Liam Neeson spielt 36 Jahre nach dem vorerst letzten Teil des Kult-Klassikers die Hauptrolle in der Neuauflage von „Die nackte Kanone“. Dabei verkörpert er Leslie Nielsens Sohn Frank jr. und wird „seinem Vater“ durchaus gerecht.
Frank Drebin ist zurück. Oder genauer gesagt: sein Sohn, Frank Drebin jr. Im Hinblick auf das Chaos, das er in der Neuauflage von „Die nackte Kanone“ anrichtet, steht er seinem Vater in nichts nach. Rund 36 Jahre nach dem dritten Teil der Original-Reihe mit Leslie Nielsen in der Hauptrolle hat Liam Neeson den Part des Ermittlers einer Spezialeinheit der Spezialpolizei übernommen. An seiner Seite: Pamela Anderson.
„Die nackte Kanone“ von 1988 gehört zu meinen Jugenderinnerungen – zu den positiven. Als ich vor ein paar Monaten hörte, dass es eine Neuauflage geben sollte, dachte ich gleich: „Oje, was wird das werden.“ Auch nach dem ersten Trailer war ich nicht überzeugt. Aber: Der Film funktioniert. Bei der Vorab-Vorführung für die Presse in Berlin war regelmäßig Lachen zu hören. Was angesichts der Arbeitsatmosphäre bei derartigen Screenings mehr als ungewöhnlich ist.
Simpler, brachialer Slapstick
Aber warum funktioniert der Film? Ganz offensichtlich haben sich die Macher um den Produzenten Seth MacFarlane und den Regisseur Akiva Schaffer intensiv damit beschäftigt, wie der Humor der drei alten Filme aus den Jahren 1988, 1991 und 1994 aufgebaut ist. Sie haben sich mit Sicherheit auch die bereits 1982 produzierte, in den USA gefloppte Serie „Police Squad“ angeschaut. Deren nur sechs Folgen kamen in Deutschland erst 1994 unter dem Titel „Die nackte Pistole“ ins Fernsehen. Eine direkte Hommage an diese Serie sehen wir ganz am Ende des Films.
Das Erfolgsrezept der „Nackten Kanone“ ist eine Mischung aus simplem, fast schon brachialem Slapstick, etwa wenn Frank Drebin mit dem Auto mal wieder irgendwo dagegen fährt oder ihm immer wieder – zum Teil aus dem Nichts– ein Becher Kaffee gereicht wird. Die eher groben Elemente sind kombiniert mit Wortspielen und mit Gags, die sich im Hintergrund der Handlung abspielen– und von denen man einige erst nach mehrmaligem Anschauen des Films mitbekommen dürfte. Anspielungen auf andere Filme gehören ebenfalls dazu. So wird in dem neuen Film unter anderem die Krankenhausszene aus „Mission Impossible – Fallout“ (2018) kopiert – und dabei gnadenlos überzeichnet.
Untrennbar mit der „Nackten Kanone“ verbunden ist natürlich Leslie Nielsen (gestorben 2010 im Alter von 84 Jahren), der den Chaos-Polizisten Frank Drebin in den 1980er- und 90er-Jahren spielte. Ursprünglich war Nielsen ein ernsthafter Schauspieler. Er spielte zum Beispiel 1956 in „Alarm im Weltall“ einen Raumschiff-Kommandanten und 1972 in dem Katastrophenfilm „Die Höllenfahrt der Poseidon“ den Kapitän des Schiffs. „Die nackte Kanone“ wurde dann 1988 zum Wendepunkt seiner Karriere. Er wurde richtig bekannt – und spielte im Anschluss eigentlich nur noch in Komödien mit.
Leslie Nielsens große Fähigkeit war es, den größten Blödsinn in völlig ernster Haltung von sich geben zu können. Man nimmt ihm ab, dass er es grundsätzlich gut meint, auch wenn er meist haarsträubendes Chaos stiftet. Genau das gelingt auch Liam Neeson. Wie Nielsen war auch er bislang vor allem in ernsthafteren Rollen zu sehen. Als Oscar Schindler in „Schindlers Liste“ (1993) etwa oder als abgehalfterter ehemaliger Polizist in „The Commuter“ (2018).
Vom alten Team ist bei dem Film kaum jemand dabei. Obwohl von dem legendären Filmemacher-Trio David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker noch die beiden Zucker-Brüder am Leben sind. Immerhin hat Priscilla Presley, die damals die weibliche Hauptrolle spielte, einen Auftritt. Und auch der Komiker „Weird Al“ Yankovic ist wieder kurz zu sehen.
Die Handlung ist eher Nebensache
Um es klar zu sagen: Der neue Film hat auch seine Schwächen. Stellen, an denen man nicht so recht lachen kann, die man vielleicht besser weggelassen hätte. Aber ganz ehrlich: Die gab es in den alten Filmen auch. Und entzweit hat die Kritiker „Die nackte Kanone“ auch schon immer. Der anarchische Humor der Filme ist nun mal nicht jedermanns Sache.
Ach so, die Handlung. Besonders wichtig ist die eigentlich nicht. Aber bitte schön: Es geht natürlich wieder einmal um die Rettung der Welt. Gleich zu Beginn des Films muss Frank Drebin bei einem Bankraub eingreifen – verkleidet als kleines Mädchen. Aus einem Schließfach wird ein elektronisches Gerät mit der Aufschrift „P.L.O.T. Device“ gestohlen, das im Verlauf des Films noch eine besondere Rolle spielen wird. Im Anschluss muss Drebin einen Verkehrsunfall untersuchen. Hier kommt die Autorin Beth Davenport (Pamela Anderson) ins Spiel, die Schwester des vermeintlichen Unfallopfers. Sie ist davon überzeugt, dass ihr Bruder ermordet wurde. Gemeinsam nehmen Drebin und Davenport eine Spur auf, die zu dem Milliardär Richard Cane (Danny Huston) führt. Er baut Elektroautos, betreibt einen Nachtclub und hat noch ganz andere, finstere Pläne.