Die neu strukturierte Bundesliga voller Hochkaräter fordert die Ringer des KSV Köllerbach. Nichtsdestotrotz wollen die Saarländer sich für die Play-offs qualifizieren.
Die neue Saison in der Ringer-Bundesliga steht vor der Tür – und für den KSV Köllerbach geht es am 27. September mit einem Auswärtskampf in Weingarten los. Allerdings wird in diesem Jahr alles anders: Die Liga ist nicht mehr zweigleisig, sondern nur noch eine Bundesliga mit den acht Spitzenmannschaften. Die Zielsetzung der Köllerbacher ist klar: das Erreichen der Play-offs – auch wenn der Weg dorthin steinig werden dürfte. Die Konkurrenz aus Weingarten, Mainz, Freiburg, Kleinostheim, Burghausen, Schorndorf und Hösbach ist teilweise finanziell deutlich besser aufgestellt als die Saarländer.
Abschied von Öhler tut weh
„Die Play-offs sind unser erklärtes Ziel, aber die Konkurrenz wird brutal. Ich gehe davon aus, dass wir es schaffen, wenn wir Mainz und Freiburg schlagen“, meint Teamleiter Thomas Geid und hofft, dass die neue, stärkere Bundesliga auch von den Zuschauern stärker angenommen wird: „Eigentlich müsste die Kyllberghalle bei jedem Wettkampf voll sein. Alle Teams haben sich enorm verstärkt, und wir werden in jedem Kampf gegen absolute Hochkaräter antreten.“ Der KSV selbst hat sich ebenfalls verstärkt, hat im personellen Bereich allerdings auch Rückschläge zu verkraften: Peter Öhler, der in der vergangenen Saison noch in der Gewichtsklasse bis 97 Kilogramm für Köllerbach startete, wechselte zu Ligakonkurrent Weingarten. Dauren Kurugliev hatte sich bei einem Turnier in Ungarn einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt vorerst aus. „Das ist schon ein herber Verlust“, weiß Geid. Und zwar einer, den der zurückgeholte Ahmed Bataev in der 98-Kilo-Freistilklasse wohl nicht in Gänze kompensieren kann.
Zudem erhielt ein vielversprechender Neuzugang aus Usbekistan keine Freigabe für die Bundesliga. „Natürlich trifft uns das, aber so etwas kommt ab und an mal vor“, sagt Geid zum „Fall“ Mehroj Bakhramov. Der 21-jährige vielversprechende Athlet hatte beim Weltranglisten-Turnier in Kroatien einen hervorragenden fünften Platz belegt und überzeugte vor allem mit seiner kämpferischen Einstellung. Er wäre für den KSV in der Gewichtsklasse bis 61 Kilo griechisch-römisch angetreten. „Der Präsident des usbekischen Verbandes meint, Bakhramov sei zu jung und müsste zu viel Gewicht machen, um in der Bundesliga zu ringen. Stattdessen will man ihn in Usbekistan an die Weltspitze heranführen“, erklärt Geid, der trotzdem international erfahrene Athleten für den Kader gewinnen konnte.
Hayk Khloyan (24) kommt als amtierender U23-Weltmeister 2024 aus Armenien und wird in der Gewichtsklasse bis 97 Kilo an den Start gehen. Mit diesem Neuzugang soll die Lücke, die der Abgang von Öhler hinterließ, zumindest zum Teil geschlossen werden. Hayk Melikyan (26), ebenfalls aus Armenien, wird die Mannschaft in der Gewichtsklasse bis 75 Kilo verstärken. Er hatte bei der Weltmeisterschaft 2024 einen beachtlichen fünften Platz erkämpft. Beide Sportler bringen wertvolle internationale Erfahrung mit und werden das Team auf der Matte enorm verstärken.
Ein wahrer Transfercoup gelang den Köllerbachern jedoch mit der Verpflichtung von Arsen Harutyunyan (30), einem vierfachen Europameister und Olympiateilnehmer, der künftig in der Gewichtsklasse bis 61 Kilo Freistil für die „Köllerbacher Wölfe“ auf die Matte gehen wird. „Wir freuen uns riesig, einen so hochkarätigen Athleten verpflichten zu können. Arsen ist eine echte Verstärkung, und wir sind stolz, dass er sich trotz anderer Angebote für uns entschieden hat“, so Geid.
KSV-Jugend sehr erfolgreich
Neben den neuen internationalen Stars wird auch der Saarländer Etienne Kinsinger weiterhin eine tragende Rolle im Team spielen. Der 28-Jährige bleibt dem KSV Köllerbach treu und wird in der Gewichtsklasse bis 66 Kilo griechisch-römisch an den Start gehen. Seine Vertragsverlängerung unterstreicht die Kontinuität und das Vertrauen des Vereins in die eigene Nachwuchsförderung. Kinsinger hat seine Karriere im „Ringer-Kindergarten“ des Vereins begonnen und sich seither zu einem der Eckpfeiler des Teams entwickelt. Im Sommer dieses Jahres sicherte sich Kinsinger in Elsenfeld in der Gewichtsklasse bis 63 Kilo im griechisch-römischen Stil souverän die Goldmedaille und krönte sich damit zum Deutschen Meister. Zwei weitere Podestplätze gingen ebenfalls an den KSV Köllerbach: Kilian Schäfer erkämpfte sich in der Klasse bis 130 Kilo griechisch-römisch die Bronzemedaille, ebenso wie Valentin Seimetz, der im Freistil bis 65 Kilo auf Rang drei landete. Auch bei der Deutschen Meisterschaft im Beachwrestling, die am 5. Juli im Freibad Elstergarten in Oelsnitz (Sachsen) ausgetragen wurde, war Seimetz erfolgreich. Er trat in der Gewichtsklasse bis 70 Kilo an, gewann alle fünf Kämpfe und verteidigte somit seinen vierten Titel in Folge. Tillman Schäfer startete in der Klasse bis 90 Kilo und erreichte mit drei Siegen und zwei Niederlagen einen starken dritten Platz.
Auch die Junioren des KSV zeigten herausragende Leistungen. Fazel Ahmad Mohammadi dominierte in der stark besetzten Klasse bis 70 Kilo mit vier Siegen aus vier Kämpfen und sicherte sich den deutschen Meistertitel. Florian Zimmer, ebenfalls in der 70-Kilo-Klasse am Start, konnte sich in zwei Kämpfen leider nicht durchsetzen und landete auf dem 14. Platz. In der Gewichtsklasse bis 80 Kilo ließ Igor Makuch seinen Gegnern keine Chance, gewann alle drei Kämpfe und wurde verdient Deutscher Meister unter acht Teilnehmern.
Nichtsdestotrotz: „Es wird eine sehr schwere Saison, aber genau das macht den Reiz aus. Wir kämpfen gegen die besten Mannschaften der Bundesliga, und das ist der Maßstab. Wenn wir in die Play-offs einziehen, wäre das ein riesiger Erfolg“, sagt Thomas Geid, der es als große Herausforderung ansieht, „mit den finanziell starken Top-Teams mitzuhalten. Aber wenn die Zuschauer uns die Unterstützung geben, die wir brauchen, dann ist das eine zusätzliche Motivation.“