In einer hektischen DFB-Pokal-Partie musste der 1. FC Saarbrücken eine bittere 1:3-Heimniederlage gegen den klassenhöheren 1. FC Magdeburg hinnehmen. Die Leistung gibt aber Anlass zur Hoffnung.
Für Journalisten beginnt der interessante Part eigentlich dann, wenn die offizielle Pressekonferenz zu Ende ist. Es gibt Trainer, die versammeln dann die regionalen Medienvertreter zum Analysegespräch. FCS-Coach Alois Schwartz gehört dazu. Der joviale Fußball-Lehrer nimmt sich Zeit und nur selten ein Blatt vor den Mund. „Das muss aufhören, irgendwann muss es einen Lerneffekt geben“, sagte Schwartz mit Blick auf die 43. Minute, die das Spiel veränderte.
Schwartz setzt auf den Lerneffekt
Da führten die Saarbrücker einen Freistoß im eigenen Halbfeld riskant kurz aus, der Ball wurde sofort verloren. Magdeburgs Martijn Kaars eroberte die Kugel, marschierte durchs Mittelfeld und traf trocken ins lange Eck. Noch bevor sich die Gastgeber schütteln konnten, schlug Rayan Ghrieb nach einem schnellen Angriff erneut zu und erhöhte auf 0:2. Mit zwei Treffern in kaum mehr als zwei Minuten war die Partie bereits vorentscheidend in Richtung der Gäste gekippt. „Wir waren unglaublich naiv. Das darf so nicht mehr passieren. Wir müssen ganz dringend unsere Lehren daraus ziehen. Wir haben einen Freistoß an der Mittellinie und plötzlich stehen wir eins gegen drei. Das ist Wahnsinn“, sagte Kapitän und Abwehrchef Sven Sonnenberg.
Coach Schwartz fand denn auch deutliche Worte: „Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht. Es ist unerträglich, dass wir nicht zu null in die Halbzeit gehen und stattdessen ein unkalkulierbares Risiko eingehen. Es war klar abgesprochen, dass wir den Freistoß kurz ausführen. Stattdessen laufen wir in einen Konter. Es ist nicht das erste Mal, dass das der Mannschaft passiert. Wir haben viele Torschüsse gehabt, mehr als doppelt so viele wie ein Zweitligist. Das ist aller Ehren wert, aber es hat an Effektivität und Torgefahr gefehlt.“
Auch seine Spieler äußerten sich offen selbstkritisch. Kapitän Sonnenberg sprach von einem „Schlag ins Gesicht kurz vor der Pause“. Innenverteidiger Lasse Wilhelm rang ebenfalls um Worte: „Wir müssen da den einfachen Ball spielen. Wenn dann genau an dieser Stelle etwas schiefgeht und der Gegner durchbricht, ist das extrem ärgerlich. Solche Fehler dürfen uns nicht passieren.“
Nach dem Seitenwechsel verteidigten die Magdeburger ihre Führung souverän. Bereits sechs Minuten nach Wiederanpfiff traf erneut Ghrieb, dessen schöner Schuss unhaltbar im Netz zappelte. Damit stand es 0:3, die Vorentscheidung war gefallen. Saarbrücken jedoch steckte nicht auf. Angetrieben von den Fans im Ludwigspark suchte die Mannschaft weiter den Weg nach vorne und belohnte sich immerhin noch mit dem Ehrentreffer: In der 67. Minute traf Tim Civeja nach einer Ecke aus kurzer Distanz zum 1:3. Für einen Moment keimte Hoffnung auf, doch die letzte Präzision fehlte, um die Magdeburger noch einmal ernsthaft ins Wanken zu bringen. „Wir haben gut gespielt, hatten viele Chancen“, sagte der starke Neuzugang Florian Pick. Er selbst hatte nach gut einer halben Stunde die beste. „Den muss ich machen, meine Annahme war nicht sauber, daher springt mir der Ball zu weit weg“, sagte der Offensivmann, der aber Mut machte: „Man sieht, dass sich die Dinge entwickeln. Wir haben vier Punkte in der Liga geholt und heute ein ordentliches Spiel gemacht.“ Coach Schwartz darf sich bestätigt fühlen, wenn er von der Altlast einer schwierigen Vorbereitung spricht. Torwart Phillip Menzel, der erst wenige Tage vor dem Saisonstart ins Training einsteigen konnte, hat in den ersten drei Spielen der neuen Spielzeit vier Bälle ins Torwart-Eck kassiert. „Die waren aber alle gut geschossen und schwer zu halten“, wiegelte Schwartz ab. Dennoch: Dass die Abstimmung nicht perfekt ist, liegt auf der Hand. Das Team kassiert zu viele Gegentore. „Wir haben gegen Köln defensiv gut gearbeitet und geben dann das Spiel fast aus der Hand. Heute war es ähnlich. Wir lassen nichts zu, und dann kassieren wir zwei Dinger aus dem Nichts“, sagte der Trainer, der aber auch sagte: „Spielerisch war es eine deutliche Steigerung. Wir können mit breiter Brust nach Osnabrück fahren.“
Wilhelm rückt in den Fokus
Einen Gewinner eines turbulenten Saisonauftakts gibt es dennoch: Verteidiger Lasse Wilhelm, 22, bekam vom Coach mit auf den Weg, es müsse männlicher werden. „Er weiß gar nicht, was er alles kann“, sagte Schwartz. Der Defensiv-Allrounder zahlt das Vertrauen mit einer regelrechten Leistungsexplosion zurück. „Ich glaube, es täuscht ein bisschen. Ich kann mich schon wehren und setze mich jetzt nicht mehr einfach so auf die Bank“, sagte der ehemalige Mainzer, der auch weitere Konkurrenz nicht scheuen muss. Denn der Verein hat in den vergangenen Tagen die Bemühungen um einen zentralen defensiven Mittelfeldspieler noch einmal intensiviert. „Wir wollen und müssen eigentlich was machen. Aber es muss halt Sinn machen. Finanziell und sportlich“, sagt Schwartz.