Erst vor zwei Jahren gegründet, hat die Berliner Coffeeshop-Kette „Lap Coffee“ in der Hauptstadt schon 13 Filialen – vor allem in Szenebezirken. Auch in anderen Großstädten fasst das Unternehmen jetzt Fuß.
Ein ganz gewöhnlicher Nachmittag an der Rosenthaler Straße 62 in Berlin-Mitte. Vor der kobaltblauen Markise hat sich eine lange Schlange an Menschen gebildet. Viele sind Twenty-somethings und stehen für einen Kaffee von „Lap Coffee“ an – die meisten wollen ihn mitnehmen. Neue Filialen der Berliner Coffeeshop-Kette schießen wie Pilze aus dem Boden. Binnen zwei Jahren hat das Unternehmen mehr als ein Dutzend Dependancen eröffnet. Vorrangig in der deutschen Hauptstadt. Doch auch in München ist „Lap Coffee“ präsent. Dort gibt es jeweils eine Filiale in der Isarvorstadt und eine in Schwabing. Eine weitere soll demnächst in Hamburg eröffnet werden.
Kleine Geschichte des Kaffees
Der Mensch und sein Kaffeekonsum: Diese Beziehung ist kulturell tief in der Geschichte verwurzelt. Unzählige Mythen und Legenden ranken sich um die Entstehungsgeschichte des Kaffeeanbaus und seine Verbreitung. Viel spricht jedoch dafür, dass alles seinen Anfang um das Jahr 900 genommen hat. Im ehemaligen Königreich Kaffa in Äthiopien sollen die Menschen erstmals getrocknete Kaffeekirschen und Blätter mit heißem Wasser aufgegossen und getrunken haben. Laut einer Legende soll der Hirte Kaldi seine Ziegen dabei beobachtet haben, wie sie aufgedreht umhersprangen.
Später fand der anregende Trunk aus den Kirschsamen Eingang in die arabische Welt und das Osmanische Reich. Dadurch kam er auch zu dem Namen Arabica-Kaffee. Er gelangte nach Istanbul, das damals noch Konstantinopel hieß. In der Hauptstadt des Osmanischen Reiches wurden die rohen Bohnen nicht mehr nur wie Tee mit Wasser aufgekocht. Um das Jahr 1475 wurde mit dem „Kiva Han“ in Konstantinopel ein Kaffeehaus eröffnet, das als erstes der Welt gilt. Nach und nach entstanden in ganz Europa Kaffeehäuser, wie etwa das legendäre „Caffè Florian“, das 1720 in Venedig eröffnete.
Kaffeehäuser waren im Osmanischen Reich und in Europa ein kultureller sowie ein sozialer Treffpunkt. Sie waren Orte für Intellektuelle, Künstler und Kaufleute – und zunächst nur Männern vorbehalten. Sie trafen sich in Cafés, um dort miteinander Schach zu spielen, Gedanken auszutauschen und miteinander zu debattieren. Sie präsentierten ihre Werke, trugen ihre Gedichte vor, wickelten Geschäfte miteinander ab. Eine ähnliche Funktion hatten auch die ersten Coffee Houses in den USA, nachdem das Bohnengetränk durch die niederländischen Siedler im heutigen New York eingeführt worden war.
Erst mit dem Siegeszug von Ketten wie Starbucks und Co. wurden die eher gemütlichen Coffee Houses zu Coffeeshops. Anstatt sich im Kaffeehaus mit einem Freund oder einer Freundin auf einen längeren Plausch zu treffen, trugen die neuen Coffeeshops der großstädtischen Schnelllebigkeit Rechnung. Jetzt konnte man auf die Schnelle auch einen Kaffee mitnehmen und dann weiter zum nächsten Meeting oder Job sprinten. Seit den 1970er-Jahren sind Coffeeshops in den USA auf schnellen Kaffeekonsum und auf Funktionalität ausgerichtet. Ihr Fokus sind To-go-Angebote.
Im August 2023 ging es los
Auch das Konzept von „Lap Coffee“ bedient eher einen umtriebigen, atemlosen Lebensstil als einen gemütlichen Kaffeeklatsch. Zumindest ist der Gastraum an der Rosenthaler Straße äußerst klein und lädt mit seinem klinischen Weiß und der grellen Beleuchtung kaum zum Verweilen ein. Zudem setzt die Berliner Kette auf digitale Abläufe: Wer will, kann sich den Kaffee schon von unterwegs online bestellen und vor Ort abholen. Bezahlt wird ausschließlich mit Karte oder via Handy. Bargeld wird nicht akzeptiert.
Trotz des effizienten Ansatzes will die Kette ein sozialer Treffpunkt sein, wo „Fahrradkurier, Gen-Z-Studentin und Künstler aus dem Kiez aufeinandertreffen“. So lautet zumindest die Selbstbeschreibung. Das soll auch schon der Name signalisieren: „Lap“ ist die Kurzform für „Life among people“. Dass das Gesellige Teil des Konzeptes ist, erzählt auch die Brand- und Marketing-Managerin Olivia Krause im Gespräch. So gibt es kollaborative Events, etwa mit der Berlin Fashion Week oder mit dem Sunday Run Club von Adidas. „Auch unterstützen wir lokale Künstler in unseren Cafés“, ergänzt die Marketing-Chefin.
Ich sehe mich um und blicke auf die eingerahmten Fotografien der Berliner Künstlerin Lilika Strezoska, die man an den weißen Wänden in dem kleinen Gastraum bestaunen kann. Bis auf die Fotoausstellung ist das Mutterhaus an der Rosenthaler Straße sehr funktional eingerichtet. Anstelle von kaffeehaustypischen Erdfarben dominieren dort Schneeweiß und Kobaltblau. Der kühle Blauton definiert auch das Logo und ziert die Pappbecher. „Wir setzen auf kleine Räume und schnellen Service“, erläutert Brandmanagerin Olivia Krause.
Angefangen hat alles im August 2023, als die Gründer Ralph Hage und Tonalli Arreola die erste Filiale hier an der Rosenthaler Straße eröffneten. Die beiden Wahlberliner kommen aus der Start-up-Szene: Ralph Hage war ehemals bei Delivery Hero und gründete im Jahr 2021 mit Yababa einen Lieferdienst für türkische Lebensmittel. Tonalli Arreola hat seinen MBA in Betriebswirtschaftslehre an der Universität Cambridge gemacht. Der Manager war zuvor bei Flink und bei Line tätig.
Ihren Kaffee beziehen die Entrepreneure von zwei ausgewählten Berliner Röstereien, die in der Stadt für hochwertig geröstete Bohnen bekannt sind: „19grams“ und „Coffee Circle“. Beide Kaffeeproduzenten konzentrieren sich auf Spezialitäten, betreiben direkten Handel mit den Kaffeebauern und legen großen Wert auf Nachhaltigkeit im Anbau und Vertrieb. „19grams“ röstet Bohnen in Bio-Qualität. „Coffee Circle“ finanziert Entwicklungsprojekte in den Herkunftsländern. So viel Engagement lasse ich mir natürlich gerne schmecken, und so teste ich ein erstes Tässchen Espresso. Ich genieße den intensiven, hocharomatischen Geschmack aus Kirsch- und Karamellnoten. Dennoch sind es die eher ausgefallenen Kreationen jenseits der äthiopischen und brasilianischen Kaffeebohnen, die meinen Entdeckergeist auf den Plan rufen. Natürlich will ich unbedingt einen Ube Matcha probieren. Ja, Matcha ist sehr hip, aber ich mag schon sehr lange den herben, leicht erdigen Geschmack des japanischen Grüntees. Hier bei „Lap Coffee“ kommt noch das Extrakt der asiatischen Yamswurzel dazu.
Zum Abschluss gibt es noch ein Croissant
Das bunte Etwas in meinem Glas ist ein Kunstwerk in drei Farbschichten. Es ist so schön, dass ich es fast gar nicht trinken mag: Oben der fluffige, weiße Schaum aus Kokosnuss-Reis-Milch, in der Mitte eine Schicht aus sattgrünem Matchatee und unten launiges Lila der Ube. Auch geschmacklich überzeugt mich die farbintensive Komposition: Der süßlich-nussige Geschmack der Ube harmoniert erstaunlich gut mit den herben Noten des Grüntees – ein Erlebnis für alle Sinne! „Da ist kein Extra-Zucker drin, die Süße kommt allein von der Stärke der Ube“, versichert meine Gastgeberin. Ich bin wieder einmal erstaunt über die Aromenvielfalt von Gemüsigem und die natürliche Süßkraft, die Knollengewächse entfalten können.
Mit im Angebot sind noch weitere experimentelle Kompositionen wie etwa Mango Matcha Cloud oder Strawberry Cloud Matcha. Wen es mehr zu Zitrusnoten zieht, wählt eine Yuzu Lemonade. Ich selbst genehmige mir an diesem Nachmittag noch eine Latte mit Kokosnuss-Reis-Milch. Alternativ kann man seinen Kaffee oder Matcha auch mit Kuh- oder Hafermilch genießen. „Wir wollen keine Abstriche bei der Qualität machen, schnell und günstig sein“, fasst Olivia Krause zusammen. Tatsächlich sind die normalen Kaffeegetränke verhältnismäßig günstig. Der Espresso kostet 1,50 Euro, der Americano zwei Euro und der Latte drei Euro. Wesentlich teurer sind andere Signatures im Hause „Lap“, wie etwa der Protein-Matcha oder der Collagen-Matcha – zwei Heißgetränke, die jeweils mit 5,50 Euro zu Buche schlagen.
Zum Abschluss lädt mich meine Gastgeberin noch auf ein feinblättriges Buttercroissant und auf einen veganen Schokoladenkeks mit Meersalz ein. Das Croissant kommt von der renommierten Bäckerei „Le Brot“ und der Cookie von „Round & Edgy“ in Berlin-Mitte. Auch hier macht das Unternehmen keine Qualitätsabstriche. Und das schmeckt man. Bis auf den letzten Krümel.