Influencerin Betül Akbaba (33) aus Schwelm, die mit Luxusmarken wie Lancaster Beauty und Jimmy Choo zusammenarbeitet, begeistert mit ihren Fashion-Looks und ihrer Nahbarkeit. Ein Interview über die Anfänge, wichtige Entscheidungen, Karriere-Highlights, die Schattenseiten von Social Media und modische Vorlieben.
Liebe Betül, wie kamst Du zu Instagram?
Ich habe angefangen, den Inhalt, den ich für meinen Schulalltag erstellt und konzipiert habe, auf Social Media zu teilen – unter anderem meine Teacher-Outfits und alles, was zu meinem Alltag, sowohl privat als auch beruflich, dazugehört. Ich hatte schon immer ein Faible für Beauty und Fashion, war aber sehr klar in meinem Werdegang: mit fünf Jahren eingeschult, mit 17 Abitur gemacht, in der Regelstudienzeit studiert, Referendariat gut abgeschlossen und verbeamtet. Es war der sichere Weg, den sich jedes Kind, jede Familie mit einem Migrationshintergrund wünscht, weil immer das gefehlt hat: Sicherheit, Anerkennung und Akzeptanz. Ich wollte an erster Stelle immer meine Eltern stolz machen.
Arbeitest Du denn auch noch als Lehrerin?
Ich habe im Januar 2022 meinen Beamtenstatus niedergelegt und mich entlassen lassen. Ich bin auf Lebenszeit verbeamtet und kann jederzeit, wenn ich möchte, zurück in den Beruf. Ich hatte mich damals zunächst dazu entschieden, beides parallel zu machen. Anfangs war ich natürlich erstmal nur Lehrerin und durch die Corona-Zeit, so um 2019 herum, hatte ich durch das Distanzlernen etwas Zeit, meinem Hobby Beauty, Fashion und Lifestyle nachzugehen und Social Media zu verfolgen, und ich kann behaupten, dass es sich sehr schnell zu einem richtigen Job entwickelt hat. Ich habe dann ein Jahr lang beides parallel geführt. Aber das Arbeitspensum wurde immer mehr und man kann den Lehrerberuf nicht an zweite Stelle stellen. Das ist dafür nicht geeignet und so sollte es natürlich auch nicht sein, und ich habe mich da in der Verpflichtung gefühlt, mich zu entscheiden und mich rechtlich auch absichern zu lassen und war bei einem Anwalt mit Schwerpunkt Schulrecht. Für die kommende Zeit habe ich mich erstmal dazu entschieden, nur als Influencerin tätig zu sein, und habe mittlerweile auch eine Agentur gegründet, also bin stetig dabei, mich zu erweitern und einfach etwas auszuleben. Ich habe mich das nur dank meines Mannes getraut, ohne ihn wäre ich niemals so mutig gewesen. Aber er hat mir klargemacht, dass ich nichts zu verlieren hatte. Deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig, dass jeder, der diesen Weg in Richtung Social Media gehen möchte, trotzdem etwas erlernen sollte. Das Leben plant nämlich mit. Funfact: Meinem Vater habe ich neun Monate verschwiegen, dass ich nicht mehr als Lehrerin tätig bin und als Influencerin arbeite. Als ich es ihm gesagt habe, hatte er wenig Verständnis dafür. Ihm war es wichtig, dass ich etwas Sicheres mache, was Status hat. Mittlerweile versteht er meinen Job, erkennt es als Arbeit an und ist der stolzeste Vater!
Wie wurdest Du erfolgreich – wie konntest Du zum Beispiel Deine Followeranzahl steigern und wie wurden Marken auf Dich aufmerksam?
Ich denke mal, durch das Community-Building, die täglichen Stories, tägliche Feed-Beiträge und vor allem durch die Reels, also die Videofunktion. Aber alles in allem ist das Wichtigste Community-Building, und das versuche ich jeden Tag zu pflegen, indem ich mich bemühe, nahbar und ungefiltert zu bleiben, alles zu teilen und eine Persönlichkeit darzustellen. Schließlich sehen sich viele in mir oder nehmen mich als Vorbild. Meine persönliche Entwicklung ist ein wesentlicher Bestandteil und meine Dankbarkeit für alles. Den Marken ist das natürlich aufgefallen, denn sie können wirklich gute Profile von nicht guten unterscheiden und sehen, wenn nicht nur ein Gesicht vorhanden ist, sondern auch eine Persönlichkeit mit Charakter und einer Community, die diesem Profil vertraut. So sind Marken auf mich aufmerksam geworden und diese haben sich im Laufe der Zeit sehr stark in Richtung Premium- bis Prestigemarken entwickelt. Die Arbeit muss stimmen und ich kann stolz behaupten, dass ich immer 200 Prozent gebe und dass die Kunden dies wissen, und deshalb habe ich auch seit Jahren sehr nachhaltige und langfristige namhafte Kunden und Partnerschaften, worauf ich wirklich sehr, sehr stolz bin.
Du warst letztes Jahr in der Vogue zu sehen. Wie kam es dazu und wie lief das Shooting ab?
Bei der Fotostrecke ging es tatsächlich um die neue Serie, die das Leben von Karl Lagerfeld, seine Erfolge und sein privates Leben in Bezug auf sein Businessleben widerspiegelt. Als Hommage an ihn gab es eine Fotostrecke digital mit der Vogue Germany. Es war wirklich wunderschön und etwas ganz Besonderes, weil es meine erste Zusammenarbeit mit der Vogue Germany war und nicht nur dass wir das Shooting hatten zu den 70er-Erfolgsjahren von Karl Lagerfeld als Designer bei Chloé zum Beispiel, auch der digitale Co-Autor-Post mit der Vogue Germany war ein absoluter Traum für mich. Der Ablauf war eigentlich relativ unkompliziert und etwas stressig, aber für mich ganz schön, weil ich diesen Stress liebe. Ich bin nach Berlin angereist, kam erst einmal in die Maske, meine Skin-Care wurde vorbereitet und parallel haben wir verschiedene Looks ausprobiert, die die Stylistin ausgewählt hat. Ein Team von der Vogue Germany, die Stylistin und ich haben uns dann am Ende gemeinsam für einen Look entschieden, und dann ging ich noch mal in die Maske. Dann waren die Einzelshootings, dann die Gruppen-Shoots und dann die Shoots auf dem Red Carpet.
Für Lancaster Beauty hast Du einen Werbespot gedreht. Wie hast Du das erlebt?
Ganz besonders! Meine Liebsten und ich konnten mich zu den Hauptsendezeiten im öffentlichen TV bei den wichtigsten Sendern sehen, das war sehr surreal! Ein Traum von der kleinen Betül, der in Erfüllung gegangen ist, und dann noch mit so einer ikonischen Marke!
Nach welchen Kriterien suchst Du Deine Werbepartner aus? Lehnst Du zum Beispiel auch mal lukrative Anfragen ab – wenn ja, warum?
Ich kann von Anfang an sagen: Ich lehne mehr ab, als ich zusage. Und das ist wirklich ein Privileg, was ich immer beibehalten möchte! Ich arbeite nur mit Marken zusammen, die ich selbst nutze und kaufe und bei denen ich jahrelang davon geträumt habe, mit diesen zu arbeiten. Es ist wirklich ganz besonders, eine der wenigen in Deutschland zu sein, die mit so tollen Brands arbeiten darf! Das war ein langer Weg hierhin: bewusstes Ablehnen von Anfragen, bewusste Entscheidung zur (on top nicht bezahlten) exklusiven Zusammenarbeit mit nur ein bis zwei Brands pro Segment trotz mehrerer Anfragen, Mitdenken und Eigeninitiative bei der Planung der Umsetzungen usw.
Ich lehne unseriöse, unethische oder nicht qualitativ wirkende Marken und Anfragen ab. Ich lehne aber auch Partner ab, die ich eigentlich sehr liebe, die für mich aber politisch inkorrektes Verhalten aufweisen oder nicht mit dem Zeitgeist mitgehen oder die aktuelle Weltlage nicht berücksichtigen und „blind“ durch die Welt laufen.
Mit welchen bekannten Marken hast Du in der letzten Zeit zusammengearbeitet?
Ich war vor ein paar Tagen mit Rolls-Royce auf einem Brand-Trip in Lech, habe in letzter Zeit Events gehosted für Parfums de Marly, Balmain Beauty oder Fashionette, hatte ein tolles Community-Event mit Sensai, welches mein Management gepitcht und mitgeplant hat, und war deutschlandweit in allen Douglas-Filialen offline und online als Face für Lancaster zu sehen. Außerdem hatte ich Reisen zum Coachella mit Pandora oder Douglas, Texas mit Drunk Elephant, Ibiza mit Jimmy Choo, Rolex Monte Carlo Masters in Monaco mit Lancaster, Paris mit YSL Beauté, Meet and Greets mit Guerlain, Offline-Kampagne und Litfaßsäulenplakate mit Catrice und viele mehr! Es sind mittlerweile hunderte von Umsetzungen, von denen jede einzelne ganz besonders und premium ist! Die Vogue-Germany-Collab und den TV-Spot habt ihr ja bereits erwähnt.
Was waren die Highlights in Deiner Karriere?
Eigentlich jeder einzelne Meilenstein und jeder der bereits genannten Erfolge und Umsetzungen. Aber am meisten stolz bin ich auf meine tolle Community, mein Team, mein Management und meine tollen Kunden, die mir so viel Vertrauen schenken! Mich in Magazinen, im Fernsehen zu sehen oder hundert Follower zu sehen, die auf mich warten. Das kann ich nicht beschreiben – ganz tolles Gefühl. Ich versuche jeden Tag, dem gerecht zu werden, weil es ein Privileg ist.
Welche Deiner Instagram-Beiträge sind die beliebtesten?
Alles Persönliche, aber meine Community belohnt mich auch, wenn ich etwas Boldes wage. Carousel-Posts kommen auch sehr gut an und natürlich Stories! Mittlerweile habe ich auch mit Tiktok angefangen und die „Tiktok Betül“ lieben sie wohl auch, laut ihrer Aussage.
Wer fotografiert Dich für Instagram?
Hauptsächlich mein Mann, ich selbst, meine Geschwister oder Freundinnen, meine Mama – eigentlich jeder.
Was fasziniert Dich an Mode und an der Modewelt?
Ich finde es so faszinierend, wie viel Persönlichkeit, Mood, Emotionen man über Mode ausdrücken kann! Es ist pure Leidenschaft und ich bekomme nie genug. Ich liebe es, mich damit zu beschäftigen!
Wenn Du Dinge im Modebusiness und bei den sozialen Medien verändern könntest – welche wären das?
Cancelculture und Schnelllebigkeit – durch das Internet ist alles schnell im Trend und schnell wieder aus dem Trend raus, das finde ich nicht so schön. Ich liebe Essentials und Capsule Wardrobes – daran würde ich gerne festhalten. Jeder soll tragen, was er will (außer Labubus, die können ruhig gecancelt werden).
Durch die sozialen Medien ist für viele ein stärkerer Druck zur Selbstoptimierung entstanden. Wie stehst Du zu diesem Thema – setzt Du Dich selbst auch manchmal unter Druck, was zum Beispiel Gewicht, Ernährung, Sport oder Beauty-Eingriffe anbelangt?
Ehrliche Antwort: Ja, es fällt mir schwer, dagegen anzukämpfen, aber was mir sehr gut dabei hilft, eine gesunde Balance zu halten: regelmäßige Social-Media-Pausen, privates statt digitales Umfeld, Bewusstsein für reale und nicht reale Fotos, Videos, Journals und Meditieren und ganz ehrlich, nicht so oft in den Spiegel schauen. Positive Trigger und negative Trigger separieren! Manche fordern und fördern einen auch, aber negative kann man ruhig aus dem Leben löschen.
Für welche Themen – abgesehen von Mode und Beauty – nutzt Du Deine Reichweite bei Instagram gerne?
Ganz klar Travel! Ich liebe es, zu verreisen, und blühe ganz anders dabei auf! Leider wurden meine Reiseblogs gelöscht, aber darüber zu schreiben finde ich auch ganz toll! Ich habe noch so viele Orte zu sehen und liebe es, meine Community dabei mitzunehmen! Das ist eigentlich eine ganz große Säule auf meinem Kanal, wenn man sich meine Highlights anschaut.
Politische oder kulturelle Themen wie Migration, Racism oder Politik generell haben auch immer wieder Platz auf meinem Kanal, denn ich bin der Meinung, wenn ich das Privileg habe, in einer Demokratie zu leben, ist es meine Pflicht, auch Haltung zu zeigen und zu urteilen.
Wie muss ein Look sein, damit Du zufrieden bist?
Zeitlos, persönlich, gemütlich und qualitativ. Ich werde immer auf meine Looks angesprochen. Obwohl sie leise sind, sind sie laut.
Auf welche Farben setzt Du diesen Sommer?
Eigentlich butter yellow, aber das habe ich jetzt schon zu viel gesehen! Dots und Animal-Prints finde ich auch ganz toll diesen Sommer und die Farbe Hellblau!
Wie sieht ein perfekter Sommerlook für Dich aus?
Feminin, hellenistisch und sexy!
Was trägst Du im Sommer am liebsten, wenn es etwas schicker sein soll?
Satinkleider sind ein sicheres Ding und wunderschön! Ich liebe es auch, den Fokus auf Schuhe und Schmuck zu setzen. Lange Kleider generell sind ganz toll, vor allem mit Rückenausschnitt.
Gibt es Sommertrends, die Du schrecklich findest?
Nein, alles hat seine Daseinsberechtigung.
Was würdest Du nie tragen und warum?
Ich sage niemals nie, aber aktuell halte ich nicht viel von Ballon-Shorts und Mini-Shorts.
Kaufst Du selbst noch viel Kleidung und Accessoires, oder trägst du vor allem die Sachen aus Deinen Kooperationen?
Ich kaufe 95 Prozent selbst. Und die anderen fünf Prozent suche ich auch selbst aus.
Was sind Deine Lieblingsstücke im Kleiderschrank?
Gute Jeans, guter Blazer, Vintage-Lederjacke und Taschen!
Welche Stücke in Deinem Kleiderschrank sind die teuersten?
Meine Taschen und meine Schmuckstücke.
Welche Pläne hast Du für die Zukunft?
Ich mache keine Fünf-Jahres-Pläne. Ich lebe in das Jahr hinein und versuche, mein Bestes zu geben!