit sich selbst ausmacht, es in sich hineinfraß und sich dann am Ende noch dafür schämt – dann kann man gar nicht glücklich werden.
Das muss raus. Alle Gefühle müssen gelebt werden. Alle Gefühle sollten bestenfalls mit einer Vertrauensperson ausgesprochen werden. Und erst dann, wenn du das Problem benennst, kannst du überhaupt auf Lösungssuche gehen.
Erst in dem Moment, wo ich gesagt habe „Das kotzt mich ja eigentlich alles an“, konnte ich mein Leben verändern – dieses Muttersein, so wie ich es gesellschaftskonform, aber eben für mich falsch aufgebaut hatte, über Bord werfen und daraus mein eigenes Ding machen.
Das ist so wichtig!
Für meinen Mann verhalte ich mich manchmal wie ein drittes Kind, weil ich Regeln gerne ignoriere und meine eigenen Kindheitsträume mit meinen Kindern nachhole. Ich mache es mir schon schön mit ihnen zusammen.
Und nein – ich denke nicht jede Sekunde meines Lebens: Ich bereue, ich bereue, ich bereue.
Was würdest Du Frauen raten, die ähnliche Gefühle haben, sich aber nicht trauen, das anzusprechen?
Ich finde, dass es schon wichtig ist, mit jemandem zu sprechen – wenigstens mit der besten Freundin. Ich bekomme ja wirklich Nachrichten von Frauen, die mir schreiben, dass sie so dankbar sind, dass ich darüber spreche. Aber sie trauen sich nicht einmal, mir zu folgen, weil sie Angst haben, dass das jemand sieht.
Das ist wirklich absurd – und furchtbar traurig. Was für furchtbare Menschen umgeben diese Frauen, dass sie solche Angst haben? Dann schreibt halt mir – ich bin da!
Ganz ehrlich: Es kann mir niemand erzählen, dass sie alles toll findet, was Mutterschaft betrifft. Und da manchmal ausbrechen zu wollen, ist doch völlig normal. Vor allem für Frauen, die gar nicht die Möglichkeit haben, sich Freiräume zu schaffen. Die sind noch mehr überlastet – und bereuen vielleicht noch mehr?
Das finde ich sogar sehr natürlich. Ich glaube, es ist extrem wichtig, genau das zu hören.
Ich bin ja selbst jahrelang in dem Glauben gewesen, dass ich einfach falsch bin – und dass es nur an mir liegt. Dass ich das Problem bin. Dass ich das nicht fühlen darf.
Was stimmt nicht mit mir? Bin ich kaputt? Das hat mich wirklich fertig gemacht.
Aber ich habe nur dieses eine Leben. Und da möchte ich lieber schauen, dass ich glücklich werde – auch wenn das irgendwelchen perfekten Bildern über Mutterschaft widerspricht
Was wünschst Du Dir langfristig für die öffentliche Debatte über Mutterschaft und weibliche Autonomie?
Das ist tatsächlich eine Frage, die mir häufig gestellt wird. Ich sollte sogar in meinem Buch ein Kapitel dazu schreiben. Aber ich glaube, es ist am Ende ganz anders geworden, als erwartet. Allein darüber nachzudenken, hat mich noch wütender gemacht. Weil: Es sind Probleme, die einfach nicht zu lösen sind. Ich habe mich davon frei gemacht, etwas von der Gesellschaft zu erwarten.
Rund 97 Prozent meiner Leser sind weiblich. Aber wir brauchen auch Männer – und Väter – an unserer Seite, die uns nicht dafür verurteilen. Die verstehen, was da für ein Druck auf uns Frauen und Müttern lastet, dem wir standhalten müssen – und gleichzeitig liebende Mütter sein sollen.
Es braucht mehr Frauen, die sich wohlfühlen damit, sich zu „Regretting Motherhood“ zu bekennen. Und genauso auch die Frauen, die das nicht empfinden – um einfach solidarisch mit uns zu sein.
Dann ist das alles vielleicht irgendwann kein Tabuthema mehr.