Mit 14 Jahren lernte sie Elvis kennen, als Frau an seiner Seite wurde Priscilla Presley weltberühmt. Seitdem führt sie ein Leben in der Öffentlichkeit, das auch Schattenseiten kennt. Elvis’ früher Tod war dabei nicht der einzige Schicksalsschlag.
Schon einmal durfte Priscilla Presley das Haus in der Bad Nauheimer Goethestraße nicht betreten. Das Domizil ihres verstorbenen Mannes Elvis während seiner Militärzeit in Deutschland birgt wehmütige Erinnerungen. Von Februar 1959 bis März 1960 war es sein Zuhause gewesen und eine willkommene Abwechslung zum Kasernenleben im nahen Friedberg. Seine spätere Frau Priscilla, die damals in Wiesbaden zur Schule ging, besuchte ihn hier oft. Ihre Romanze mit dem King of Rock ’n’ Roll begann im Oktober 1959, nachdem sie sich wenige Wochen vorher zum ersten Mal begegnet waren. Doch die Hausbesitzer verwehrten der Elvis-Witwe genau wie bei ihrem Besuch 2016 den Zutritt. Wieder einmal blieb ihr nur der Anblick von außen.
Priscilla Presley war kurz vor ihrem 80. Geburtstag in diesem Frühjahr noch einmal in die hessische Kleinstadt gekommen, wo vor vielen Jahren alles begann und wo sich ihr Leben von einem auf den anderen Tag veränderte. Anlass ihres Besuches waren die Unterschrift ins Goldene Buch der Stadt und zwei Aufführungen im örtlichen Jugendstiltheater.
Doch zurück in die Goethestraße: Wie sehr hätte sie es sich gewünscht, für einen kurzen Moment die Erinnerung aufleben zu lassen. Zu träumen von damals, einer Zeit, die längst vergangen ist: die Terrasse, den Balkon, die Gestaltung eines Raumes noch einmal wahrzunehmen. Die 80-Jährige lächelt wehmütig. Am liebsten hätte sie selbst an die Türe geklopft und um Einlass gebeten. Auch Bürgermeister Klaus Kreß versprach, sein Bestes zu tun, doch vergeblich.
Tod der einzigen Tochter
Priscilla Presley hatte in den letzten Jahren dramatische Schicksalsschläge zu verkraften. Am 12. Januar 2023 wurde ihre Tochter Lisa Marie leblos in ihrem Haus in Calabasas nahe Los Angeles gefunden. Die 54-Jährige wurde wiederbelebt, starb jedoch wenige Stunden später im Krankenhaus an einem Herzstillstand. Todesursache soll ein Dünndarmverschluss gewesen sein als Folge einer Operation im Vorjahr. Lisa Marie Presley war viermal verheiratet und auch wieder geschieden. Ihre Ehemänner hatten alle mit dem Musik- und Filmbusiness zu tun: Danny Keough als Bassist, der verstorbene Michael Jackson war ein gefeierter Popstar, der eigenwillige Nicholas Cage ist Hollywood-Filmstar und Michael Lockwood, ihr letzter Ehemann, ist Musiker und Produzent.
Die Tragik ihres Lebens begann für die Presley-Tochter schon mit 13 Jahren mit dem angeblichen Konsum von Alkohol und Drogen. Auch später kämpfte die vierfache Mutter mit ihren Abhängigkeiten, hinzu kam eine Tabletten- und Alkoholsucht. Entzugsaufenthalte in Kliniken folgten. Während Lisa Maries Abwesenheit kümmerte sich Mutter Priscilla liebevoll um ihre Enkel. In der Liebe hatte Lisa Marie kein Glück. Besonders die Ehe mit Michael Jackson löste großes Medieninteresse aus. Man warf ihr letztendlich vor, mit der Heirat nur einen riesigen PR-Coup eingefädelt zu haben.
„Ich bin sehr gläubig“
Am 12. Juli 2020 ereilte sie die schlimmste Tragödie ihres Lebens. Von ihr erholte sie sich zeitlebens nicht mehr. Mit nur 27 Jahren beging ihr Sohn Benjamin Keough Selbstmord. „Mein Leben wurde durch seinen Tod zerstört“, fasste sie später zusammen. Auch Großmutter Priscilla verkraftete den Tod ihres Enkels kaum. In der Folge widmete sie sich nun verstärkt dem Rest der Familie, unterstützte ihre Tochter und versuchte, ihren drei Enkelinnen Halt und Zuversicht zu geben. Doch wie hat die Witwe von Elvis Presley all das geschafft? Nicht nur ihr Sohn und die übrigen Enkel helfen ihr bis heute, das Geschehene zu bewältigen, sondern auch ihr Glaube an Gott: „Ich bin sehr gläubig und das gibt mir Kraft. Ich habe gute und schlechte Tage“, sagt sie im Interview.
Ihr leiblicher Vater James Wagner war deutscher Abstammung. Der Pilot der U.S. Navy starb im November 1945 bei einem Flugzeugabsturz. Priscilla war damals noch ein Baby. „Ich habe ihn durch seine Freunde kennengelernt. Er muss das schönste Lächeln gehabt haben, das man sich vorstellen kann“, schwärmt die 80-Jährige. Sie besuchte seinen Geburtsort in Deutschland, könne sich aber jetzt nicht mehr an den Namen erinnern. „Die Menschen dort hießen mich herzlich willkommen.“ Ihr Stiefvater Paul Beaulieu adoptierte sie. Er kam später als kanadischer Luftwaffenoffizier mit Frau und Tochter nach Wiesbaden.
Unweit vom Haus in der Goethestraße liegt der Kurpark mit der Brücke über die Usa. Seit 2021 ziert Elvis Presley die Brücke als lebensgroße Bronze-Statue. Denn genau hier posierte der Sänger 1959 für ein Plattencover. Gut getroffen wirkt er mit seiner lässigen Haltung in Soldatenuniform und dem verführerischen Blick auch heute. Priscilla Presley schließt die Augen und lehnt sich an sein Abbild. Ein kurzer Moment des Innehaltens, bevor sie leise sagt, dass seine Songs sie noch immer begleiten. Ihr Lieblingslied sei „Memories“. Auch nach vielen Jahren komme sie gerne zurück in die einstige Heimat: „Es sind gute Gefühle und romantische Erinnerungen. Bad Nauheim ist noch genauso, wie es früher war, ganz im Gegensatz zu den USA, wo sich alles so schnell verändert.“
Als Elvis Presleys Militärzeit endete, ging er zurück nach Amerika. „Ich dachte, ich sehe ihn nie wieder.“ Ihre Eltern seien froh gewesen und hätten inständig gehofft, das Schulmädchen von einst wieder zu bekommen. Doch endlich, nach langen zwei Wochen, rief er an. Und dann wieder und wieder. Immer um 3 Uhr morgens. „Ich hörte das Klingeln zuerst und rannte in die Küche, wo das Telefon stand. Ich war eifersüchtig, denn ich las in einer Illustrierten, dass er sich mit einer Frau traf, die in einem seiner Filme mitspielte. Doch er versicherte mir, dass er an einer Schauspielerin als Partnerin nicht interessiert sei.“
Schauspielkarriere in den 80er-Jahren
Viel später spielte Priscilla Presley die Rolle der Jenna Wade in der Fernsehserie „Dallas“. „Die Filmcrew war großartig, wir hatten jede Menge Spaß. Leider sind schon viele der Schauspieler gestorben.“ Larry Hagman alias J. R. lud sie am Wochenende zu sich ein. „Doch jemand sagte mir, dass er am Sonntag nie reden würde. Und so war es tatsächlich. Er machte nur Gesten. Denn der Sonntag sei der Tag des Herrn und somit ein Ruhetag“, lacht die gebürtige New Yorkerin. Ihr komödiantisches Talent als Schauspielerin stellt sie dann in den 1980er- und 1990er-Jahren in der kultigen „Die nackte Kanone“-Reihe an der Seite von Leslie Nielsen unter Beweis.
In Bad Nauheim betont Bürgermeister Kreß derweil: „Seit Ende der 1950er-Jahre ist Elvis in der DNA der Kurstadt verankert.“ Er freue sich schon auf die nächste Begegnung mit ihm: Jährlich gibt es in Bad Nauheim ein Elvis-Festival mit Fans aus der ganzen Welt. Sie huldigen dem Star und halten ihn lebendig. Dieses Jahr treten vom 15. bis 17. August namhafte Cover-Bands auf, Elvis-Filme werden gezeigt und eine bunte Cadillac-Parade lässt die Herzen von Oldtimer-Fans höherschlagen. Und auch am Haus in der Goethestraße werden wieder viele Anhänger ganz bewusst vorbeipilgern.