Sie zählte zu den schönsten Frauen der Welt, galt als Ikone der Aerobic-Welle und veröffentlichte Fitness-Bücher und CDs. Nach einem Unfall 2009 veränderten mehrere Gesichtsoperationen ihr Aussehen. Die 74-Jährige hat jetzt ihr sechstes Ratgeberbuch geschrieben.
Das Jahr 2009 bedeutete für die Schauspielerin Sydne Rome eine Zäsur. Galt die Amerikanerin in jungen Jahren als eine der schönsten Frauen der Welt und war bis dahin in Dutzenden Filmen auf der Leinwand zu sehen, hinterließ ein tragischer Autounfall vor gut 15 Jahren deutliche Spuren in ihrem Gesicht: Rome, die mit ihrer Tochter im Auto saß, verlor die Kontrolle über den Wagen, kam von der Straße ab und prallte gegen einen Baum. Der explodierende Airbag zertrümmerte ihr Gesicht und richtete großen Schaden an. Die behandelnden Ärzte erkannten nicht, dass Romes Gesichtsmuskeln durchtrennt worden waren. „Dieser Teil meines Gesichts war nach einiger Zeit gelähmt. Danach habe ich vor zehn Jahren eine Physiotherapie gemacht, und heute geht es mir ein bisschen besser“, erzählt sie kürzlich dem Magazin „Newsner“. Hinter Rome liegen „unzählige“ Gesichtsoperationen, die die medizinischen Fehler der Anfangszeit kaum beheben konnten. Mithilfe der „Perfetti“-Methode habe sie inzwischen aber gelernt, ihre Gesichtsmuskeln wieder etwas besser zu beherrschen, ihre frühere Schönheit hat sie dennoch eingebüßt. Wenn sie sich heute Fotos mit der deutlich veränderten rechten Gesichtshälfte ansieht, sei es so, „als würde ich eine andere Person wiedersehen.“
Versucht sich fit zu halten
Das veränderte Aussehen mit den verzerrt und steif wirkenden Gesichtszügen führte dazu, dass Rome sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückzog. Natürlich hätten ihr die hämischen Schlagzeilen nach den verpatzten OPs wehgetan, gesteht Rome. Heute könne sie jedoch besser damit umgehen: „Ich bin alt. Ich mache mir nicht mehr so viele Gedanken um mein Aussehen.“ Im Vorjahr wagte sie sich aber „fast schon schüchtern“ wieder mal auf einen roten Teppich anlässlich des Film-Screenings von Francis Ford Coppolas neuestem Film „Megalopolis“.
Trotz der unübersehbaren Folgen ihres Unfalls und der missglückten Gesichtsoperationen lässt sich Rome nicht unterkriegen. Sie arbeitet weiter in der Filmbranche, denn sie liebt diesen Beruf „über alles“, auch wenn sie heute rückblickend erklärt, dass das Filmgeschäft für sie immer schwierig war: „Ich hatte einen guten Start und habe immerhin 50 Filme gedreht, solange ich sehr hübsch aussah. Aber dann war alles vorbei.“ Zum Glück konnte sie dann auf der Aerobicwelle schwimmen und mit Videos und Büchern ihr Geld verdienen. Ihr 1980 in Berlin gegründetes Fitness-Studio „Let’s move“ war allerdings ein Flop, weil das Konzept nicht gestimmt hat. „Ich bin eben keine gute Geschäftsfrau“, gestand Rome kürzlich bei „T-Online“. Sie erinnert sich aber noch gut an ihre damaligen Aerobic-Kunden. „Die deutschen Frauen waren wirklich stark. Das Einzige, was für mich schwer war: Sie wollten dauernd die Fenster öffnen und mitten im Januar noch frische Luft haben“, wunderte sie sich 2024 im „Berliner Kurier“.
Rome versucht, sich selbst weiterhin fit zu halten, denn ihr Motto „Let’s move“ gelte im Alter ganz besonders: „Ich mache jeden Morgen von acht bis neun Gymnastik.“ Sie esse nicht viel und nie Süßes.“ Eine Zeit lang hat sie Kinder im Stepptanz unterrichtet und selbst Klavierstunden genommen. „Wenn ich alt bin, möchte ich in Piano-Bars spielen, das ist mein Traum.“
„Als Oma bin ich top“
Neuerdings bekommt Rome aber sogar wieder Angebote aus der Filmbranche: Sie stand 2023 in dem italienischen Film „Der vierzehnte Sonntag der gewöhnlichen Zeit“ in einer Mutterrolle vor der Kamera. Im gleichen Jahr drehte sie nach „Was“ (1972) mit dem Anfang 2024 in den deutschen Kinos gestarteten „The Palace“ ihren zweiten Film mit Regisseur Roman Polanski. Zuvor war Rome zwischen 2021 und 2022 in 53 Episoden der italienischen Fernsehserie „Don Matteo“ zu sehen. Zudem hat sie 2019 die Arbeiten an ihrem sechsten Buch abgeschlossen. Es heißt „Mindfulness – Für Eltern, die ein wenig den Kopf verloren haben“. Es ist eine Anleitung, entspannter und positiver zu denken und damit auch für ausgeglichenere Kinder zu sorgen.
Ehrenamtlich unterstützt Rome seit vielen Jahren mit ihrer Freundin Romina Power, ein Programm, das sich um die Minenbeseitigung im ehemaligen vietnamesischen Kriegsgebiet kümmert.
Neben ihren beruflichen Aktivitäten ist Rome aber auch ein Familienmensch. Da ihr eigener Kinderwunsch unerfüllt blieb, adoptierten sie und ihr Mann Roberto Bernabei, ehemaliger Leibarzt von Papst Franziskus, zwei Mädchen aus den brasilianischen Favelas. Das Erziehen dieser Kinder, die heute bereits in den 30ern sind, bezeichnet Rome als eine echte Herausforderung: „Es gab Zeiten, in denen ich mit den rebellierenden Mädchen nicht klarkam. Ich würde sagen: Als Mutter war ich ein Flop, als Oma bin ich top.“ Denn seit der Scheidung ihrer Tochter leben deren Kinder (fünf und drei Jahre alt) bei ihr in Rom, wo sie sich sehr wohl fühlen: „Jeden Morgen kommen sie ins Schlafzimmer zum Kuscheln.“