Oder: Wenn die Brühgruppe den Dienst verweigert
Im Büro zu Hause wird nichts geleistet? Von wegen: Heimwerkerinnen engagieren sich nebenher in Brühgruppen. Und das ist vertrackt: „Brühgruppe fehlt“, verkündet die LED-Anzeige. Dabei rufen alle Sinne nach Kaffee. Maschine zerlegen und wieder zusammensetzen hilft. Diesmal nicht. Die „fehlende“ Brühgruppe im Kaffeeautomaten verharrt fest an ihrem Platz: Sie klemmt.
„Brühgruppe fehlt“, beharrt der Geist hinter dem Display des Vollautomaten. Ich klopfe sanft, kippe das Gerät leicht, stelle es schließlich auf den Kopf. Die üblichen Tricks helfen nichts. Regeneration, Kaffee und ein erlösendes „Om“ fehlen weiter. Allein die Brühgruppe ist – aller Gegenrede zum Trotz – da. Ihr Ende? Oder schickt die Heimwerkerin einen flüssigen Roboter los, der sich sicher auch durch Engstellen der Brühgruppe winden kann? So einen wie den Cyborg T-1000 aus „Terminator 2“? Ein reales, formwandelndes Mini-Maschinchen, das auf ersten Erkundungstouren mit superhydrophoben Partikeln unterwegs ist?
Den gummiartigen Roboter haben Forscher der Gachon University und der Seoul National University entwickelt. Der Anschleimer lässt sich nicht aufhalten. Was ihn bewegt, ist Ultraschall. Der Particle-armored liquid roBot” (PB) soll sich frei verformen, teilen, zusammenfügen und sogar fremde Substanzen verschlingen und wegtransportieren. In „Science Advances“ berichteten die Wissenschaftler von den partikelgepanzerten Flüssigkeitsrobotern und deren Talenten, wie dem „Überqueren von Wasser- und Landgrenzen sowie dem nahtlosen Verschmelzen, um sich an neue Betriebsanforderungen anzupassen“. Diese Fähigkeiten würden den Nutzen von Robotern in unvorhersehbaren und sich dynamisch verändernden Umgebungen erheblich steigern.
Ob sich ein so toller Typ für die Brühgruppe der Heimwerkerin begeistern kann? Eher nicht. Gehen wir also weiter zu körperloser Künstlicher Intelligenz und schauen, ob KI zu unserer Brühgruppe und ihren Problemen passt. Denn Forschende des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK entwickeln mit Partnern ein bewertendes KI-Assistenzsystem: Eignen sich Kühlschränke, Waschmaschinen und Co. fürs „Refurbishment“, also für Check, Aufhübschen und Reparatur? Oder haben sie komplett ausgedient und müssen recycelt werden?
„Die App leitet den Nutzer an, Fotos von den Geräten aus verschiedenen Perspektiven zu machen und einige zusätzliche Details zu liefern, die die KI dann verarbeitet“, erklärt Vivek Chavan vom Fraunhofer IPK. Ziel zum Projektstart 2023 war es, Haushaltsgeräte mit einer Genauigkeit von mindestens 97 Prozent identifizieren und bewerten zu können. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass dies machbar ist“, verrät Chavan. Projektende ist 2026.
Zurück zu unserer Brühgruppe und ähnlich komplexen Konstellationen: Kann die KIKERP-KI-App auch helfen, zu entscheiden, ob ein defektes Elektrogerät repariert werden kann, statt es zu recyclen? „Ja, die KI-App beziehungsweise der Service ist als Assistenzsystem gedacht, das das Produkt identifizieren und den Zustand des Geräts bewerten kann“, sagt der Fraunhofer-Experte. Die Entscheidung, ob das Gerät recycelt oder aufgearbeitet werden soll, hänge vom optischen Zustand sowie vom Zustand der einzelnen Komponenten ab. „Der Wert liegt darin, dass der Nutzer mit minimalem Aufwand ein gutes Verständnis für seine Geräte bekommt. Dadurch soll die Fehleinordnung von Geräten, die noch repariert werden können, minimiert werden.“
So könnte ein nörgelnder Kaffeeautomat, frisch repariert, wieder Erquickendes zubereiten. Statt nur in Form recycelbarer Einzelteile weiter zu existieren. Zum Kaffee aus einer instandgesetzten Brühgruppe passt ein RoboCake: Ein solcher war auf der Expo in Osaka zu sehen. Die Torte krönten zwei Gummibärchen: Tatsächlich handelte es sich bei den bewegbaren Fruchtgummi-Figürchen um Roboter aus dem Projekt „RoboFood“. Ihr Nachhaltigkeitsziel ist dasselbe wie das von essbaren Nahrungsliefer-Drohnen aus demselben EU-Projekt: Elektroschrott durch Aufessen vermeiden.
Über das Auffuttern von Elektroschrott wird noch zu sprechen sein. Das nächste Treffen mit der mäkeligen Brühgruppe kommt bestimmt.