Mit einer in der zweiten Halbzeit indiskutablen Leistung verliert der 1. FC Saarbrücken völlig verdient mit 2:0 in Osnabrück. Nach drei Spieltagen hängt der Haussegen schon schief.
Ob es bei einem Sieg ein Traumstart wäre, wurde FCS-Trainer Alois Schwartz vor der Auswärtsfahrt zum VfL Osnabrück gefragt. „Da müssen wir erst mal bestehen“, mahnte der Coach mit Blick auf die miserable Bilanz der Blau-Schwarzen an der Bremer Brücke. Gut 48 Stunden nach der Pressekonferenz am Donnerstag fühlten sich manche Skeptiker bestätigt. Nach einem völlig verdienten 0:2 ist vom Traum allenfalls noch ein Durchschnittsstart übrig. In der ersten Halbzeit hatte der FCS durch einen Kopfball von Lasse Wilhelm und eine schön herausgespielte Chance von Kai Brünker noch zwei Gelegenheiten. Nach dem Wechsel jedoch ging die Schwartz-Elf völlig unter und verlor auch in der Höhe verdient. Bjarke Jacobsen nach einem Eckball und der eingewechselte Frederik Christiansen sorgten in einer turbulenten Schlussphase, in der die Gastgeber immer stärker wurden, für den ungefährdeten Sieg der Lila-Weißen.
„In der ersten Halbzeit hatten wir durch den Kopfball von Lasse und die Aktion von Kai immerhin noch zwei Möglichkeiten. Da kann man auch ein Tor machen, dann läuft das Spiel anders. Nach dem Wechsel haben wir uns sehr weit hinten reindrängen lassen. Der Gegner ist dann immer stärker geworden und hat am Ende auch verdient gewonnen“, sagte Mittelfeldspieler Tim Civeja. Auffällig: Obwohl Schwartz eher für einen defensiven Ansatz steht, blieb sein Team – abgesehen vom Auftaktsieg gegen RW Essen im vergangenen Frühjahr – nie ohne Gegentor. Gegen Osnabrück war ein Eckball der Türöffner: „Wir lassen irgendwann zu viel zu. Dann kommt Welle um Welle, und am Ende kannst du nicht mehr alles verteidigen. Neun Eckbälle sind einfach zu viel“, kritisierte Verteidiger Joel Bichsel.
Eine Halbzeit verteidigte der FCS ordentlich, danach geriet er ins Schwimmen. „Wir haben es nicht geschafft, spielerische Lösungen zu finden“, monierte Bichsel. „Das geht aber nur mit Selbstvertrauen.“ Warum dieses fehlt, konnte der Schweizer nicht beantworten. Civeja ergänzte: „Wir schaffen es nicht, uns aus den letzten Linien spielerisch zu befreien und die Achter sowie die Angreifer in Szene zu setzen.“ Damit deutete er eine Qualitätsfrage an.
Das Fehlen von Schlüsselspielern wie Patrick Sontheimer oder Sebastian Vasiliadis ist nicht mehr zu übersehen. Bei Sontheimer ist zudem keine schnelle Heilung zu erwarten. „Er hat sich eine zweite Meinung eingeholt, aber es wird seine Zeit brauchen“, sagte Schwartz vor der Partie.
Kluge Lösung im Mittelfeld gesucht
Die Begegnung in Osnabrück legte die Defizite des FCS im Zentrum offen. Ex-Kapitän Manuel Zeitz müht sich im Rahmen seiner Möglichkeiten, zeigt aber auch, warum Schwartz’ Vorgänger ihn nicht mehr in der Mittelfeldzentrale sahen. Sobald das Spiel schnell und hektisch wird, die Abstände größer werden, kommt Zeitz nicht mehr nach.
Er könnte funktionieren, wenn die beiden Achter defensiv stabiler wären. Doch Civeja verliert weiterhin zu viele Zweikämpfe, und Elijah Krahn verdribbelt sich häufig. So fehlen Struktur, Sicherheit und Entfaltung – am Ende steht der FCS mit leeren Händen da.
„Wir haben heute zwei Mannschaften im Saarbrücker Trikot gesehen. In der ersten Halbzeit war ich zufrieden. Nach einem Warnschuss zu Beginn sind wir gut in die Partie gekommen. Wir hatten auch zwei gute Möglichkeiten, das ist hier nicht so einfach. In der zweiten Halbzeit war alles anders. Wir hatten keine Kontrolle mehr, verloren jeden Zweikampf und haben damit den Gegner eingeladen. Es ist ein Rätsel, warum wir nach dem Wechsel so eingebrochen sind“, sagte Schwartz. Die Frage, ob es auch an der Qualität liege, wollte er nicht beantworten: „In der ersten Halbzeit war einiges ja auch gut. Natürlich wissen wir, dass Sontheimer an allen Ecken und Enden fehlt. Aber wir wollen jetzt nichts überstürzen, sondern eine kluge Lösung finden.“
Das Fazit des Trainers nach der ersten Saisonniederlage fiel drastisch aus: „Wir haben hier nicht verloren, weil der Gegner so stark war, sondern weil wir so schlecht waren. Wir kommen raus und spielen nur noch Fehlpässe, das ist einfach frustrierend. Aus dem Spiel heraus hatte der Gegner eigentlich keine großen Chancen. Aber wir waren zu passiv, haben uns keine Bälle erarbeitet, keine halten können und deswegen verlieren wir zu Recht. In der Halbzeit war ich noch guter Dinge.“
Ein wenig haderte der Coach mit der Chancenverwertung. „In Osnabrück bekommt man nicht so viel. Lasse muss eigentlich das Ding per Kopf machen, Kai kann schneller abschließen. Das wäre ein Dosenöffner gewesen“, so Schwartz. Nun ist der Saisonstart durchwachsen. Am Samstag kommt Erzgebirge Aue. Ein Sieg ist eigentlich Pflicht, um die Stimmung aufzuhellen.