Am 23. August startet die neue Spielzeit in der italienischen Serie A. Meister SSC Neapel setzt auf Kontinuität und Weltstars, doch Inter, Roma, Juventus, Milan und ein ambitioniertes Como wittern ihre Chance. Große Trainerwechsel, namhafte Neuzugänge und mutige Projekte versprechen eine der spannendsten Meisterschaften seit Jahren.
Wenn am 23. August der Anpfiff ertönt, richtet sich der Blick ganz Fußball-Italiens – und weit darüber hinaus – auf eine Serie A, die in der Saison 2025/26 so offen wirkt wie selten zuvor. Der Titelverteidiger SSC Neapel geht mit breiter Brust ins Rennen, doch die Liste der Verfolger ist lang. Inter Mailand, die AS Roma, Juventus Turin, der AC Milan und das ambitionierte Como Calcio wollen den Scudetto in eine andere Stadt holen. Die Transferphase hat den Blick auf die Liga zusätzlich geschärft: große Namen, mutige Wechsel und eine Reihe von Trainerentscheidungen haben die Ausgangslage verändert.
Napoli: Meister mit Magier im Mittelfeld
Die SSC Neapel schrieb im Mai ein weiteres Kapitel ihrer jüngeren Erfolgsgeschichte. Mit einem 2:0-Heimsieg gegen Cagliari am letzten Spieltag sicherte sich das Team den zweiten Scudetto innerhalb von drei Jahren. Trainer Antonio Conte blieb, das Grundgerüst der Meistermannschaft ebenfalls. Doch der Sommer brachte einen Transfer, der die Fans elektrisierte: Kevin De Bruyne.
Der belgische Spielmacher verließ Manchester City nach zehn Jahren und unterschrieb in Neapel einen Vertrag bis 2027 mit Option auf ein weiteres Jahr. Schon in den ersten Testspielen zeigte er, warum er als einer der besten Mittelfeldspieler seiner Generation gilt. In einem Freundschaftsspiel traf er doppelt – die italienische Presse reagierte mit Schlagzeilen wie „KDBOOM“ und nannte ihn „Magier“. Neben De Bruyne verpflichtete Napoli Sam Beukema, Lorenzo Lucca und Noa Lang, um die Breite im Kader zu erhöhen.
Die defensive Stabilität der Vorsaison – nur 27 Gegentreffer – soll auch diesmal das Fundament sein. Neapel geht als Favorit in die Saison, doch die Konkurrenz ist stark wie lange nicht.
Inter: Qualität, Fragezeichen und ein neues Gesicht an der Seitenlinie
Inter Mailand verpasste im vergangenen Jahr die Meisterschaft und den Champions-League-Titel denkbar knapp. Nach einer Saison, in der man lange auf drei Hochzeiten tanzte, blieb am Ende nur der bittere Geschmack verpasster Chancen. Kurz darauf verabschiedete sich Trainer Simone Inzaghi Richtung Saudi-Arabien.
Mit Cristian Chivu steht nun ein neuer Mann an der Linie, der schon bei der Klub-WM Verantwortung übernommen hatte. Der Kader ist weiterhin gespickt mit Klasse: Lautaro Martínez, Marcus Thuram und Nicolò Barella bilden das Herzstück. Doch abseits des Platzes sorgt die Personalie Ademola Lookman für Unruhe. Inter möchte den pfeilschnellen Offensivspieler unbedingt verpflichten, Atalanta Bergamo aber will keinen direkten Ligakonkurrenten stärken – ein zäher Poker um Ablöse, Prinzipien und sportpolitische Grundsätze.
Trotz dieser Nebengeräusche ist klar: Inter bleibt einer der größten Titelanwärter, muss aber beweisen, dass der Umbruch reibungslos gelingt.
Roma: Gasperini bringt frischen Wind
Die AS Roma war in der Rückrunde der Vorsaison die formstärkste Mannschaft der Liga. Unter Claudio Ranieri spielte sich das Team noch bis in die Europa League. Ranieri trat dennoch ab – und Roma nutzte die Gelegenheit für einen Trainercoup. Gian Piero Gasperini, der Atalanta Bergamo neun Jahre lang geprägt und sechsmal unter die Top vier geführt hatte, kam in die Hauptstadt.Mit Neuzugängen wie Evan Ferguson, Wesley und Neil El Aynaoui hat Gasperini nun eine Mischung aus Talent und Erfahrung zur Verfügung. Seine Handschrift – intensives Pressing, schnelles Umschalten, Mut zum Risiko –
könnte Roma zu einem der gefährlichsten Herausforderer machen. In Italien traut man den Giallorossi sogar zu, ganz oben mitzuspielen, wenn die Eingewöhnung schnell gelingt.
Juventus: Zwischen Hoffnung und Skepsis
Juventus Turin will den ersten Scudetto seit 2020. Die Vorsaison begann ambitioniert unter Thiago Motta, endete jedoch nach seiner Entlassung im März unter Igor Tudor, der den Club gerade noch in die Champions League führte. Tudor bleibt, aber der Druck ist enorm. Mit Jonathan David hat Juve eine neue Spitze im Angriff. Doch die Frage bleibt: Reicht das, um über eine gesamte Saison konstant zu punkten? Die „Bianconeri“ haben in den letzten Jahren zu oft Punkte gegen schwächere Gegner liegen gelassen. Der Hunger auf den Titel ist groß, aber die Konkurrenz stärker als je zuvor. Die „Alte Dame“ muss dafür sorgen, nicht den Anschluss zu verpassen.
Milan: Rückkehr zu alten Erfolgswegen
Für den AC Milan war die Vorsaison ein Rückschlag. Vom Anspruch, um den Titel mitzuspielen, blieb am Ende nur ein ernüchternder achter Platz. Auch das Pokalfinale ging verloren – damit verpasste Milan das internationale Geschäft komplett.
Mit Massimiliano Allegri kehrt ein Trainer zurück, der den Club 2011 schon zum Scudetto führte. Er setzt auf eine Balance aus Erfahrung und Jugend: Luka Modrić, Rafael Leão, Noah Okafor und Mike Maignan sollen wichtige Rollen spielen. Ein 4:2-Testspielsieg gegen Liverpool war ein erstes Signal, dass Milan wieder konkurrenzfähig sein könnte. Doch die Frage bleibt, ob es für den ganz großen Wurf reicht.
Como: Das ehrgeizige Projekt in Jahr zwei
Como Calcio geht in seine zweite Saison nach der Rückkehr in die Serie A – und hat erneut für Aufsehen gesorgt. Über 85 Millionen Euro flossen im Sommer in Neuzugänge, finanziert von der Djarum-Holding der indonesischen Unternehmerbrüder Robert Budi Hartono und Michael Bambang Hartono. Trainer Cesc Fàbregas, einst Welt- und Europameister als Spieler, setzt auf eine klare Philosophie: dynamischer, technisch anspruchsvoller Fußball, getragen von einer jungen, lernwilligen Mannschaft. Transfers wie Jesús Rodríguez (22,5 Millionen Euro von Real Betis), Nicolas Kühn (19 Millionen Euro von Celtic) und Álvaro Morata unterstreichen die Ambitionen. Die Uefa-Lizenz ist bereits erteilt, was bedeutet: Sollte Como die Qualifikation schaffen, steht einer Europapokal-Teilnahme nichts im Weg.
Trotz aller Investitionen wirkt der Plan nicht wie ein Schnellschuss. Fàbregas baut Schritt für Schritt, auch wenn der Club finanziell längst auf dem Niveau von Traditionsvereinen agiert. In Como ist man überzeugt, dass man mittelfristig zu den festen Größen in Italien gehören kann.
Die Ausgangslage vor dem Start ist so vielschichtig wie selten. Neapel hat die Titelverteidigung im Visier, Inter will mit neuem Trainer die Lücke schließen, Roma träumt vom ganz großen Wurf, Juventus und Milan wollen zurück in die erste Reihe, Como träumt von der Sensation. Die Serie A ist bekannt als Diva der fünf europäischen Top-Ligen. Neben dem altehrwürdigen Glanz und der italienischen Defensivtaktik verspricht die kommende Saison sicherlich wieder eine Menge Drama. Eines ist sicher: Diese Saison hat das Potenzial, nicht nur in Italien, sondern auch international für Schlagzeilen zu sorgen. Am 23. August geht es los. Dann werden die ersten Antworten gegeben – und die ersten Fragen für den Rest der Spielzeit gestellt. Der Scudetto ist so umkämpft wie lange nicht – und Skandale stehen in Italien sowieso auf der Tagesordnung.