Das also war sie, die Ferienzeit, mit einem hoffentlich erholsamen und schönen Urlaub. Gelegentlich soll so ein Urlaub unverhofft zu schön werden – und ungeplant teuer. Sollte sich Ihre Bank deshalb demnächst melden, entlassen Sie einfach den Bankchef und kündigen an, „in den nächsten Tagen“ eine Nachfolge zu bestimmen. Es gebe bereits „einige wunderbare Kandidaten“. Drohenden Ermittlungen oder Einweisung zu einer ärztlich-psychologischen Behandlung entgehen sie einfach mit dem Hinweis, so seien nun mal die neuen internationalen Spielregeln. Schließlich macht das der König von Amerika auch so.
Wenn Zahlen und Fakten nicht gefallen, müssen halt „alternative Fakten“ her, war schon zu dessen erster Amtszeit Leitmotiv. Ein Wort, dass wir endlich aus der Schmuddelecke rausholen müssen, in der es seit der Kür zum „Unwort des Jahres“ (2017) schmort.
Inzwischen ist die Erfindung alternativer Fakten fast Gewohnheitsrecht.
Da erzählen einem Leute die absurdesten Verdrehungen mit so ernster Miene, dass es keine Zweifel mehr zulässt und falls doch: Alle anderen Fakten sind ja sowieso nur von „gewissen Leuten“ gesteuert. Warum funktioniert das so super? Und wo enden wir, wenn wir alle Tatsachen über den Haufen schmeißen und sich jeder seine Wahrheit bastelt?
Ich stelle mir vor, ein Architekt berechnet den Entwurf für ein Haus auf Basis von „alternativen Fakten“. Naheliegend, dass einem eine uralte Erzählung einfällt. Nur geht es nicht um einen Turmbau (zu Babel) oder ein paar Tower, sondern schlicht um die Grundlagen unseres Zusammenlebens, die zerbröseln. Was ein ziemlich beachtlicher Teil von Menschen auch hierzulande im Übrigen ziemlich lustig findet.
Das alles ist ausreichend oft beschrieben und viel Kluges gesagt worden, wie und warum das funktioniert, und Faktenchecking, so nötig es ist, so wenig ausrichtet.
Vielleicht hilft, auf Gegen-Lustig-Machen zu schalten. Was zugegebenermaßen nicht leicht ist bei all den Realsatirikern. Witz und Satire haben Fürsten und Könige immer schon gereizt. Das löst zwar kein Problem, aber vielleicht das verkrampfte Gefühl, dem sei nicht beizukommen. Und uns nicht ständig kirre machen lassen. Am Ende, siehe Babel, zählen doch die echten Fakten.