Die Ich-Erzählerin Sara Makina ist eine japanische Star-Architektin, die soeben an einem Wettbewerb für den Bau eines Turms im Zentrum von Tokio teilnimmt. Er soll Tokyo Sympathy Tower heißen und etwas ganz Besonderes werden: eine Haftanstalt für verurteilte Straftäter, die aber wie ein Luxushotel ausgestattet sein soll. Damit will die Stadt der Philosophie eines Glücksforschers folgen, der in jedem Straftäter einen Homo miserabilis sieht. Im Gegensatz zum Normalbürger, dem Homo felix, habe dieser in seinem Leben nichts Gutes erfahren und sei deshalb auf die schiefe Bahn geraten. Mit dem Turm gebe die Gesellschaft diesen Menschen etwas von dem Glück zurück, das ihnen vorenthalten worden sei.
Der Roman „Tokyo Sympathy Tower“ spielt zuerst in naher Zukunft und bedient sich realer Ereignisse. So etwa hatte die britische Stararchitektin Zaha Hadid für die Olympischen Spiele von 2020 den Entwurf eines Stadions in Tokio eingereicht. Allerdings waren die Kosten des futuristischen Projekts, das ein wenig an einen modischen Fahrradhelm erinnerte, trotz abgespeckter Planung aus dem Ruder gelaufen. In einem zweiten Wettbewerb setzte sich ein japanischer Architekt durch. Das gegenwärtige Stadion hat, wie viele andere auf der Welt, die traditionelle Form einer Leibschüssel.
Die Autorin Qudan geht allerdings von der Fiktion aus, dass Zaha Hadids Entwurf verwirklicht wurde. Mit diesem architektonischen Wurf solle nun der von Sara Makina entworfene Gefängnisturm korrespondieren. Sara gewinnt den Wettbewerb, und im zweiten Teil des Romans, der im Jahr 2030 spielt, gibt es ihn bereits.
Aufregung erregte Rie Qudan, als sie anlässlich der Preisverleihung in Japan für diesen, ihren dritten Roman einräumte, sich beim Schreiben für etwa fünf Prozent des Buches Künstlicher Intelligenz bedient zu haben. Das ist aber insofern nicht zu kritisieren, als es sich um Stellen handeln dürfte, in denen die Autorin Sara mit KI arbeiten lässt, und diese Passagen fett gedruckt ausgeschildert sind.