Die Fußball-Bundesliga hat wieder viele Stars verloren. Und nur wenige echte Stars geholt. Dafür aber spannende Spieler aus aller Welt, die sich dazu entwickeln könnten.
Auch in diesem Jahr hat nahezu jeder Verein aus der Fußball-Bundesliga wieder namhafte Spieler an ausländische Ligen verloren. Vor allem an die englische Premier League oder auch an neureiche Ligen wie die in Saudi-Arabien. Bei Bayer Leverkusen ging mit Florian Wirtz, Granit Xhaka, Lukas Hradecky oder Jeremie Frimpong quasi die ganze Achse der Double-Mannschaft von 2024. Aber auch Bayern-Star Kingsley Coman wird nach zehn Jahren nicht mehr in der Bundesliga zu sehen sein. Ebenso wie der Dortmunder Jamie Gittens, der Frankfurter Hugo Ekitiké oder der Leipziger Benjamin Sesko, der Stuttgarter Enzo Millot oder die Gladbacher Ko Itakura und Alassane Plea. Viele von ihnen haben die Fans verzaubert. Viele von ihnen waren aber auch als No-Names gekommen oder zumindest noch ziemlich am Beginn ihrer Karriere. Das ist nun mal der aktuelle Standard der Bundesliga.
Und die nächste Generation steht schon in den Startlöchern. Spannende Spieler, die neu in die Bundesliga kommen. Und die – bis auf wenige Ausnahmen – noch als kommende Stars oder gar Talente gelten. Wir stellen die interessantesten Neulinge vor.
Riesen-Umbruch in Leverkusen
Luis Díaz (28/Kolumbianer/für 70 Millionen vom FC Liverpool zum FC Bayern): Dieser Transfer spaltet die Experten. Die einen freuen sich über den zweifellos namhaftesten Neuzugang der Bundesliga in diesem Sommer. Drei Jahre spielte Offensiv-Star Luis Díaz für den FC Liverpool, beim Meistertitel im Vorjahr war er neben Mo Salah noch zweitbester Torschütze. Die anderen monieren, dass Díaz für sein Alter wegen der geringen Wiederverkaufs-Aussicht viel zu teuer gewesen sei und dass Liverpool sich ja nicht allzu sehr gegen den Verkauf gesträubt habe. Wie dem auch sei. Díaz ist ein Farbtupfer für die Liga, er traf auch gleich im Supercup. Und als Harry Kane zum FC Bayern kam, war er auch schon fast 30.
Jarell Quansah (22, Engländer, für 20 Millionen vom FC Liverpool zu Bayer Leverkusen): Die Bundesliga verlor Wirtz, Frimpong und Ekitiké an Liverpool, im Gegenzug kam neben Díaz auch Quansah. Der hätte dort wohl noch weniger gespielt als der Kolumbianer, kam im Vorjahr aber immerhin zu 13 Einsätzen in der Liga und vier in der Champions League. Und viele sehen in ihm einen kommenden Innenverteidiger von internationalem Format. Bei der U21-EM holte er mit England gerade als Stammspieler den Titel. Quansah ist 1,90 Meter groß, robust, schnell, hat eine tadellose Einstellung.
Malik Tillman (23/Deutsch-Amerikaner/für 35 Millionen von der PSV Eindhoven nach Leverkusen): Streng genommen ist Tillman kein ganz neues Gesicht in der Bundesliga. Für den FC Bayern wurde der in Nürnberg geborene US-Nationalspieler in der Saison 2021/22 vom heutigen Bundestrainer Julian Nagelsmann dreimal eingewechselt und einmal sogar von Anfang an gebracht. Doch die Bayern trauten ihm nicht den Durchbruch zu, verliehen ihn nach Eindhoven und verkauften ihn im vergangenen Sommer für zwölf Millionen dorthin. Nach einer starken Saison mit 21 Torbeteiligungen trotz mehr als zweimonatiger Verletzungspause berappte Bayer nun rund das Dreifache. Tillman soll nicht mehr und nicht weniger werden als der Nachfolger von Wirtz. Das ist eine große Aufgabe, und vergleichbar sind die beiden nicht. Die Erwartungen sind dennoch hoch.
Ernest Poku (21/Niederländer/für 4 Millionen von AZ Alkmaar nach Leverkusen): Und noch ein neuer Leverkusener. Und noch einer aus den Niederlanden. Mit vier Millionen Ablöse ist der in Hamburg geborene Poku auf den ersten Blick ein Schnäppchen. Doch sein Vertrag lief nur noch ein Jahr. Und mit Boni kann er am Ende bis zu zwölf Millionen Euro kosten. In Leverkusen soll er auf dem rechten Flügel langfristig seinen Landsmann Frimpong beerben. Bei der U21-EM wurde er als schnellster Spieler des Turniers gemessen. Nur in Sachen Torgefahr muss er noch zulegen.
Der kleine Bellingham
Jobe Bellingham (19/Engländer/für 30,5 Millionen von AFC Sunderland zu Borussia Dortmund): Einen Bellingham in Dortmund gab es schon. Von 2020 bis 2023 spielte Jobes älterer Bruder Jude Bellingham für den BVB, ehe er für rund 130 Millionen zu Real Madrid ging, wo er endgültig zum Weltstar aufstieg und inzwischen mit einem Marktwert von 180 Millionen notiert wird. Jobe ist nur etwas mehr als zwei Jahre jünger, deshalb in der Entwicklung noch längst nicht so weit wie sein Bruder im selben Alter. Doch zumindest ein ähnliches Talent soll er haben. Dieselbe Position im zentralen Mittelfeld spielt er auch. Deshalb spielte der BVB alle Karten bei der Familie Bellingham aus, um auch den zweiten Sohn nach Westfalen zu holen. Dass Jobe sich nicht im Glanz des Bruders sonnen, sondern seinen eigenen Weg gehen will, zeigt die ungewöhnliche Rückennummer 77 – Jude trug die 5 – und vor allem die Tatsache, dass er auf seinem Rücken gar nicht den Namen Bellingham tragen wird. Sondern einfach „Jobe“.
Sechs neue Spieler für RB Leipzig: Ausgerechnet nachdem sie erstmals in der Bundesliga-Geschichte die Champions League verpassten, verloren die Leipziger Sesko für 76 Millionen an Manchester United und am Ende wohl auch Xavi Simons. Das Geld verteilten sie wieder in viele neue, manchen noch unbekannte, aber sehr vielversprechende Kräfte. Gleich sechs Spieler aus dem Ausland, alle zwischen 18 und 23 Jahren alt und zwischen 14 und 20 Millionen teuer, holten die Sachsen in diesem Sommer. Um den neuen Sesko, den neuen Xavi, den neuen Dani Olmo oder den neuen Christopher Nkunku zu finden. Je 20 Millionen kosteten der brasilianische Mittelstürmer Romulo vom türkischen Club Göztepe, der belgische Mittelfeldspieler Arthur Vermeeren von Atlético Madrid und der erst 18 Jahre alte Linksaußen Yan Diomade vom spanischen Verein CD Leganés. 18 Millionen flossen für Rechtsaußen Johan Bakayoko nach Eindhoven, 16 für den niederländischen Mittelfeldspieler Ezechiel Banzuzi nach Leuven in Belgien und 14 für Offensivspieler Andrija Maksimovic an Roter Stern Belgrad. Wer das größte Potenzial hat? Schwer zu sagen? Experten trauen allen viel zu, alle waren von zahlreichen europäischen Clubs umworben. Die größte Soforthilfe dürfte Bakayoko sein, der mit 22 schon 18 Länderspiele für Belgien absolviert hat und in drei Jahren in Eindhoven an 55 Toren direkt beteiligt war. Im Kampf um ihn stach Leipzig auch Leverkusen aus.
Einige benötigen noch Zeit
Samuel Mbangula (21/Belgier/für 10 Millionen von Juventus Turin zu Werder Bremen): Insgesamt hielten sich die Bremer in diesem Sommer lange Zeit sehr zurück auf dem Transfermarkt. Und dann hauten sie plötzlich eine zweistellige Millionensumme für einen jungen Linksaußen raus. Doch Mbangula hat zwar noch kein A-Länderspiel und war in Turin auch kein Star. Doch er kam in 23 von 36 Liga-Spielen zum Einsatz, stand dabei sieben Mal in der Startelf und brauchte für eine Torbeteiligung weniger als 100 Minuten. Zudem machte sich der Belgier gleich bei den Bremer Fans beliebt. Bei der Ankunft hatte er die Nummer 19 bekommen. Als Marvin Duksch den Club verließ und die 7 frei wurde, wollte er diese aber unbedingt haben. Und kündigte direkt an, die Kosten für den Umtausch von bereits gekauften Trikots mit der 19 aus eigener Tasche zu bezahlen.
Vini Souza (26/Brasilianer/für 15 Millionen von Sheffield United zum VfL Wolfsburg): Auf die erneut missratene Saison reagierte Wolfsburg nicht mit einem Kaufrausch. Doch in Vini Souza investierten die Niedersachsen trotzdem kräftig. Der Brasilianer hat mit 26 zwar noch nie ein A-Länderspiel absolviert und im Vorjahr in England nur in der 2. Liga gespielt. Dort war er aber in den Augen vieler einer der besten Spieler überhaupt und für seinen Ex-Trainer „ein echter Anführer“. Und genau so etwas haben die Wolfsburger gesucht.
Rav van den Berg (21/Niederländer/für 8 Millionen vom FC Middlesbrough zum 1. FC Köln): Die Kölner hatten für ihre Verhältnisse schon kräftig investiert, da kam diese Verpflichtung für eine mit Boni rund zweistellige Millionensumme für einen Abwehrspieler ziemlich überraschend. Doch in Rav van den Berg, dessen Bruder Sepp auf Schalke und in Mainz schon überzeugte, sehen die Kölner nicht nur ein potenzielles Wiederverkaufs-Wachstum, sondern vor allem einen Abwehrchef von außergewöhnlichem Format. Bei Middlesbrough in der zweiten englischen Liga war er uneingeschränkter Stammspieler, aber auch recht oft verletzt.