Das Cover von „Glory“ ist erstaunlich. Es hat wenig von Glanz und Gloria, Pracht oder Sieg. Mike Hadreas, der sich als Künstler Perfume Genius nennt, liegt derangiert am Boden. Ein idyllischer Fensterblick nach draußen ins Grüne kontrastiert diese Pose genauso wie das erschreckend unbeteiligt wirkende Beisein von Alan Wyffels, Hadreas’ musikalischem Partner und Lebensgefährten. Wer diese Inszenierung als (wenn auch etwas irritierendes) Kunstwerk erlebt, greife bevorzugt zum Vinyl.
Eine Hörprobe sollte das Album indes auch jenen wert sein, die dieser Art von optischer Ästhetik weniger zugeneigt sind. Denn wer bei sensiblem, melodisch bezauberndem Singer-Songwriter-Folk à la Bon Iver, Phoebe Bridgers oder Lana Del Rey dahinschmilzt, dürfte es nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei den Klängen von „Glory“ tun.
Erneut braucht es nicht sehr viel, um das Repertoire von Perfume Genius zum Strahlen zu bringen – brauchte es ja noch nie. Ein paar sanfte Gitarrenakkorde, ein dezenter Basspuls, feine Klavierakkorde, Akzente von Flöte und Geige. Und im Zentrum dieser Weisen steht unaufgeregt diese wundersam filigrane Stimme. Aldous Hardings fabelhafter Gastgesang fügt sich mühelos ein. „Glory“ klingt wie eine Versöhnung mit der persönlichen Vergangenheit des Künstlers. Und das ist vielleicht das explizit Glorreiche daran. Als bereits in seiner Jugend geouteter homosexueller Mensch erlitt Hadreas Mobbing und Gewalt.
Auch die elterliche Trennung war zu verkraften. So steht auch eine Alkohol- und Drogensucht im Lebenslauf. Seit 2010 hilft offenkundig die Musik bei der Entwicklung von Resilienz und Perspektive. „Queen“ entwickelte sich 2014 – produziert von Portishead Adrian Utley – zur queeren Hymne.
Sechs lohnende Alben sind erschienen, „Glory“ fügt sich nahtlos ein, wird aber bereits jetzt vielerorts als Meisterwerk des Barden gewertet. Alles, was bereits da war an Finesse und Emotion, scheint hier noch verdichtet.
Das Werk startet mit ungewohnt kraftvollem Indie-Pop, bezaubert mit Balladen-Schmacht und endet mit Art-Pop. Alles davon berührt die Seele.