Mit seinem Verlagsimperium um die Kultfiguren „Fix und Foxi“ war der vor 25 Jahren verstorbene Rolf Kauka ein Pionier des Comic-Genres in der Bundesrepublik und wurde daher häufig mit Walt Disney verglichen. Seinem Aufstieg zum Selfmade-Millionär konnte auch seine politische Weltanschauung als Rechtsausleger nicht schaden.
Bis zu seinem Tod am 13. September 2000 auf seinem mediterranen Nobel-Anwesen unweit von Thomasville im US-Bundesstaat Georgia war der 83-jährige Rolf Kauka politisch ein Ewiggestriger geblieben. Aus dem verlegerischen Tagesgeschäft hatte er sich nach dem finalen Verkauf seines Medien-Imperiums an die Bauer Verlagsgruppe 1979 bereits komplett zurückgezogen und kümmerte sich in seiner aus gesundheitlichen Gründen auserkorenen US-Wahlheimat hauptsächlich um die mediale Umsetzung seiner Kultfiguren „Fix und Foxi“. Deren Urheberrechte hatte er behalten und arbeitete an einer TV-Zeichentrickserie, die erstmals im Februar 2000 in der ARD ausgestrahlt wurde. Zudem versuchte Kauka, sich in seinen letzten Lebensjahren auch als Schriftsteller zu profilieren, wobei seine beiden Science-Fiction-Publikationen „Roter Samstag oder Der Dritte Weltkrieg findet nicht statt“ (1980) und „Luzifer: Roman einer Seelenwanderung“ (1988) angesichts ihres jeweils arg obskuren Inhalts kaum Beachtung fanden.
Mit der Filmbranche hingegen kannte sich Kauka wesentlich besser aus. Ursprünglich hatte er nach dem Krieg seine berufliche Zukunft in der Trickfilm-Produktion gesehen. So hatte er mit seinem in München eingerichteten Filmstudio beispielsweise 1955 einen innovativen dreiminütigen Werbefilm für das schnittige BMW-Sportcoupé Isetta präsentiert. Sein direkt danach gehegter Traum von einem abendfüllenden „Münchhausen“-Zeichentrickfilm kam jedoch nicht über einige fertiggestellte Sequenzen hinaus.
400.000 Hefte wöchentlich
Erst 1972 war es dann so weit: Kauka trat mit der Gesellschaftskomödie „Versuchung im Sommerwind“ als Filmproduzent auf. Aber der Streifen wurde trotz prominenter Besetzung mit Helmut Käutner, Christiane Hörbiger und Paul Hubschmid ebenso ein Flopp wie das 1973 von Kauka produzierte und zusätzlich mit einem „Fix und Foxi“-Vorfilm aufpolierte Zeichentrickwerk „Maria d’Orso und Bello Blue“.
Natürlich hat sich Rolf Kauka vor allem mit seinen beiden Füchsen in Latzhosen, eben „Fix und Foxi“, einen Namen gemacht. Die Popularität der Comicserie, die es zwischen 1953 und 1994 auf die stolze Zahl von 2.018 Ausgaben brachte, lässt sich auch daran ablesen, dass sie mit dem Spruch „Ich bin fix und foxi“ sogar Eingang in die allgemeine Sprachkultur gefunden hat. In ihren Glanzzeiten erreichte das Heft eine wöchentliche Druckauflage von 400.000 Exemplaren, von der nach offiziellen Verlagsangaben insgesamt 750 Millionen Hefte verkauft wurden. Anderen Quellen zufolge sollen es „lediglich“ 300 Millionen gewesen sein.
Kaukas verlegerische Königsidee beruhte auf dem Erfolg der 1951 in Deutschland eingeführten „Micky Maus“-Hefte, des damals einzigen durchgehend vierfarbigen reinen Comic-Magazins auf dem hiesigen Markt. Obwohl seinerzeit den Comics in der jungen Bundesrepublik noch ein Schmuddel-Image anhaftete und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften den Kids dringend angeraten hatte, statt der vermeintlich minderwertigen Heftchen doch lieber „gute Literatur“ zu konsumieren, waren die Comics heiß begehrt. Das zeigte sich schnell in einer durchschnittlichen Druckauflage von rund 400.000 Exemplaren der „Micky Maus“.
Rolf Kauka witterte die schnelle Mark und ließ daher seine Trickfilm-Crew quasi nebenbei auch Comics produzieren. Wobei er zur Abgrenzung und zum Eindämmen des zwangsläufig aufkommenden Kopistenvorwurfs gegenüber der dominanten Disney-Konkurrenz auf Stoffe aus dem deutschen Volksgut, speziell den Märchen und Mythen, zurückgriff. Über Till Eulenspiegel und den Lügenbaron Münchhausen fand er den Weg zu vermenschlichten Tieren wie Johann Christoph Gottscheds Reineke Fuchs und entwickelte daraus das junge Brüderpaar „Fix und Foxi“ – mit einem betont harmlosen und meist pädagogischen Anstrich. Um diese Figuren herum siedelte der deutsche Comic-Pionier im Laufe der Zeit weitere rund 80 tierische Charaktere an, wie etwa den Wolf Lupo, den Raben Knox, den Maulwurf Pauli, den Hasen Hops oder die Igelchen Stips, Staps und Stups. Der erst 1967 lancierte „Bussi Bär“ als Protagonist des ersten deutschen Vorschulmagazins traf den Nerv der Zeit wohl am besten und bescherte dem Heft in den 1970er-Jahren sogar Auflagen auf Augenhöhe mit „Fix und Foxi“. Es ist übrigens das einzige Kauka-Projekt, das bis zum heutigen Tag kontinuierlich erscheint.
Ein besonderes Verdienst hatte sich Kauka auch durch die Einführung damals hierzulande noch völlig unbekannter hochwertiger Comic-Serien, vor allem aus Frankreich und Belgien, erworben. Dafür benutzte er das 1964 gegründete Comic-Magazin „Lupo“, das später in „Lupo Modern“ und schließlich in „Tip Top“ umbenannt wurde. Hier konnte die deutsche Leserschaft erstmals Bekanntschaft machen mit Comic-Heroen wie Lucky Luke, den Schlümpfen, Tim und Struppi oder Asterix und Obelix.
Begeisterter Nationalsozialist
Zwar war es seinerzeit durchaus gängige Praxis, dass ausländischen Lizenz-Erwerbern im Comic-Genre bei der Umsetzung der Bildgeschichten in ihre Muttersprache recht freizügige Übersetzungen erlaubt waren. Doch Kaukas Adaption der noch jungen französischen Asterix-Reihe im Jahr 1965 sorgte für einen Skandal und den schnellen Entzug der Lizenzrechte nach nur einem Jahr und vier Asterix-Ausgaben. Bei Kauka wurden Asterix und Obelix nicht nur in Siggi und Babarras umbenannt, sondern darüber hinaus wurde der Kampf der Gallier gegen die Römer in einen nationalen Widerstand der Deutschen gegen die alliierten Besatzungsmächte umgedeutet. Noch deutlicher brachte Kauka seine rechte Gesinnung ungestraft in seinem Editorial der Weihnachtsausgabe 1967 von „Fix und Foxi“ zum Ausdruck, als er die Freilassung der „unschuldig Gefangenen in Spandau und allen anderen Gefängnissen“ forderte. Wobei zu dieser Zeit in Spandau mit dem einstigen Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß nur ein einziger Insasse inhaftiert war.
Auch darf nicht übersehen werden, dass Kauka von den Anfängen seines Verlages in den frühen 1950er-Jahren bis zum Jahr 1966 mit dem Rastatter Pabel-Verlag kooperiert hatte, dem er jeweils die fertigen Comic-Hefte gegen ein Fixum und eine Verkaufsprovision zum Druck und Vertrieb überlassen hatte. Dieser von dem gebürtigen Schlesier Erich Fabel geführte Verlag war vor allem für seine den Krieg verherrlichenden sogenannten Landser-Hefte bekannt. Dass mit Dr. Norbert Pohl ein ehemaliger Chefrichter des SS- und Polizeibezirks Krakau den Posten eines kaufmännischen Geschäftsführers in Kaukas Verlag bekleidete, dürfte daher nicht mehr weiter verwundern.
Gut verdient durch Verlagsverkauf
Kauka, der am 9. April 1917 in der sächsischen Kleinstadt Markranstädt als Sohn eines Hufschmieds und Wagenbauers als Paul Rudolf „Rolf“ Kauka geboren wurde, wusste die von ihm als Berufsoffizier in der Wehrmacht während des Krieges geknüpften Seilschaften geschickt für seine Berufskarriere in der jungen Bundesrepublik zu nutzen. Der glühende Hitler-Junge und begeisterte Nationalsozialist Kauka, der nach der abgebrochenen Schule nur eine Ausbildung zum Drogerie-Gehilfen absolviert und sich gelegentlich mit Zeichnungen und Texten für NSDAP-Tageszeitungen etwas dazu verdient hatte, münzte seine Bekanntschaft mit dem späteren Direktor des Bundesnachrichtendienstes Gerhard Wessel Mitte der 1950er-Jahre in Aufträge für Bundeswehr- und Spionageabwehr-Ausbildungsfilme um. Das konnte der langjährige Chefhistoriker des Bundesnachrichtendienstes, Bodo V. Hechelhammer, in der erst 2022 erschienenen Biografie über den viermal verheirateten Kauka mit dem Titel „Fürst der Füchse“ nachweisen. Kauka war so gut wie nie eigenhändig an der Heftproduktion beteiligt, sondern überließ das Texten und Zeichnen einem Heer von Mitarbeitern mit dem jugoslawischen Comic-Spezialisten Walter Neugebauer an der Spitze. Um nach dem Krieg an eine Verlagslizenz zu kommen, hatte Kauka seinen nationalsozialistisch arg belasteten Lebenslauf frisiert und sich als promovierten Literaturwissenschaftler Dr. Rudolf Kauka ausgegeben. Den falschen Doktortitel führte er danach zeitweise auch noch im Verlagsnamen. Sein Kniff mit den frisierten, aber nicht überprüfbaren Angaben brachte ihm 1947 die erhoffte Einstufung als Mitläufer.
Erst danach erhielt er die Lizenz und konnte seinen Verlag mit einem zunächst bunten Allerlei von Zigarettenbildchen bis hin zur Westernroman-Serie „Bill Rocky“ gründen, um über Prien am Chiemsee und München schließlich 1957 im sogenannten Kauka-Schloss im noblen Grünwald seinen Stammsitz zu finden. Privat residierte Kauka ab 1966 auf dem riesigen Gut Eichenhof der Gemeinde Zolling im Landkreis Freilassing. 1973 verkaufte er seinen Verlag erstmals an ein britisch-niederländisches Konsortium und machte nach dessen Auflösung von seinem Rückkauf-Recht Gebrauch, um sein Unternehmen sogleich 1979 nochmals gewinnbringend an die Bauer Verlagsgruppe zu verhökern.