Der FC 08 Homburg zeigt im DFB-Pokal gegen den Zweitligisten Holstein Kiel zwei Gesichter. Nach einer mutlosen ersten Halbzeit steigern sich die Grün-Weißen deutlich, können die Niederlage aber nicht verhindern. Der Favorit zieht in die nächste Runde ein.
Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze. Das galt auch am Sonntagabend im Waldstadion, wo der Südwest-Regionalligist FC 08 Homburg den Bundesliga-Absteiger Holstein Kiel empfing. Vor 5.123 Zuschauern, darunter rund 800 mitgereiste Fans aus dem hohen Norden, hoffte der Regionalligist auf eine Überraschung. Am Ende blieb es beim Hoffen. Die Saarländer verloren nach einer disziplinierten, aber zu harmlosen Vorstellung mit 0:2 (0:1) und verabschieden sich damit aus dem Wettbewerb.
Schon vor dem Anpfiff war die Stimmung im altehrwürdigen Stadion prächtig. Die Zuschauer machten klar, dass sie ihre Mannschaft im Duell mit dem Favoriten tragen wollten. Trainer Roland Seitz hatte vor der Partie angekündigt, keinen Angsthasenfußball spielen zu lassen, sondern mutig aufzutreten. Drei Änderungen nahm er nach dem 3:5 in Freiburg II in seine Startelf auf: Schumann, Littmann und Baum standen für Steinhardt, Steinmetz und Qenaj in der Anfangsformation. Auf Kieler Seite rotierte Trainer Marcel Rapp nach der Niederlage gegen Bielefeld gleich auf sechs Positionen. Besonders beachtet wurde dabei die Rückkehr von Phil Harres, der in der vergangenen Saison noch für Homburg gespielt hatte und nun im Dress der Gäste auflief.
Nach dem Anpfiff von Schiedsrichter Assad Nouhoum entwickelte sich zunächst eine offene Partie. Beide Teams versuchten, früh Akzente zu setzen, ohne dabei ins Risiko zu gehen. Homburg stand hoch, presste mutig, während Kiel versuchte, über die Flügel Harres mit Flanken in Szene zu setzen. Doch klare Chancen blieben zunächst aus. Erst in der 17. Minute kam es zur ersten gefährlichen Szene – und ausgerechnet Harres war daran beteiligt. Sein Freistoß aus 18 Metern zwang Homburgs Torhüter Michael Gelt zu einer starken Parade, der den Ball gerade noch über die Latte lenkte. Es wäre eine bittere Pointe gewesen, hätte der ehemalige Homburger seinen neuen Club früh in Führung gebracht.
Nur wenige Minuten später war es dann aber so weit: Jonas Therkelsen setzte sich auf der linken Seite durch, tunnelte Verteidiger Littmann und legte den Ball zurück. Am Strafraum lauerte Neuzugang John Tolkin, der aus acht Metern zur 1:0-Führung traf. „Es war mein erstes Pokalspiel in Deutschland und hat viel Spaß gemacht. Natürlich war es wichtig für uns, ein frühes Tor zu erzielen. Es war ein besonderer Moment für mich, mein erstes Tor für Holstein zu erzielen“, beschrieb der Torschütze die Szene nach der Partie.
Das 0:1 wirkte wie ein Dämpfer für die Gastgeber, die nun Schwierigkeiten hatten, ins Spiel zurückzufinden. Kiel drückte auf das zweite Tor, erspielte sich Eckball um Eckball und kontrollierte das Geschehen. „Wir haben in der ersten Halbzeit gut gespielt, weil es uns immer wieder gelungen ist, im Mittelfeld die Überzahl auszuspielen, hinter die letzte Kette zu kommen und Abschlüsse zu generieren“, analysierte Offensivmann Steven Skrzybski. „Das haben wir nach der Pause leider nicht mehr geschafft. Es muss das Ziel sein, die gesamte Zeit so zu spielen wie in der ersten Halbzeit.“
Homburg dagegen wirkte gehemmt. Lange Bälle verpufften, klare Aktionen in der Offensive blieben aus. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit wagten sich die Grün-Weißen etwas weiter nach vorne, ohne jedoch gefährlich zu werden. Das 0:1 zur Pause war verdient und spiegelte den Unterschied zwischen Regionalliga und 2. Liga deutlich wider.
Youngster Jörg brachte Schwung
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild jedoch. Homburg kam wacher und aggressiver aus der Kabine. Trainer Seitz hatte seine Mannschaft offensichtlich eingeschworen, denn die Grün-Weißen attackierten früher und suchten nun vermehrt die direkten Duelle. Kiel blieb zwar gefährlich, wie ein Distanzschuss von Skrzybski direkt nach Wiederanpfiff zeigte, doch Homburg war nun deutlich präsenter.
Auch Torhüter Michael Gelt rückte in den Fokus, als er mehrere Male stark parierte, darunter einen Kopfball von Harres nach einer Flanke. Der Ex-Homburger hätte hier fast das 2:0 erzielt, scheiterte aber am gut reagierenden Keeper. Harres selbst beschrieb die Partie so: „Ich habe mich sehr gefreut, wieder hier sein zu dürfen. Mit einem Sieg war es natürlich umso schöner. Wir haben gut ins Spiel gefunden, sind dominant aufgetreten und haben die Führung erzielt. Wir wollten schnellstmöglich nachlegen, was uns gegen einen sehr motivierten Gegner nicht gelungen ist. Aber wir haben die Null gehalten. In der Schlussphase hat Homburg noch einmal gedrückt, aber wir haben die Angriffe gut wegverteidigt.“
Die Grün-Weißen ihrerseits schöpften Mut aus ihrer Leistungssteigerung. Mit jeder Minute wuchs das Selbstvertrauen, und die Zuschauer unterstützten die Mannschaft lautstark. Besonders der eingewechselte Nicholas Jörg brachte Schwung ins Spiel, setzte zu Dribblings an und brachte die Kieler Defensive in Bedrängnis. Die beste Chance vergab Markus Mendler, als er in der Nachspielzeit über das Tor schoss. „In der zweiten Halbzeit haben wir dann ein anderes Gesicht gezeigt. Da haben wir es über den gesamten Platz fast im Mann gegen Mann verteidigt, da hatte Kiel große Probleme. Es wäre durchaus verdient gewesen, in der zweiten Halbzeit den Ausgleich zu machen“, fasste Mendler die Partie zusammen.
Während Homburg alles nach vorne warf, blieb Kiel abgeklärt. Zwar verloren die „Störche“ zeitweise die Kontrolle, doch die Defensive hielt stand. „Nach der Pause ist uns das nicht mehr so gut gelungen. Das werden wir analysieren. Entscheidend ist am Ende, dass wir das Spiel gewonnen haben und eine Runde weitergekommen sind“, meinte Abwehrmann Carl Johansson nüchtern. In der neunten Minute der Nachspielzeit fiel schließlich die Entscheidung. Nach einem Konter tauchte der eingewechselte Alexander Bernhardsson frei vor Gelt auf und schob zum 2:0-Endstand ein. Kiel feierte den Einzug in die zweite Runde, während die Homburger Spieler enttäuscht auf dem Rasen saßen.
Für Holstein Kiel war es ein Pflichtsieg, auch wenn nicht alles nach Wunsch lief. „Wir wollen dieses Momentum mit in die kommenden Ligaspiele nehmen“, sagte Johansson. Für Homburg hingegen war es eine Niederlage, die trotz des Ausscheidens Mut machen könnte. Denn die zweite Halbzeit zeigte, dass die Mannschaft gegen einen Zweitligisten mithalten kann – wenn sie mutig auftritt. „In der ersten Halbzeit waren wir nicht mutig genug“, sagte Mendler, „aber in der zweiten Halbzeit haben wir gezeigt, was möglich ist.“ Am Ende blieb es bei einer Niederlage, die in erster Linie durch die schwache Anfangsphase zustande kam. Doch die Fans honorierten den Einsatz nach der Pause mit Applaus. Nun gilt die volle Konzentration wieder der Regionalliga.