Vor ausverkauftem Haus hat der 1. FC Kaiserslautern den FC Schalke 04 mit 1:0 besiegt und damit den ersten Dreier der neuen Zweitliga-Saison eingefahren. Kapitän Marlon Ritter verwandelte einen Elfmeter. Spielerisch ist noch viel Luft nach oben.
Der zweite Spieltag der 2. Bundesliga brachte für den 1. FC Kaiserslautern den ersehnten Befreiungsschlag. Nach der Auftaktniederlage in Hannover gelang den Pfälzern am Freitagabend vor 49.327 Zuschauern im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion ein 1:0-Sieg gegen den FC Schalke 04. Das Tor des Abends erzielte Kapitän Marlon Ritter per Strafstoß in der 55. Minute – ein Treffer, der den Betzenberg beben ließ. Trainer Torsten Lieberknecht hatte seine Startelf auf drei Positionen verändert: Jisoo Kim, Mika Haas und Daniel Hanslik rückten neu ins Team. Ivan Prtajin und Kenny Redondo standen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung, Jan Elvedi begann auf der Bank. Auch Neuzugang Naatan Skyttä gehörte erstmals zum Aufgebot.
Der FCK startete engagiert und setzte früh ein Ausrufezeichen: Bereits in der zweiten Minute tauchte Hanslik aus spitzem Winkel vor S04-Keeper Loris Karius auf, dessen gute Parade den Rückstand für die Gäste verhinderte. Schalke fand nur langsam ins Spiel, und auch Kaiserslautern konnte den Schwung der Anfangsphase nicht dauerhaft halten. Fehlpässe auf beiden Seiten prägten die erste Hälfte, das Geschehen verlagerte sich zunehmend ins Mittelfeld.
Die größte Aufregung vor der Pause entstand nach einem Fehlpass von FCK-Verteidiger Maxwell Gyamfi, der Moussa Sylla den Ball in den Fuß spielte. Gemeinsam mit Torwart Julian Krahl konnte Gyamfi die Situation jedoch bereinigen (33.). So ging es mit einem 0:0 in die Kabinen.
Kurz nach dem Wiederanpfiff dann die Schlüsselszene: Nach einer Ecke von Ritter kam Hanslik im Strafraum zu Fall, getroffen von Ron Schallenberg. Schiedsrichter Martin Petersen ließ zunächst weiterspielen, wurde jedoch wenig später vom Video-Assistenten auf die Situation aufmerksam gemacht. Nach Ansicht der Bilder entschied Petersen auf Elfmeter. Ritter übernahm die Verantwortung und schickte Karius in die falsche Ecke – 1:0 für den FCK (55.). „Es gibt nichts Schöneres, als einen Elfmeter vor dieser Kurve zu schießen“, erklärte der Kapitän später.
Nur wenige Minuten später bot sich die große Gelegenheit zum 2:0. Mahir Emreli zögerte jedoch einen Moment zu lange, sodass ein Schalker Verteidiger noch klären konnte (62.). Schalke reagierte mit mehr Offensivdrang, doch Kaiserslautern stand kompakt und ließ nur wenige Möglichkeiten zu. Trainer Lieberknecht lobte nach dem Abpfiff: „Wir hatten die Bereitschaft, alle Wege mitzugehen, und standen insgesamt in der Verteidigung bombensicher. Wenn es gefährlich wurde, dann meist nach Einwürfen oder Standards.“
In der 81. Minute brachte Lieberknecht Leon Robinson für die Schlussphase. Nur Sekunden nach seiner Einwechslung sah der Verteidiger Rot für ein Foul an Janik Bachmann – erneut griff der VAR ein. Nach Sichtung der Bilder korrigierte Petersen die Entscheidung auf Gelb. Diese Szene und die ohnehin knappe Führung heizten die Stimmung weiter an.
Wegen der neuen Nachspielzeit-Regelung kamen am Ende zwölf Minuten obendrauf – das Ziel der DFL ist es, die Nettospielzeit auf etwa 60 Minuten zu erhöhen, in der Vorsaison lag sie bei 57:30 Minuten. Schalke warf in dieser Phase alles nach vorne, blieb aber weitgehend ungefährlich. In den letzten Sekunden hatte Faride Alidou die Entscheidung auf dem Fuß, setzte den Ball jedoch frei vor Karius über das Tor. Kurz darauf beendete Petersen die Partie, und der Betzenberg feierte den ersten Saisonsieg.
Leidenschaft und Geschlossenheit
Lieberknecht zeigte sich erleichtert: „Der erste Dreier ist immer der schwierigste. Heute haben wir uns im Vergleich zur Vorwoche offensiv verbessert und defensiv sehr gut präsentiert. Fabian Kunze hat im Mittelfeld unglaublich viele Bälle geholt, und auch Spieler wie Gyamfi, Kim und Haas haben stark verteidigt.“ Für Mika Haas war es ein besonderes Spiel: Der 21-Jährige, gebürtiger Lauterer, bestritt sein erstes Pflichtspiel im heimischen Stadion. „Atemberaubend“ nannte er die Atmosphäre vor fast 50.000 Fans – und durfte direkt einen Sieg feiern. Auch Ritter hob den Unterschied zum Auftaktspiel hervor: „Man hat gesehen, dass wir es besser können als in Hannover. Wir haben heute kompakt gestanden, dem Gegner wenig Räume gegeben und vorne unsere Chance genutzt.“
Schalke-Trainer Miron Muslic erkannte die Niederlage an: „Der Strafstoß war berechtigt. Das war der Moment, den Kaiserslautern gebraucht hat, um den Betzenberg zum Kochen zu bringen.“ Schalkes Schallenberg, Verursacher des Elfmeters, meinte: „Vom Gefühl her war es für mich ein 0:0-Spiel.“ Der Sieg brachte den FCK auf Tabellenplatz elf, punktgleich mit Schalke, das Rang neun belegt. Viel wichtiger als die Platzierung ist jedoch das gewonnene Selbstvertrauen. Nach dem verpatzten Auftakt setzten die Pfälzer ein Zeichen, dass sie in dieser Saison mit Leidenschaft und Geschlossenheit bestehen wollen. Vor allem die Defensivleistung dürfte Mut machen. Gegen Hannover hatte Kaiserslautern noch zu viele Räume gelassen, diesmal standen die Ketten enger, die Zweikämpfe wurden konsequenter geführt. Auch das Umschaltspiel funktionierte besser, wenngleich die Chancenverwertung ausbaufähig bleibt.
In den kommenden Wochen warten wichtige Aufgaben: Am nächsten Sonntag geht es in der ersten Runde des DFB-Pokals zum Oberligisten RSV Eintracht aus Stahnsdorf. Anpfiff ist um 15.30 Uhr im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam. In der Liga steht danach das Auswärtsspiel bei der SV Elversberg an (Freitag, 23. August, 18.30 Uhr). Schalke trifft tags darauf zu Hause auf den VfL Bochum. Mit dem knappen Erfolg gegen Schalke hat der FCK nicht nur drei Punkte geholt, sondern auch gezeigt, dass er in engen Spielen bestehen kann. Leidenschaft, defensive Stabilität und die Unterstützung eines frenetischen Publikums – diese Mischung könnte auch in den kommenden Wochen zum Schlüssel werden. Für den Moment jedoch zählt vor allem eines: Der erste Saisonsieg ist unter Dach und Fach.