German Angst war gestern, heute ist German Unzufriedenheit. Du kannst machen, was Du willst, eines ist sicher: Es wird gemeckert. Ach was, gemeckert! Das ginge ja noch angesichts dessen, was sich inzwischen auch in der realen, analogen Welt zum neuen „normalen“ Umgangston entwickelt. Von dem, was das Netz zu bieten hat, ganz zu schweigen. So gesehen war die Eine-Milliarde-Diskussion im Land noch vergleichsweise harmlos.
Trotzdem: Da gibt es 1,2 Milliarden vom Investitionsfonds des Bundes. Nun muss ja deswegen nicht gleich der berühmte Sektkorken knallen. Aber statt sich über diese unverhoffte Chance zu freuen, bricht erst mal ein veritabler Streit darüber aus, wer das ganze Geld ausgeben darf.
Durchaus verständlich, denn der Investitionsstau aufgrund der extremen Sparnotwendigkeiten der Vergangenheit ist beträchtlich. Wenn man die vielen Hochrechnungen zusammennimmt, wird klar, dass die gut eine Milliarde nicht reicht, um alles auf einen Schlag in Ordnung zu bringen.
Nachvollziehbar also, dass alle, Bürgermeister, Landräte, Landesregierung, möglichst viel abhaben wollen, um ihre Projekte, die bislang kaum Chancen hatten, zu verwirklichen.
Immerhin hat das zähe Ringen einen Kompromiss gebracht, der ganz im Sinne von Kompromissen allen etwas ermöglicht, aber keiner kriegt alles, was er oder sie (mit guten Gründen) für wünschenswert gehalten hätte.
Und doch gibt es bei allen Beteiligten eine große Gemeinsamkeit: Jetzt soll so investiert werden, dass Bürgerinnen und Bürger auch sehen, dass endlich wieder was passiert. Vertrauensbildende Maßnahmen also.
Dazu würde aber auch gehören, dass nach dem Kompromiss erst mal Ruhe im Karton herrscht. Sollte eigentlich keine große Übung sein, wenn alle Energie jetzt in die Umsetzung gehen würde und allen klar ist: Menschen haben genug vom Dauerstreit, sie wollen Ergebnisse sehen.
Klar werden sie immer noch unzufrieden sein, weil sowieso und überhaupt gerade große Mode ist, alles schlecht zu finden und zu machen. Auch die wundervollsten Milliardeninvestitionen werden einen bestimmten Teil von Menschen nicht aus dieser Stimmung holen. Aber sie können ein wesentlicher Beitrag sein, dass diese nicht zum Mainstream wird.