Aufsteiger BFC Preussen sieht die Regionalliga Nordost als Durchgangsstation. Zwischen ehrgeizigen Fünfjahresplänen, großen Stadionträumen und einem runderneuerten Kader will der Club beweisen, was sportlich und infrastrukturell in ihm steckt.
In dem Zitat von Pierre Seiffert schien wieder mal das Selbstverständnis des Vereins durch, der offenbar keine Grenzen zu kennen scheint – seien sie nun sportlicher oder finanzieller Natur. „In fünf Jahren in die 3. Liga“ hieß es in der Überschrift eines Beitrags bei kicker.de just einen Tag vor dem ersten Spiel der Vereinsgeschichte des BFC Preussen in der Regionalliga Nordost – nachdem man zuvor gerade zweimal hintereinander aufgestiegen war.
Dass der Neuling aus Berlin-Lankwitz langfristig sehr ambitionierte Ziele verfolgt, ist allerdings nicht erst seit gestern bekannt – dafür plant man bei Preussen (die sich schon seit ihrer Gründung 1894 mit „Doppel-s“ schreiben) eben auch entsprechend im Voraus. Und: In dem Interview wies der Sportliche Leiter auch klar darauf hin, dass am Ende der Saison 2025/26 schlicht erst einmal der Klassenerhalt stehen soll. Allerdings macht man im Süden der Hauptstadt auch keinen Hehl daraus, dass Ziele gelegentlich schon mal „übererfüllt“ werden.
Bereits im Voraus planen
Zum zweiten Aufstieg in Folge merkte Seiffert jedenfalls an: „Ein Traum: Wahnsinn, was die Mannschaft geleistet hat, dieser Aufstieg war noch gar nicht geplant.“ Der Erfolg setzte die Verantwortlichen in der Spielpause aber auch unter Druck, denn für die Teilnahme an der Regionalliga Nordost waren erste Umbaumaßnahmen am Preussen-Stadion erforderlich – und an ihrer traditionellen Heimspielstätte wollten sie unbedingt bleiben.
Doch worauf etwa Vorjahresaufsteiger FC Hertha 03 aus demselben Bezirk (Steglitz-Zehlendorf) im Ernst-Reuter-Sportfeld heute noch wartet und deshalb seine Partien auch diese Saison hauptsächlich im Stadion Lichterfelde austragen muss, erledigte man die nötige Abzäunung im Preussen-Stadion binnen weniger Wochen. Die Spielstätte an der Malteserstraße hat für die „Adler“ aber eben auch einen entscheidenden Vorteil: Als einzige in Berlin ist sie in Vereinsbesitz, womit man sich zähe Verhandlungen mit der Lokalpolitik sparen kann.
Bleibt aber immer noch die Frage nach der (Eigen-)Finanzierung: Wie kann der Verein sich eine solche Ausgabe (und einige andere) leisten, wenn etwa zum Regionalligadebüt gegen den FC Eilenburg 560 und im Aufstiegsjahr 2024/25 durchschnittlich 300 Besucher kamen? Doch in dieser Frage verhalten sich die Verantwortlichen eher nach dem Motto „Über Geld spricht man nicht“ – was die Spekulationen bei der Berliner Fußballkonkurrenz natürlich anheizt, bis hin zur missgünstigsten Form, dass der BFC Preussen Geld von einem lokalen Berliner Clan erhalte. Das hat der Sportliche Leiter jedoch schon so oft dementiert, dass es ihn, so Seiffert, inzwischen schon nicht mal mehr nerve.
Verbunden ist der „Fünfjahresplan“ dabei mit noch einem viel größeren Projekt: Da man auch in der 3. Liga das Areal in Lankwitz bespielen will, soll dort ein rundum saniertes Stadion mit 4.000 Plätzen entstehen. In dem gesamten Komplex mit dem plakativen Titel „Preussenarena 3.0“ wird mit einem neuen Funktionsgebäude, Sporthotel, zwei Sporthallen, einem Beachvolleyballfeld und einer Kita aber auch wieder ganz groß gedacht – inklusive der dafür vom Präsidium in den Raum gestellten Kosten von 70 Millionen Euro. Aber durch den erwähnten Faktor des Geländes in Vereinsbesitz kann man die Unterstützung durch externe Investoren sowie etwaige Fördergelder eben selbst aushandeln und dabei mit entsprechendem Verhandlungsgeschick „günstig“ wegkommen.
Dennoch steht über allem, dass der BFC Preussen sportlich parallel zur Infrastruktur mitwächst. So hat man vor der Saison einen gewaltigen Schnitt im Kader vollzogen, weil man auch die Notwendigkeit der Veränderung in den sportlichen Bedingungen erkannte. „Wir sind auch auf zusätzliche Trainingszeiten am Vormittag gegangen, und die Leute, die berufstätig sind, konnten natürlich diesen Weg nicht mitgehen, was auch vollkommen verständlich ist“, erläutert Seiffert dazu.
Resultat: Allein 15 Spieler mit Regionalligaerfahrung kamen im Sommer – dem Vernehmen nach ablösefrei – hinzu. Die Startelf zum Auftakt gegen den FC Eilenburg (2:2) soll es auf über tausend Einsätze in der vierten Spielklasse gebracht haben.
Optimistisch trotz erster Niederlage
Im Tor scheint sich dabei der zuletzt gekommene Steffen Westphal (26, von SF Lotte / RL West) gleich auf Anhieb als Nummer eins durchgesetzt zu haben, die Abwehrzentrale steht dazu mit dem hünenhaften Lenny Stein (29) und dem vom amtierenden Staffelmeister Lok Leipzig verpflichteten Adrian Kireski (24).
Im Mittelfeld sind die sehr erfahrenen Niklas Brandt (33, vom Greifswalder FC) und Philip Fontein (31, SF Lotte) bereits feste Größen, auch der junge Alexander Dikarev (20, Viktoria Berlin) gehört dort bislang zum Stammpersonal. Offensiv sorgt Shean Mensah (25, VSG Altglienicke) auf der Außenbahn für Wirbel und hat auch schon beim 2:0-Sieg gegen Hertha 03 getroffen, dazu bleibt Kapitän Patrick Breitkreuz auch ohne Torerfolg weiter unersetzbar.
Trotzdem hakt es bei den Stürmern noch, da der als Ersatz für Pedro Vitor Cruz Magalhaes (2024/25: 20 Saisontore) verpflichtete Gobé Gouano bis dato nur in der Vorbereitung traf. So gehörte der 24-jährige Franzose, der aus der
2. bulgarischen Liga nach Berlin wechselte und als Talent schon einen Einsatz in der Champions League für AS Monaco verzeichnen konnte, auch im dritten Spiel gegen den BFC Dynamo (1:2) nicht mehr zur Startelf von Daniel Volbert.
Der Preussen-Trainer zeigte sich dabei trotz der ersten Saisonniederlage nicht geknickt: „Eilenburg und Hertha 03 sind ja schon Mannschaften, die eher um den Klassenerhalt spielen – Dynamo ist da schon eine andere Liga. Trotzdem haben wir gesehen, dass wir ganz gut mithalten konnten.“
Im Staff steht dem 52-jährigen Coach dabei mit Ex-Bundesligaprofi Thorben Marx (44, früher unter anderem Hertha BSC, Gladbach) ein prominenter Name zur Seite –
das gilt auch für Marko Rehmer (35 A-Länderspiele, unter anderem Bundesliga für Hertha BSC, Hansa Rostock), der dem Verein als Berater dient.
Also auch im operativen Bereich gilt bei Preussen, dass man sich keine Grenzen setzt. So sagt der Trainer für diese Spielzeit dann auch: „Wir brauchen noch eine Weile, aber zur Rückrunde haben wir eine sehr, sehr schlagkräftige Mannschaft – da bin ich mir sicher.“ Klingt ganz so, als sollte der Klassenerhalt in der ersten Saison in der Regionalliga problemlos gelingen.