Mit einem knappen 1:0-Erfolg beim SSV Ulm 1846 hat die SV Elversberg die erste Hürde im DFB-Pokal genommen. Joker Felix Keidel avancierte zum Matchwinner. Doch die Partie im Donaustadion war ein Abbild davon, wie eng es im Pokal zugehen kann.
Es war ein lauer Sommerabend im Donaustadion, die Kulisse gut gefüllt, die Stimmung aufgeheizt. Für die SV Elversberg ging es nach der 0:2-Niederlage am zweiten Spieltag in Bochum darum, schnell wieder Tritt zu fassen.
Trainer Vincent Wagner setzte auf drei personelle Veränderungen gegenüber dem Ligaauftakt: Florian Le Joncour, Lukasz Poreba und Younes Ebnoutalib rückten in die Startelf, während Maximilian Rohr, Carlo Sickinger und Luca Schnellbacher zunächst draußen blieben. Gastgeber Ulm, von Robert Lechleiter trainiert, musste nach dem Abstieg aus der 3. Liga neue Kräfte bündeln und begann die Partie mit zwei Wechseln: Meier und Kahvic ersetzten Kölle und Becker.
Die Anfangsphase gehörte nicht zwingend einem der Teams. Beide Mannschaften tasteten sich ins Spiel hinein, suchten Sicherheit im Mittelfeld, statt sofort ins volle Risiko zu gehen. Erst nach gut 20 Minuten nahm die Partie Fahrt auf – und da war es Elversberg, das die ersten Akzente setzte. In der 24. Minute segelte eine Flanke von Lasse Günther in den Strafraum, wo Bambasé Conté hochstieg. Sein Kopfball aus zentraler Position flog nur haarscharf am Pfosten vorbei. Es war das erste Warnsignal des Zweitligisten.
Von diesem Moment an übernahmen die Gäste das Kommando. Chancen von Ebnoutalib, Zimmerschied und erneut Conté brachten Ulm ins Wanken.
Doch SSV-Keeper Christian Ortag, der über weite Strecken des Spiels ein sicherer Rückhalt war, parierte mehrfach stark. „In der ersten Halbzeit mussten wir viel gegen den Ball arbeiten. Elversberg ist eine spielstarke Mannschaft, da mussten wir viel leiden und einiges überstehen“, erklärte Ortag später selbstkritisch. Bis zur Pause blieb es beim 0:0 – und die Gastgeber schöpften Hoffnung.
Nach dem Seitenwechsel stellte Ulm um. Lechleiter hatte seine Mannschaft in der Kabine mutiger eingestellt, was sofort sichtbar wurde. Die „Spatzen“ attackierten höher, drängten Elversberg zeitweise in die eigene Hälfte.
In der 54. Minute lag der Ball sogar im Netz, als Lucas Röser nach einem Steilpass vollendete. Doch die Fahne des Assistenten war längst oben – eine knappe Abseitsentscheidung, die den Drittligisten um die Führung brachte.
Elversberg musste sich schütteln, ließ aber nicht locker. In der 65. Minute vergab Lukas Petkov freistehend die große Gelegenheit, als er den Ball aus aussichtsreicher Position über das Tor setzte. Es war die Szene, die fast sinnbildlich für die bis dahin fahrlässige Chancenverwertung der Gäste stand. Doch nur wenige Minuten später sollte sich das Blatt wenden.
In der 72. Minute spielte sich die entscheidende Szene des Abends ab. Ein Distanzschuss von Tom Zimmerschied wurde abgeblockt und landete im Strafraum genau vor den Füßen von Felix Keidel. Der eingewechselte Außenspieler zögerte nicht lange, machte zwei Schritte und zog wuchtig mit links ab.
Am Ende ein Schlagabtausch
Der Ball schlug im kurzen Eck ein, unhaltbar für Ortag. Jubel bei den rund 300 mitgereisten SVE-Fans, Erleichterung auf der Bank. „Ja, es ist ein schönes Gefühl. Ich hatte nach meiner Einwechslung einige gute Aktionen nach vorne. Das Tor zu machen, fühlt sich natürlich sehr gut an, aber wenn man ehrlich ist, muss ich einen noch querlegen, anstatt selbst draufzuschießen. Also wäre auch noch mehr gegangen“, sagte Keidel nach der Partie bescheiden. Doch die Partie war damit längst nicht entschieden. Ulm antwortete mit einer Schlussoffensive, getragen von den eigenen Anhängern. Chancen für Dressel und Kölle verpufften, ein Kopfball nach einer Ecke strich knapp vorbei. Gleichzeitig ergaben sich Räume für Elversberg, die Keidel beinahe zu seinem zweiten Treffer nutzte. Diesmal scheiterte er jedoch am stark reagierenden Ortag – auf Conté querzulegen, wäre die bessere Wahl gewesen.
Die Schlussminuten wurden zu einem offenen Schlagabtausch, in dem Ulm alles nach vorne warf. Doch die SVE-Defensive, angeführt von Le Joncour und Pinckert, hielt stand. „Am Ende stehst du mit leeren Händen da“, fasste Ortag nüchtern zusammen. Für Ulm bedeutete das knappe 0:1 das Pokal-Aus, für Elversberg dagegen den Einzug in die zweite Runde.
Dass dieses Spiel eine besondere Note hatte, liegt an der gemeinsamen Vergangenheit beider Clubs. Noch vor wenigen Jahren trafen Elversberg und Ulm regelmäßig in der Regionalliga Südwest aufeinander. Es waren Duelle zweier Vereine, die beide den Aufstieg suchten, beide mit ambitionierten Projekten. Elversberg setzte sich schließlich durch, schaffte den Sprung in den Profifußball und etablierte sich in der 2. Liga. Ulm dagegen musste jüngst den bitteren Weg zurück in die 3. Liga antreten.
Für beide Teams geht es nun in der Liga weiter. Ulm muss in der 3. Liga gegen Duisburg ran, Elversberg dagegen richtet den Blick sofort wieder auf die 2. Bundesliga.
Schon am Freitag wartet mit dem 1. FC Kaiserslautern der nächste Prüfstein – und die Chance, vor heimischem Publikum nachzulegen. Die Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde ist restlos ausverkauft. Die bisherigen Zweitliga-Heimspiele gewann die SVE übrigens.