Viele Frauen begegnen der Lebensmitte mit einem prall gefüllten Terminkalender – und einem Körper, der plötzlich nicht mehr mitspielt. Anne Funk erzählt, wie die Perimenopause ihren Blick auf Schlaf und Selbstfürsorge grundlegend verändert hat.
Ich bin Anne Funk, Gründerin von Légèreté by Anne Funk, und ich bin mit einem Glaubenssatz groß geworden, der in vielen Karrieren unausgesprochen mitschwingt: Harte Arbeit und wenig Schlaf sind ein Anzeichen für Erfolg. Wer viel leistet, schläft wenig – so lautete die stille Formel für Stärke, Disziplin und Zielstrebigkeit. Schlaf galt als Schwäche, nicht als Strategie. Doch in der Lebensmitte, besonders als Frau mit Verantwortung, beginnt sich dieser Blick zu wandeln. Und das ist überfällig.
Perimenopause – Wenn der Schlaf aus dem Gleichgewicht gerät
Die Lebensmitte ist für viele Frauen geprägt von der Perimenopause – der Übergangsphase vor der Menopause. Sie kann sich über Jahre hinziehen und bringt hormonelle Schwankungen mit sich, die den Schlaf massiv beeinflussen. Sinkende Progesteron- und Östrogenspiegel führen zu Einschlafproblemen, nächtlichem Aufwachen, Hitzewallungen und innerer Unruhe. Und das ausgerechnet in einer Lebensphase, in der wir beruflich oft auf dem Höhepunkt stehen – mit Verantwortung, Entscheidungsdruck und einem vollen Kalender.
Ich selbst habe diese Phase unterschätzt. Als Frau in leitenden Positionen war ich es gewohnt, durchzuziehen. Schlaf war etwas, das man sich verdient – nicht etwas, das man sich gönnt. Doch mein Körper begann zu protestieren. Erst leise, dann laut. Ich fühlte mich erschöpft, gereizt, innerlich aufgewühlt. Und ich erkannte: Das ist kein persönliches Versagen, sondern ein biologischer Umbruch, der Fürsorge braucht.
Die Macht der Schlafroutine in der weiblichen Lebensmitte
Gerade jetzt ist eine Schlafroutine kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Rituale helfen, den Körper zu beruhigen und dem Nervensystem Sicherheit zu geben. Ein warmes Fußbad, Atemübungen, das Vermeiden von Bildschirmlicht und koffeinhaltigen Getränken ab dem frühen Nachmittag – all das sind kleine Schritte mit großer Wirkung.
Auch die Schlafumgebung darf neu gedacht werden: atmungsaktive Bettwäsche, ein kühler Raum, ätherische Öle wie Lavendel oder Salbei – sie unterstützen den Körper dabei, sich zu entspannen. Und: Ein liebevoller Umgang mit sich selbst ist kein Egoismus, sondern ein Akt der Selbstachtung.
Ein Glaubenssatz darf sich wandeln
Ich habe gelernt, dass wahre Stärke nicht im Verzicht liegt, sondern im achtsamen Umgang mit den eigenen Ressourcen. Der alte Glaubenssatz „Erfolg braucht Schlafverzicht“ darf gehen. An seine Stelle tritt ein neues Verständnis: Erfolg braucht Klarheit, Energie und innere Balance – und all das beginnt mit gutem Schlaf.
Heute sehe ich Schlaf als meine tägliche Quelle der Légèreté – der Leichtigkeit, die ich auch meinen Kundinnen vermitteln möchte. Schlaf ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Weisheit. Wer gut schläft, lebt klarer, fühlt tiefer und handelt bewusster.
Die Lebensmitte als Einladung zur Korrektur
Die Perimenopause ist keine Krise, sondern eine Einladung zur Korrektur. Wir dürfen alte Muster hinterfragen und neue Wege gehen. Wir dürfen lernen, auf unseren Körper zu hören, statt ihn zu übergehen. Schlaf ist dabei kein Nebenschauplatz, sondern ein zentrales Element weiblicher Gesundheit und Lebensfreude.