Vor 35 Jahren revolutionierten Stefan Klingberg und Andreas Reiter Hausaufgabenhefte mit Stickern, Rätseln und Kinotipps. Heute gibt’s ihr „Münchner Häfft“ bundesweit. Die Idee dazu kam einst im Matheunterricht.
Mathe pauken und lernen fürs Diktat. Dann noch Hausaufgaben zur Vorbereitung auf die nächste Leistungskontrolle in Bio: Um nicht den Überblick zu verlieren, gibt’s in Deutschland seit fast hundert Jahren Hausaufgabenhefte. Lange Zeit war das eine recht öde Sache – bis die beiden Schüler Stefan Klingberg und Andreas Reiter das Heft 1990 revolutionierten und mit Kinotipps, Rätseln, Stickern, Vorlagen für „Schiffe versenken“, Berufsberatung und vielem mehr spickten. So machte Büffeln plötzlich Spaß!
Da waren Stefan und Andy gerade mal 14 Jahre alt, hatten mit der Herausgabe einer Schülerzeitung am Gymnasium München-Fürstenried aber schon einige Erfahrungen gesammelt. Was vor 35 Jahren in der Bayern-Metropole begann, wurde in den 90ern zum bundesweiten Erfolg. Von anfangs 400 Exemplaren für die eigene „Penne“ wuchs die Auflage auf zeitweise 800.000 Stück. „Jeder sechste deutsche Schüler hatte unsere Hausaufgabenhefte“, betont Stefan Klingberg, der mit seinem Companion 1997 den Häfft-Verlag gründete. Heute hat sich die Auflage bei circa 200.000 Heften für Grundschüler sowie rund 150.000 Heften für weiterführende Schulen eingependelt.
Haken an der Sache: Kein Schüler folgt mehr dem Unterricht, wenn er ein so stylisches und buntes Heft vor der Nase hat. Oder nicht, Herr Klingberg? Der überlegt nur kurz: „Am Anfang war das wirklich ein Thema, eine Art Hass-Liebe der Lehrer.“ Doch nach dem Motto „Lieber ein Heft, das hin und wieder ablenkt, als gar kein Hausaufgabenheft und unerledigte Schularbeiten“ habe sich das „Anti-Schul-Langeweile-Heft“ durchgesetzt. Andererseits sei es auch so, dass einen Comics, Witze und Co. kein ganzes Schuljahr beschäftigen. „Nach acht Wochen hat man das durchgelesen.“
Die zündende Idee für den neuen Schülerkalender kam beiden in einer dieser langweiligen Mathestunden im Sommer 1990, wie sich Stefan Klingberg erinnert. Die ersten 400 Exemplare – produziert auf einem Commodore C 128 – erschienen noch exklusiv am eigenen Gymnasium. Doch das Konzept sprach sich schnell rum. 1993 gab es „Das Münchner Häfft“ erstmals in der ganzen Landeshauptstadt Bayerns (Auflage: 3.500 Stück). Drei Jahre darauf kurvte Stefan Klingberg bereits im VW-Bus durchs gesamte Bundesland, um die Hefte auszuliefern.
Dass die Erfolgsstory seit nunmehr 35 Jahren anhält, macht ihn schon ein bisschen stolz, wie er sagt. „So viele teils große Verlage und Firmen haben es nicht geschafft, wurden von großen Konzernen geschluckt oder meldeten Insolvenz an: Herlitz ist weg, Pelikan ist weg. Wir sind aber immer noch da“, so der Verlagschef, dessen Sortiment heute unter anderem auch andere Büro- und Schulartikel sowie Kalender und feinste Papeterie umfasst.
Erst mal in Eigenregie gearbeitet
Eher am Rand erwähnt Klingberg, dass er seit 24 Jahren Wahlberliner ist. Die Liebe zog ihn einst in die Hauptstadt. Sie ist auch der Grund, dass der Häfft-Verlag seit 2001 ein Berliner Büro hat. „Anfangs saß ich in der Oranienburger Straße in Mitte, heute sind wir in Schöneberg“, berichtet der Familienvater, der privat unter anderem in Wilmersdorf und Charlottenburg wohnte. Nicht nur die City, auch Potsdam und Umland erschließt er sich gern per Rad und Paddelboot, unter anderem auf der Havel sowie auf der Berliner Krumme Lanke und dem Stößensee. In Berlin ist er gern auf dem Tempelhofer Feld, dem riesigen Areal des früheren Flughafens Tempelhof, unterwegs. Zu den Potsdamer Lieblingsorten zähle das Karl-Liebknecht-Stadion des SV Babelsberg 03, verrät der Fan des Vereins. Anhänger von Hertha BSC und 1860 München sei er aber auch. Es ist ein etwas bizarrer Mix, wie Klingberg einräumt. „Ich bin halt echter Fußballfan, war auch 13 Jahre Kinder- und Jugendtrainer beim FC Internationale in Berlin-Schöneberg.“ Spiele von Tennis Borussia Berlin habe er auch schon gesehen.
Zu München habe er indes ein wenig den Bezug verloren, obwohl er wegen seiner Mutter und natürlich aus dienstlichem Grund oft an die Isar reist. Die Münchner „Ureinwohner“ seien schon cool, manche Zugereiste indes nicht, schmunzelt Stefan Klingberg. Nichtsdestotrotz firmiere der Häfft-Verlag nach wie vor in München. Die beiden Hausmaskottchen Brot & Schwein grüßen hier bis heute in vielfältigster Form.
An seine Schule erinnert sich Stefan Klingberg gerne: „Wir hatten eine coole Zeit und haben’s uns im Bunker – so sah unser Schulhaus nämlich aus – schön gemacht. Schulnoten waren uns nicht so wichtig“, lächelt der End-Vierziger. Auf Schulstreiche in Fürstenried-West angesprochen, winkt Klingberg ab: „Mir fällt nur ein, dass ein Mitstreiter unserer Schülerzeitung aus einem Schlüssel-Rohling mal einen Generalschlüssel für unser Schulhaus anfertigte. Im Grunde genommen konnten wir das Gebäude betreten und verlassen, wann wir wollten“, lächelt der Verlagschef. Außer zum Abi-Abschluss habe man davon allerdings nie Gebrauch gemacht.
Einen Disput gab’s mal mit dem Schuldirektor, der einen Artikel der Schülerzeitung „Bunker Blattl“ zensieren wollte. Im Grunde genommen war das der Ursprung des späteren Verlags. Denn die Schulfreunde Stefan und Andy sagten sich: „Dann bringen wir die Postille eben in Eigenregie heraus“, was sie auch taten. „Wir zogen das durch und verteilten unsere komplett selbstverantwortete Zeitung vorm Schulhaus“, wirkt Stefan Klingberg noch heute stolz auf die Aktion. Die Aufgaben-Verteilung damals: Klingberg übernahm den journalistischen Part und lieferte die meisten Texte, Andreas Reiter war der Technikfreak und Grafiker.
Rund 35 Jahre später bieten Stefan Klingberg und Andreas Reiter mit ihrem Münchener Häfft-Verlag Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltige Papierprodukte – ob im Einzelhandel oder Onlineversand. Dabei arbeitet die Firma mit ihren 45 Beschäftigten ausschließlich mit Druckereien zusammen, die klimaneutral produzieren, betont Klingberg. Es ist eine Hersteller-Philosophie, die für beide Geschäftsführer schon seit vielen Jahren ganz selbstverständlich zur unternehmerischen Verantwortung gehört. So würden mit jedem Kauf eines Häfft-Produkts weltweit Klimaschutzprojekte initiiert und unterstützt!