Zitadelle Spandau
Gefängnis-Geschichten
In der öffentlichen Erinnerung ist vor allem das international als „Spandau Prison“ bekannte Gefängnis präsent – jenes, in dem sieben der in Nürnberg verurteilten Kriegsverbrecher ihre Haftstrafen verbüßten. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass das Gefängnis eine weitaus längere Geschichte hatte. Nach dem Suizid von Rudolf Heß im Jahr 1987 wurde das Gebäude abgerissen. Anlässlich des 80. Jahrestags des Kriegsendes widmet sich nun bis Mai kommenden Jahres eine Ausstellung im Zeughaus der Zitadelle der gesamten Geschichte vom Festungs- bis zum Kriegsverbrechergefängnis. Sie präsentiert nicht nur bisher selten oder noch nie gezeigte Objekte und Fotografien, sondern eröffnet durch Zeitzeugeninterviews neue Perspektiven. Zentrale Ereignisse der Gefängnishistorie werden durch Graphic Novels dokumentiert. Museumsleiterin Dr. Urte Evert erklärt: „Eine häufig gestellte Frage unserer Besucherinnen und Besucher lautet: ‚Und wo saß hier jetzt Rudolf Hess?‘ Die klare Antwort lautet: ‚Nirgends.‘ Doch das ist nicht der einzige Mythos um das Kriegsverbrechergefängnis, mit dem unsere Ausstellung ‚Spandau Prison‘ aufräumt.“
Informationen: www.zitadelle-berlin.de
Kampf ums Theater
Der Ausschuss für Weiterbildung und Kultur der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick fordert den Senat und das Abgeordnetenhaus auf, die geplante Streichung der Basisförderung für das Schlossplatztheater in Köpenick zurückzunehmen. Das Vorhaben würde auch den Fortbestand der Alten Möbelfabrik infrage stellen. Die Entscheidung der Jury, das Schlossplatztheater ab 2026 nicht weiter zu fördern, sei aus kulturpolitischer Sicht „in keiner Weise nachvollziehbar“, heißt es in der Resolution. „Die Versagung einer Fortsetzung der bisherigen Förderung erfolgt ohne Begründung und trifft ein Theater, das den Bezirk mit hoher Qualität und künstlerischer Innovationskraft geprägt und bereichert hat“, argumentiert der Bezirk. Die Sparmaßnahme des Landes gehe „auf Kosten einer herausragenden und lebendigen Kulturarbeit in einem Außenbezirk“. Treptow-Köpenick hat 300.000 Einwohner und profitiert bislang „nur eingeschränkt von der Hochkulturförderung des Landes Berlin“. Umso schwerer wiege dieser geplante Einschnitt.
Kulturverführung vom 14. August 2025
Literatur: Die Philipp-Schaeffer-Bibliothek lädt bis zum 29. August zu einer Ausstellung mit Lyrik-Empfehlungen für Kinder und Erwachsene ein. Zehn Lyrikexpertinnen und -experten wählen jährlich je einen deutschsprachigen und einen ins Deutsche übersetzten Gedichtband aus. Die seit 2013 herausgegebenen jährlichen Empfehlungen bieten im Rahmen dieser Ausstellung in den Räumen der Bibliothek eine Orientierungshilfe für Lyrikfans. Die Empfehlenden für die Lyrik-Bände der diesjährigen Ausstellung sind: Nico Bleutge (Lyriker, Kritiker), Marie Luise Knott (Autorin, Kritikerin, Übersetzerin), Christian Metz (Literaturwissenschaftler, Kritiker), Ronya Othmann (Schriftstellerin), Kerstin Preiwuß (Schriftstellerin), Ilma Rakusa (Lyrikerin, Übersetzerin, Kritikerin), Joachim Sartorius (Lyriker, Herausgeber, Übersetzer), Anja Utler (Lyrikerin, Essayistin, Übersetzerin), Norbert Wehr (Herausgeber, Kritiker) und Sam Zamrik. Die Lyrik-Empfehlungen werden herausgegeben von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett und der Literaturwerkstatt Berlin in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bibliotheksverband. Philipp-Schaeffer-Bibliothek, Brunnenstraße 181 in 10119 Berlin, Informationen: www.lyrik-empfehlungen.de
Festival: Zum zweiten Mal findet am 30. August das Feral Folk Festival auf der Freilichtbühne Weißensee statt. Dort werden neun internationale Singer-Songwriterinnen aus der Berliner Folk- und Alternative-Szene auftreten. Ursprünglich aus der Initiative „Pop im Kiez“ hervorgegangen, wird das junge Festival von den Briten Roxy Rawson und Cameron Laing organisiert. Das Festival versteht sich als „Plattform zur Sichtbarmachung herausragender Folk- und Folk-naher Künstler mit Schwerpunkt auf in Berlin ansässigen FLINTA-Künstlerinnen und -Künstler, um ihre Musik einem breiteren Publikum zu präsentieren“. FLINTA: „F“ steht für heterogene cis-Frauen, „L“ für Lesben und die weiteren Buchstaben für Menschen, die „I“ wie intergeschlechtlich, „N“ wie nichtbinär, „T“ wie trans sind. Dieses Jahr stehen auf der Bühne: James Michael Rodgers, Kiki Annette, Daisy Blind Man, Elsdeer, Rufus Coates & Jess Smith, Roxy Rawson, Kilkelly, Robert John Hope und Marla Moya. Freilichtbühne Weißensee, Große Seestraße 10, 13086 Berlin, Karten und Informationen: thefamousgoldwatch.com/feralfolkfestival
Ausstellung: Sommer, Kunst und Geschichte: Beim vierten Neukladower Pleinair 2024 traf zeitgenössische Kunst auf die Tradition der Pleinairmalerei im Gutspark Neukladow. Unter dem Motto „Zwischen Wasser und Licht“ entstanden Werke unter freiem Himmel – und sogar unter Wasser. Zu sehen sind sie nun bis zum 7. September in der Ausstellung des KunstNetzWerks Neukladow. Galerie Historischer Keller, Carl-Schulz-Straße 49/51, 13597 Berlin. Der Eintritt ist frei. Martin Rolshausen